Anbieter zum Thema
7. Léo Apotheker – zweimal gescheitert

Bei SAP folgte der 1953 in Aachen geborene Manager auf Henning Kagermann – einen promovierten Physiker und Veteran aus der Entwicklung, der im Ruf stand, den Code des SAP-Kernprodukts R/3 auswendig zu kennen. Apotheker war dagegen ein Mann des Vertriebs.
Eigentlich galt der Israeli Shai Agassi als SAP-Kronprinz. Der hatte die Firma TopTier gegründet, die Unternehmenslösungen für kleine und mittelständische Betriebe herstellte. Nach der Übernahme von TopTier durch SAP schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann Agassi den Chefsessel einnehmen würde.
Doch 2007 schied Agassi überraschend aus. Der Weg für Apotheker war frei: Bis 2009 amtierte er zusammen mit Kagermann als Co-Vorstandssprecher, danach stand er allein an der Spitze.
Allerdings nur für neun Monate. Schon bald entzündete sich Kritik an Apothekers Führungsstil: So soll er autoritär und undiplomatisch aufgetreten sein. Zudem sorgte ein kräftiger Aufschlag bei den Wartungskosten für Unmut bei den Bestandskunden, und auch die Software Business ByDesign für mittelständische Unternehmen kam nicht recht vom Fleck.
Die SAP-Führung büßte Vertrauen bei Kunden und Mitarbeitern ein. Als Vorstandschef Hasso Plattner den Vertrag mit Apotheker nicht verlängerte, zog dieser die Konsequenz und trat Anfang 2010 zurück.
Vor diesem Hintergrund überraschte es, dass Apotheker im November 2010 als CEO beim Technologiekonzern HP anheuerte. Doch auch hier war dem Deutschen kein Erfolg beschieden. Apotheker, der von einem Unternehmenssoftware-Hersteller kam, passte letztlich nicht zu einem Konzern, in dem das Hardware-Engineering nach wie vor einen hohen Stellenwert einnahm.
Die von ihm getroffene Entscheidung, den Business-Softwerker Autonomy zu kaufen, die Produktion von Mobilgeräten einzustellen und die PC-Sparte abzustoßen, lässt sich vor diesem Hintergrund leicht erklären.
Als dieser Kurswechsel bekannt wurde, fiel der Aktienkurs von HP auf einen Schlag um 25 Prozent. Apotheker war nicht mehr zu halten. Dank eines Abfindungspakets im Wert von rund 13 Millionen Dollar dürfte er jedoch weich gefallen sein.
(ID:31627320)