Additive Fertigung in der HF-Technik 3D-gedruckte Metakristalle lösen das Reichweiten-Problem bei 6G

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

Die nächste Mobilfunkgeneration 6G verspricht Terabit-Datenraten, kämpft aber mit massiven Pfadverlusten im Sub-THz-Spektrum. Forscher haben nun eine Lösung präsentiert, die auf additiv gefertigten Metakristallen basiert und ein hocheffizientes Beamforming direkt über die Materialgeometrie möglich macht. Energieintensive Phasenregler in HF-Frontends sind überflüssig.

Wellensteuerung ohne Wirkleistung: Das additiv gefertigte Metakristall-Panel lenkt Sub-THz-Signale passiv um Hindernisse direkt zum Nutzer. Solche Strukturen ermöglichen eine flächendeckende 6G-Versorgung ohne zusätzliche Basisstationen, Verkabelung oder aktive HF-Komponenten.(Bild:  Aalto University / Mahdi Asgari)
Wellensteuerung ohne Wirkleistung: Das additiv gefertigte Metakristall-Panel lenkt Sub-THz-Signale passiv um Hindernisse direkt zum Nutzer. Solche Strukturen ermöglichen eine flächendeckende 6G-Versorgung ohne zusätzliche Basisstationen, Verkabelung oder aktive HF-Komponenten.
(Bild: Aalto University / Mahdi Asgari)

Die Entwicklung von 6G-Hardware gleicht einem Wettlauf gegen die Physik. Um Bandbreiten im Terahertz-Bereich von 100 GHz bis 3 THz nutzbar zu machen, müssen Ingenieure Signale extrem präzise bündeln (Beamforming), um die enorme atmosphärische Dämpfung zu kompensieren.

Bisherige Ansätze setzen auf massive Phase-Array-Antennen. Das Problem: Bei Sub-THz-Frequenzen benötigen diese hunderte aktive Komponenten, die nicht nur die Systemkomplexität erhöhen, sondern auch einen massiven thermischen Footprint auf dem PCB hinterlassen. Ein neuer Ansatz von Forschenden der Aalto-Universität in Finnland setzt nun auf Metakristalle, die mittels hochpräziser additiver Fertigung hergestellt werden.

Wellensteuerung durch Topologie

Metakristalle sind künstlich erschaffene Strukturen, deren elektromagnetische Eigenschaften nicht durch ihre chemische Zusammensetzung, sondern durch ihre geometrische Anordnung bestimmt werden. Sie fungieren als sogenannte topologische Isolatoren für elektromagnetische Wellen.

Durch eine spezifische, periodische Gitterstruktur innerhalb des Kristalls werden Bandlücken geschaffen. Wellen können sich nur entlang definierter Pfade oder an den Rändern der Struktur ausbreiten. Das erfolgt nahezu verlustfrei. Für das 6G-Design bedeutet das: Die Strahlformung geschieht passiv durch die Struktur des Materials selbst, anstatt durch elektronische Phasenverschiebung in der Schaltung.

Additive Fertigung als technologischer Enabler

Der entscheidende Durchbruch liegt in der Herstellung. Die für Sub-THz-Anwendungen benötigten Strukturen sind so komplex, dass klassische subtraktive Verfahren (Fräsen) oder herkömmliche Ätzprozesse versagen. Hier spielt die additive Fertigung ihre Stärken aus:

  • Geometrische Freiheit: 3D-Druck erlaubt die Realisierung von Hohlraumstrukturen und komplexen Gitternetzwerken im Mikrometerbereich, die für die Manipulation von Millimeterwellen essenziell sind.
  • Materialgradienten: Moderne Multi-Material-Drucker können verschiedene Dielektrika innerhalb eines Bauteils kombinieren, um den Brechungsindex lokal präzise zu steuern.
  • Rapid RF-Prototyping: HF-Entwickler können Antennendesigns und Wellenleiter innerhalb weniger Stunden iterieren, was die Entwicklungszyklen für 6G-Komponenten verkürzt.

Systemvorteile für das HF-Frontend

Für den Systemdesigner bietet der Einsatz gedruckter Metakristalle Vorteile gegenüber klassischen Halbleiter-basierten Lösungen:

  • Energieeffizienz: Da die Strahlsteuerung passiv über die Materialgeometrie erfolgt, sinkt der Leistungsbedarf des HF-Frontends erheblich.
  • Thermomanagement: Weniger aktive Komponenten bedeuten weniger Abwärme – ein kritischer Faktor bei der Integration von 6G-Modulen in kompakte Endgeräte oder Small Cells.
  • Integration: Die 3D-gedruckten Strukturen können direkt auf den RFIC (Radio Frequency Integrated Circuit) aufgesetzt werden, was die Gehäusegröße minimiert.

Die Kombination aus topologischer Physik und additiver Fertigung könnte den Weg für die Kommerzialisierung von 6G ebnen. Während die Halbleiterindustrie noch an effizienten THz-Transistoren arbeitet, bietet die additive Fertigung bereits heute die Werkzeuge, um das Medium für diese Wellen zu beherrschen. Für die Elektronikfertigung bedeutet dies: Der 3D-Druck wandert vom Gehäusebau direkt hinein in das Herz der Hochfrequenzschaltung. (heh)

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