Rückblick FPGA Conference Europe 2026 Über 500 Teilnehmer: Internationaler Andrang auf FPGA-Fachkonferenz ungebrochen

Von Sebastian Gerstl 8 min Lesedauer

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515 Teilnehmer, 128 Vorträge und Seminare, 120 Referenten und 37 Aussteller: Mit neuen Bestmarken bestätigte die FPGA Conference Europe 2026 ihren Anspruch ans Leitkongress rund um die FPGA-Entwicklung – und zeigte eindrucksvoll die brennenden Trends bei der Entwicklung mit und um frei programmierbare Systeme auf.

Über 500 Teilnehmer, 120 Referenten: Die FPGA Conference Europe platzte in diesem Jahr aus allen Nähten – und wurde ihrem Anspruch als Leitkongress der FPGA-Welt einmal mehr gerecht.(Bild:  Tobi Giessen)
Über 500 Teilnehmer, 120 Referenten: Die FPGA Conference Europe platzte in diesem Jahr aus allen Nähten – und wurde ihrem Anspruch als Leitkongress der FPGA-Welt einmal mehr gerecht.
(Bild: Tobi Giessen)

Flexibilität gehört zu den wichtigsten Anforderungen moderner Elektroniksysteme. Anwendungen müssen immer größere Datenmengen in Echtzeit verarbeiten, neue Schnittstellen integrieren und zugleich steigende Anforderungen an Energieeffizienz, Sicherheit und Latenz erfüllen. Hinzu kommt die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz: Modelle, Architekturen und Werkzeuge verändern sich in immer kürzeren Abständen. Programmierbare Logik, SoCs und adaptive Computing-Plattformen bieten hier entscheidende Vorteile.

Wie gewaltig das Interesse an diesen Technologien mittlerweile ist, zeigte die FPGA Conference Europe 2026 eindrucksvoll. Vom 30. Juni bis zum 2. Juli kamen 515 Teilnehmer nach München, womit die Bestmarke aus den Vorjahren abermals um einen deutlich zweistelligen Betrag übertroffen wurde. Auch mit 128 Vorträgen und Seminaren, 120 Referenten sowie 37 ausstellenden Unternehmen erreichte die Veranstaltung neue Rekordmarken. Damit hat sich die FPGA Conference Europe endgültig als Leitkongress der europäischen FPGA-Branche etabliert und bewährt.

Die zunehmende internationale Ausstrahlung war dabei in den Konferenzräumen ebenso deutlich zu spüren wie in der Ausstellung. Neben zahlreichen Gästen aus europäischen Ländern reiste eine wachsende Zahl von Entwicklern und Experten aus Indien an. Weitere Teilnehmer nahmen lange Wege aus den USA, Kanada, Südafrika und Oman auf sich, um die Konferenz persönlich zu erleben. München wurde damit für drei Tage zum internationalen Treffpunkt für alle, die an programmierbarer Logik, adaptiven Rechenplattformen und FPGA-basierten Systemen arbeiten.

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Drei Tage geballtes FPGA-Fachwissen

Das umfangreiche Vortragsprogramm deckte die gesamte Bandbreite der FPGA- und Embedded-Entwicklung ab. Besondere Schwerpunkte lagen in diesem Jahr auf Mixed-Signal-Anwendungen, der KI-Beschleunigung mit FPGAs, SoCs und adaptiven Computing-Plattformen sowie auf Verfahren zur Quantisierung, zum Pruning und zur Optimierung neuronaler Netze für eingebettete Systeme. Weitere zentrale Themen waren Edge AI und energieeffiziente Inferenz direkt am Entstehungsort der Daten.

Nach drei vollen Tagen mit technischen Diskussionen, Praxisberichten und vertiefenden Seminaren zeichnete sich eine übergreifende Erkenntnis ab: Künstliche Intelligenz ist längst eines der wichtigsten Themen der FPGA- und Embedded-Entwicklung. Dabei geht es nicht mehr allein um FPGAs als Beschleuniger für neuronale Netze. KI hält zunehmend auch Einzug in den gesamten Entwicklungsablauf – von der Modelloptimierung über die Hardwarearchitektur und RTL-Erzeugung bis hin zu Verifikation, Debugging und Design Closure.

Die 37 Aussteller ergänzten das Konferenzprogramm um konkrete Produkte, Entwicklungswerkzeuge und Demonstratoren. Hersteller, Distributoren, Toolanbieter, Entwicklungsdienstleister und Forschungseinrichtungen konnten ihre Lösungen im direkten Gespräch vorstellen. Für die Teilnehmer bot die Ausstellung kurze Wege zu technischen Ansprechpartnern und die Gelegenheit, eigene Projektanforderungen mit Spezialisten zu diskutieren. Gerade diese enge Verzahnung von Fachvorträgen, praktischen Demonstrationen und persönlichen Gesprächen gehört zu den besonderen Stärken der FPGA Conference Europe.

Keynotes: Die Zukunft von Altera, der FPGA-Entwicklung, und KI-getriebener Embedded Systeme

Den Auftakt am 30. Juni gestaltete Thomas Boudrot, Vice President EMEA Sales bei Altera. Unter dem Titel „Altera 3.0: Unabhängiger FPGA-Anbieter mit vollständigem Portfolio“ erläuterte er die Positionierung, Neuausrichtung und Entwicklungsroadmap des traditionsreichen FPGA-Herstellers, der nun wieder als eigenständiges Unternehmen am Markt agiert.

Boudrot stellte dabei den Anspruch heraus, Kunden über das gesamte Anwendungsspektrum hinweg mit einem umfassenden FPGA-Portfolio zu unterstützen. Die Resonanz im Saal machte deutlich, dass die Rückkehr eines unabhängigen, breit aufgestellten Anbieters in der Branche auf großes Interesse stößt. Boudrot fasste seine Eindrücke später entsprechend positiv zusammen: „Großartiges Feedback, großartige Gespräche und vor allem eine erneute Erinnerung daran, warum diese Community zu den besten der Branche gehört.“

In der Hauptkeynote des ersten Tages richtete Michael Hutchison, Senior Director Customer Experience, Software and Solutions bei AMD, den Blick auf die nächste Entwicklungsstufe programmierbarer Systeme. Sein Vortrag „Zweckoptimierte Engines: Von Edge-Intelligenz zu physischer KI“ zeigte, wie sich FPGAs von reinen Logikbausteinen zu heterogenen Plattformen entwickelt haben, die Daten erfassen, übertragen, absichern und interpretieren können.

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Moderne Architekturen kombinieren anpassbare Logik mit spezialisierten Recheneinheiten für Signalverarbeitung, Hochfrequenztechnik, Sicherheit und KI-Beschleunigung. Diese Fähigkeiten reichen inzwischen von kostenoptimierten Bausteinen bis zu leistungsfähigen High-End-Plattformen. Ein wichtiges Einsatzfeld ist die physische KI: Systeme nehmen ihre Umgebung über Sensoren wahr, verarbeiten die Daten in Echtzeit und leiten daraus unmittelbar Aktionen in der realen Welt ab. Hutchison ging außerdem darauf ein, wie KI-gestützte FPGA-Entwicklungsabläufe dabei helfen können, komplexe Designs schneller zum Abschluss zu bringen.

Auch die Reaktionen auf diesen Vortrag unterstrichen das große Interesse an der Verbindung von KI und Hardwareentwicklung. Hutchison zeigte sich dankbar für „einen Raum voller Ingenieure, die aufmerksam zuhörten, noch lange nach dem Vortrag Fragen stellten und aufrichtig neugierig waren, wohin diese Entwicklung führt“. Genau diese Energie sei einer der Gründe, warum ihn das Arbeitsgebiet so begeistere.

Sicherheit als Grundlage physischer KI

Am zweiten Konferenztag setzte Raemin Wang, Vice President Segment Marketing bei Lattice Semiconductor, mit seiner Keynote „Sicherheit und physische KI: FPGA-Architekturen für Systeme, die wahrnehmen und handeln“ einen weiteren wichtigen Akzent.

Systeme für physische KI müssen eine wachsende Vielfalt unterschiedlicher Sensoren anbinden und deren Daten mit geringer Latenz verarbeiten. Gerade energieeffiziente FPGA-Architekturen können zentrale Prozessoren entlasten, indem sie spezialisierte Aufgaben wie Sensor-Bridging, Vorverarbeitung und lokale KI-Beschleunigung übernehmen. Dadurch lassen sich reaktionsfähige Systeme realisieren, ohne sämtliche Rohdaten zunächst an leistungsstarke zentrale Recheneinheiten oder in die Cloud übertragen zu müssen.

Wang machte zugleich deutlich, dass autonome und vernetzte Systeme nur dann dauerhaft vertrauenswürdig arbeiten können, wenn Sicherheit bereits in der Hardware verankert ist. Hardwarebasierte Vertrauensanker und Verfahren der Post-Quanten-Kryptografie werden daher zu wichtigen Bausteinen künftiger Architekturen. Die Keynote verband damit zwei Themen, die sich nicht getrennt voneinander betrachten lassen: Je mehr Systeme ihre Umgebung selbstständig wahrnehmen und auf sie reagieren, desto wichtiger werden Integrität, Authentizität und Widerstandsfähigkeit gegenüber neuen Bedrohungen.

Embedded AI Masterclass als Konferenz in der Konferenz

Eine Premiere war die Embedded AI Masterclass am Donnerstag, dem 2. Juli. Die erstmals angebotene „Konferenz in der Konferenz“ bündelte Grundlagenwissen, technologische Einordnung und konkrete Implementierungsansätze rund um eingebettete künstliche Intelligenz.

Alexander Flick von PLC2 führte mit seinem Vortrag „Grundlagen der KI: Von der Bildverarbeitung zur Wahrnehmung und darüber hinaus“ durch die wichtigsten Entwicklungsschritte moderner neuronaler Netze. Ausgehend von frühen, rechenintensiven Faltungsnetzen für Objekterkennung und Bildsegmentierung zeigte er, wie Fortschritte bei Skalierbarkeit, Auflösung und Rechenleistung generative KI und die Verarbeitung komplexer Videosequenzen ermöglicht haben.

Neben den mathematischen Grundlagen von Faltungsoperationen erläuterte Flick, weshalb vektorisierte Hardware CNNs und verwandte Operationen besonders effizient beschleunigen kann. Diese Prinzipien bilden zugleich eine Grundlage für Transformer-Architekturen, große Sprachmodelle und andere Foundation Models. Der Vortrag schlug schließlich die Brücke zu kleineren Modellen, die für eine lokale Ausführung optimiert sind, und behandelte die Herausforderung, solche Architekturen auf ressourcenbeschränkten Edge-Geräten skalierbar und effizient einzusetzen.

Eine bewusst kritische Perspektive auf den Einsatz großer Sprachmodelle nahm Oren Hollander von HandsOn Training ein. Sein Vortrag „Siliziumgehirne gegen Siliziumgatter: Können LLMs den FPGA-Entwickler ersetzen?“ stellte die Frage, ob aktuelle KI-Modelle Timing-Anforderungen tatsächlich verstehen oder lediglich syntaktisch überzeugenden Hardwarecode erzeugen.

LLMs können innerhalb weniger Sekunden umfangreiche VHDL- oder Verilog-Entwürfe erstellen und damit insbesondere den Einstieg in ein neues Design erleichtern. Hardwareentwicklung unterscheidet sich jedoch grundlegend von klassischer Softwareentwicklung. Syntaktisch korrekter Code ist noch lange kein robustes Hardwaredesign. Aspekte wie Clock Domain Crossings, Metastabilität, Timing Closure und eine effiziente Nutzung der verfügbaren FPGA-Ressourcen entscheiden darüber, ob ein Entwurf in der Praxis zuverlässig funktioniert. Hollander unterzog aktuelle KI-Modelle daher einem nüchternen Praxistest und bewertete ihre Ergebnisse anhand der Qualitätsmaßstäbe professioneller FPGA-Entwicklung.

Wie sich KI-Inferenz konkret auf FPGA-Plattformen implementieren lässt, demonstrierte Tomasz Iwanski von Arrow in „Altera FPGA AI Suite: Ein praxisorientierter Deep Dive“. Anhand von Beispielen führte er durch den vollständigen Ablauf für die Bereitstellung von KI-Modellen auf Agilex-FPGAs und -SoCs – von der Modellauswahl und Optimierung bis zur Erzeugung und Integration der benötigten Inferenz-IP.

Dabei verglich Iwanski unterschiedliche Implementierungsstrategien und deren Auswirkungen auf Durchsatz, Energieeffizienz und Ressourcenbedarf. Sowohl Einsteiger in die FPGA-basierte KI-Beschleunigung als auch erfahrene Entwickler erhielten konkrete Empfehlungen für eigene Projekte. Die vorgestellten Beispiele werden darüber hinaus über ein GitHub-Repository zur Verfügung gestellt und können damit als Ausgangspunkt für weitere Implementierungen dienen.

Premiere für die Best Speaker Awards

Erstmals wurden auf der FPGA Conference Europe die Best Speaker Awards verliehen. Grundlage war die Bewertung der Vorträge durch die Teilnehmer der Vorjahreskonferenz 2025. Die Auszeichnung würdigte sowohl die fachliche Qualität als auch die verständliche und praxisnahe Vermittlung anspruchsvoller Themen.

Zu den Preisträgern gehörten Martin Kellermann und Brian Colgan von Microchip Technology für ihren gemeinsam gehaltenen Vortrag „Cyber Resilience Act: Die Sicherheitsstrategie für die Zukunft planen“. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Kamil Rudnicki von Brightelligence für „FPGA-Design debuggen – wie schwer kann das schon sein?“. Der dritte Award ging an Prof. Dirk Koch von der Universität Heidelberg für seinen Vortrag „Partielle Konfiguration: Nützliches Werkzeug oder nur akademische Spielerei?“.

Mit den neuen Awards erhalten die Rückmeldungen der Konferenzteilnehmer zusätzliches Gewicht. Zugleich schaffen sie einen Anreiz, technisch anspruchsvolle Inhalte nicht nur fundiert, sondern auch anschaulich, nachvollziehbar und anwendungsnah zu präsentieren.

Networking: Wo Entwickler, Dienstleister und Hersteller perfekt zusammenfinden

Neben den Vorträgen und Seminaren lebte die FPGA Conference Europe auch 2026 vom direkten Austausch innerhalb der Community. Bereits am ersten Tag entwickelten sich in der Ausstellung und zwischen den einzelnen Sessions zahlreiche Gespräche über technische Herausforderungen, neue Architekturen und mögliche Kooperationen.

Am Abend brachte eine von AMD gesponserte Networking-Veranstaltung Teilnehmer, Referenten und Aussteller auch außerhalb der Konferenzräume zusammen. In ungezwungener Atmosphäre konnten begonnene Diskussionen fortgesetzt, Erfahrungen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft werden. Gerade in einer spezialisierten Branche, in der Entwickler häufig vor ähnlichen technischen Herausforderungen stehen, ist dieser persönliche Austausch von besonderem Wert.

Ein Teilnehmer brachte den Charakter der Veranstaltung treffend auf den Punkt: „Dies ist eine der wenigen Veranstaltungen, bei denen FPGA-Entwickler, Architekten, Forscher und Industrieexperten zusammenkommen und eine gemeinsame Sprache sprechen: programmierbare Logik.“

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Nach drei intensiven Konferenztagen bleiben damit nicht nur eine Reihe neuer Rekordzahlen. Die FPGA Conference Europe 2026 hat erneut gezeigt, wie lebendig und innovationsgetrieben die Branche ist. Adaptive Hardware wird für KI, Mixed-Signal-Verarbeitung, sichere Edge-Systeme und physische KI immer wichtiger. Gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz zunehmend die Werkzeuge und Abläufe, mit denen diese Systeme entwickelt werden.

Die Kombination aus technischem Tiefgang, internationaler Beteiligung, umfassender Ausstellung und persönlichem Austausch hat sich dabei erneut bewährt. Mit 515 Teilnehmern, 128 Vorträgen und Seminaren, 120 Referenten sowie 37 Ausstellern hat die FPGA Conference Europe ihre Rolle als Leitkongress der FPGA-Branche eindrucksvoll bestätigt.

Das kontinuierliche Wachstum stellt zugleich neue Anforderungen an die räumlichen Rahmenbedingungen. Um der stetig steigenden Nachfrage, den wachsenden Teilnehmerzahlen und den hohen Ansprüchen von Besuchern, Referenten und Ausstellern auch künftig gerecht zu werden, zieht die FPGA Conference Europe im kommenden Jahr in eine größere Veranstaltungslocation um.

Die FPGA Conference Europe 2027 findet vom 15. bis 17. Juni 2027 im Holiday Inn Munich – City Centre in München statt. Der neue Veranstaltungsort schafft die Voraussetzungen dafür, das Konferenzprogramm, die Ausstellung und die Möglichkeiten zum persönlichen Austausch gemeinsam mit der FPGA-Community weiterzuentwickeln.(sg)

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