Gescheiterte Manager

Die Pannen-CEOs

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9. Ernst Folgmann, Quam

Ernst Folgmann war der Chef von Quam. (Quam)
Ernst Folgmann war der Chef von Quam. (Quam)
Gern wird darum gestritten, ob Ingenieure oder Kaufleute die besseren Chefs seien. Eine grundsätzliche Antwort darauf wird man kaum finden; je nach der Situation eines Unternehmens ist manchmal die technische und manchmal die kaufmännische Expertise wichtiger.

Ernst Folgmann war Techniker; der Veteran aus der Bosch-Richtfunksparte ließ sich allerdings auf ein Himmelfahrtskommando ein, als er den Chefposten beim Münchner Mobilfunkanbieter Quam übernahm.

Quam war der Markenname der Group 3G. Dieses Konsortium aus dem finnischen Mobilfunkkonzern Sonera und der spanischen Telefonica, hatte bei der deutschen UMTS-Auktion für rund 8,5 Milliarden Euro eine der begehrten Betreiberlizenzen ersteigert.

Eine der zentralen Aufgaben war der Aufbau eines flächendeckenden 3G-Netzes – sicher eine Mission für einen gestandenen Techniker. Beim gleichzeitigen Aufbau eines Kundenstamms wurden jedoch schwere Fehler begangen.

Der Markstart von Quam erfolgte völlig überstürzt; erst Mitte 2001 fiel die Entscheidung, dass die Group 3G noch im Weihnachtsgeschäft desselben Jahres mitmischen wollte. Da noch kein eigenes Netz existierte, wurden Kapazitäten anderer Betreiber angemietet.

Die Strategie ging aber nicht auf. Denn wegen des überstürzten Marktstarts war Quam aus den Netzen von T-Mobile und D2 Vodafone zunächst gar nicht beziehungsweise nur auf Umwegen erreichbar. Um Druck auf die Platzhirsche auszuüben, stellte das Unternehmen den Verkauf der Handys und Verträge kurz nach dem Start wieder ein.

Als Quam den Vertrieb wieder aufnahm, kam ein zweiter Fehler hinzu: Bei einer Kombination eines bestimmten Laufzeitvertrages mit einer Partnerkarte war es möglich, dass Kunden ein subventioniertes Gratishandy erhielten und de facto kaum Grundgebühr bezahlten, da ihnen quasi die Subvention für ein zweites Handy gutgeschrieben wurde.

Quam ließ diese Kombination zunächst zu, da die Zahl der Kunden möglichst rasch wachsen sollte. Zu spät kam man dahinter, dass ein großer Teil der Netzteilnehmer kaum etwas bezahlte. Als der Konzern schließlich die Notbremse zog, waren viele Kunden enttäuscht. Schuldzuweisungen zwischen Quam und dem Handel folgten, schließlich stellten die Münchner Ende Juli 2002 den Vetrieb ein.

Zu diesem Zeitpunkt war Folgmann bereits zurückgetreten.

Im November 2002 beendete Quam schließlich den Netzbetrieb. Eine einsame Website unter der Adresse www.quam.de erinnert immer noch an den gescheiterten Netzbetreiber.

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