Elektronik hilft Wie Raspberry Pi Wildtiere in Pakistan schützt

Von Margit Kuther 3 min Lesedauer

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In den Bergen Pakistans kommt es regelmäßig zu Konflikten zwischen Mensch und Wildtieren. Mithilfe eines Raspberry Pi 4, auf dem ein speziell trainierter KI-Erkennungs- und Warnalgorithmus läuft, können nun Bauern ihr Vieh schützen, ohne das Ökosystem der Region zu schädigen.

Der Schneeleopard: eines der scheuesten Raubtiere der Welt. (Bild:  Raspberry Pi)
Der Schneeleopard: eines der scheuesten Raubtiere der Welt.
(Bild: Raspberry Pi)

Hoch oben in den schneebedeckten Bergen von Gilgit-Baltistan in Pakistan ist das Leben von Extremen geprägt. Kahle, felsige Bergrücken ziehen sich durch eine raue Landschaft, in der die Gemeinden für ihr Überleben stark auf Viehzucht angewiesen sind. In eben diesem Gebiet lebt eines der scheuesten Raubtiere der Welt – der Schneeleopard.

Für die lokalen Gemeinschaften ist der Schneeleopard sowohl ein Symbol des Stolzes als auch eine Gefahrenquelle. Da die natürliche Beute zurückgeht und sich die Lebensräume unter dem Druck des Klimawandels und der Ausbreitung menschlicher Siedlungen verändern, sind Übergriffe auf Nutztiere zum Hauptgrund für Konflikte zwischen Mensch und Wildtieren geworden. Bei einem einzigen Raubzug können bis zu 60 bis 70 Tiere verloren gehen – ein verheerender wirtschaftlicher Schlag für Familien, deren Lebensunterhalt von ihren Herden abhängt.

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Um dieser wachsenden Herausforderung zu begegnen, hat sich WWF-Pakistan mit dem Nationalen Zentrum für Robotik und Automatisierung an der Lahore University of Management Sciences (LUMS) zusammengetan, um ein KI-gestütztes Frühwarnsystem für Raubtiere zu entwickeln und einzusetzen. Das Herzstück dieser Innovation bildet der Raspberry Pi 4.

Naturschutz am Rande

Seit 2022 werden solarbetriebene Kamerafallen, die auf Raspberry-Pi-4-Einplatinencomputern basieren, strategisch in Risikogebieten in der Nähe menschlicher Siedlungen installiert. Das System eignet sich besonders gut für abgelegene, hochgelegene Gebiete und verbindet Robustheit mit intelligenter Edge-Verarbeitung.

Jedes Gerät erfasst Bilder von vorbeiziehenden Wildtieren und überträgt die Daten in Echtzeit über das lokale 4G-Netz an eine zentrale Überwachungsplattform. Ein speziell trainierter KI-Algorithmus analysiert die eingehenden Bilder, um Schneeleoparden und andere Raubtiere wie Füchse, Wölfe und Himalaya-Luchse zu erkennen.

Wird in der Nähe von Weideflächen oder Viehgehegen ein Raubtier gesichtet, löst das System automatisch Warnmeldungen für die Einsatzteams und die Dorfbewohner aus. Dank dieser Frühwarnung können die Dorfbewohner ihr Vieh in Sicherheit bringen, bevor es zu einem Angriff kommt, und so von einer reaktiven zu einer präventiven Vorgehensweise übergehen.

Technologie, die Toleranz schafft

Die Innovation dieser Lösung liegt nicht nur in der Hardware oder dem Algorithmus, sondern in ihrer Wirkung auf die Wahrnehmung in der Bevölkerung. Durch die Verringerung wirtschaftlicher Verluste trägt das auf dem Raspberry Pi 4 basierende System dazu bei, den Kreislauf aus Angst und Vergeltung zu durchbrechen, der Konflikte zwischen Mensch und Wildtieren oft prägt.

Die Gemeinden müssen sich nicht mehr zwischen dem Schutz ihrer Lebensgrundlage und dem Schutz der Tierwelt der Region entscheiden. Stattdessen verfügen sie über Informationen, die es ihnen ermöglichen, beides zu tun. Dies hat zu einem spürbaren Umdenken geführt: Die Einheimischen betrachten den Schneeleoparden nicht mehr ausschließlich als Bedrohung, sondern erkennen seine ökologische Bedeutung für den Erhalt gesunder Bergökosysteme an.

Das derzeitige Modell hat sich als skalierbar und anpassungsfähig erwiesen. Mit Unterstützung des Ministeriums für Forstwirtschaft, Wildtiere und Umwelt von Gilgit-Baltistan ist geplant, das System auf weitere Konfliktgebiete in der Region auszuweiten. In der nächsten Phase werden der WWF und die LUMS untersuchen, wie Raubtiere davon abgehalten werden können, Vieh überhaupt anzugreifen.

Ein Konzept für das Zusammenleben

Diese Initiative hat gezeigt, wie kostengünstige, flexible Computerplattformen wie der Raspberry Pi den Naturschutz in der Praxis in einigen der schwierigsten Umgebungen der Welt vorantreiben können. Durch die Kombination von Edge-Computing, KI, Solarenergie und mobiler Konnektivität zeigen der WWF Pakistan und seine Partner, dass Technologie mehr kann als nur Wildtiere zu überwachen – sie kann das Zusammenleben ermöglichen. (mk)

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