Chipdesign EDA im Takt der Agenten: Wer dirigiert künftig das Chipdesign?

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Synopsys zeigt neue, selbstständig agierende KI-Agenten für Verifikation, Implementierung und Analogdesign. Siemens EDA verfolgt mit seinem Fuse-Agenten Ähnliches. Das zeigt: Künftig geht es nicht nur um das beste EDA-Werkzeug, sondern um die Orchestrierung des gesamten Workflows.

Auch Synopsys zeichnet für EDA eine Zukunft mit autonom agierenden KI-Agenten.(Bild:  Synopsys)
Auch Synopsys zeichnet für EDA eine Zukunft mit autonom agierenden KI-Agenten.
(Bild: Synopsys)

Synopsys hat zur DAC 2026 (Design Automation Conference) mehrere agentische Workflows für Chipdesign und technische Simulation vorgestellt. Im Mittelpunkt steht die AgentEngineer-Technologie, die nicht nur einzelne Aufgaben übernehmen, sondern spezialisierte Agenten und EDA-Werkzeuge über längere Abläufe hinweg koordinieren soll.

In einer am 26. Juli 2026 veröffentlichten Mitteilung beschreibt Synopsys einen autonomen Workflow für die Designverifikation. Ein Orchestrator-Agent leitet aus Spezifikation, Design, Testbench und Nutzervorgaben einzelne Aufgaben ab und verteilt sie auf spezialisierte Agenten und Werkzeuge. Der Ablauf reicht von der Testplanung über die Coverage Closure (Schließung von Abdeckungslücken) bis zur Fehleranalyse, also die Schließung.

Als technische Basis dienen neben Synopsys AgentEngineer unter anderem Nvidia Agent Toolkit, das Sprachmodell Nemotron 3 Ultra und die Laufzeitumgebung OpenShell. Nach Angaben von Synopsys erreichtder Workflow die Zeit bis zum validierten RTL um bis zu 50-mal schneller und erhöht die erreichte Coverage zusätzlich um 20 Prozent. Die Werte stammen allerdings aus Vergleichen des Herstellers mit traditionellen Verifikationsabläufen und wurden bislang nicht unabhängig bestätigt.

Agenten für Verifikation, Implementierung und Analogdesign

Daneben zeigt Synopsys einen agentischen Ablauf für Analog- und Mixed-Signal-Design. Ingenieure beschreiben Entwurfsabsicht und Leistungsziele in natürlicher Sprache. Die Agenten koordinieren anschließend Design, SPICE-Simulation, Implementierung und Verifikation. Für diesen Workflow nennt das Unternehmen Produktivitätssteigerungen etwa um den Faktor drei. Dabei verweist Synopsys allerdings auf die zugrunde liegende Layout-Synthese mit Custom Compiler als wesentlichen Bestandteil des Effekts.

Eine zweite Synopsys-Mitteilung vom 27. Juli beschreibt zwei weitere Workflows, die zusammen mit Microsoft entwickelt wurden und über Microsoft Discovery evaluiert werden können. Einer verbindet Debugging und Root-Cause-Analyse. Erste Auswertungen sollen eine Verkürzung der Debug-Zyklen um 25 bis 40 Prozent zeigen. Der zweite Workflow automatisiert mit Fusion Compiler die Implementierung, die Optimierung der Entwurfsqualität und das Design Closure. AMD prüft den Einsatz der Anwendungen für künftige Produkte.

Synopsys-Kunden evaluieren die agentischen EDA- und CAE-Funktionen derzeit. Eine breitere Verfügbarkeit ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen. Von einem bereits allgemein etablierten Produktivbetrieb kann deshalb noch nicht gesprochen werden.

Siemens setzt auf die übergreifende Orchestrierung

Neu ist die grundlegende Idee nicht. Wie ELEKTRONIKPRAXIS bereits am Beispiel des Fuse EDA AI Agent von Siemens EDA berichtete, verschiebt sich der Anspruch der Branche vom KI-Assistenten zur autonomen Workflow-Steuerung.

Siemens beschreibt Fuse als übergreifenden Orchestrator für Halbleiter- und PCB-Entwicklung. Der Agent soll unter anderem Verifikation, physische Implementierung, Timing Closure, Power-Optimierung, DRC, Design for Test und Fertigungsvorbereitung koordinieren. Über das Model Context Protocol und ein offenes Framework sollen sich auch Werkzeuge von Drittanbietern, kundeneigene Abläufe und unterschiedliche KI-Modelle einbinden lassen.

Synopsys zeigt dagegen derzeit stärker abgegrenzte, dafür konkreter beschriebene Workflows für Verifikation, Implementierung und AMS-Design. Gleichzeitig bindet das Unternehmen seine Agenten eng an die eigene Werkzeuglandschaft sowie an die KI- und Cloud-Infrastruktur von Nvidia beziehungsweise Microsoft. Synopsys bezeichnet seine Architektur zwar ebenfalls als offen und interoperabel. Wie weit sich fremde EDA-Werkzeuge praktisch integrieren lassen, geht aus den aktuellen Mitteilungen jedoch nicht hervor.

Die Orchestrierung wird zum Wettbewerbsfaktor

Der Wettbewerb verlagert sich damit eine Ebene nach oben. Bisher entschieden Entwickler, welches Werkzeug sie für einen bestimmten Entwurfsschritt einsetzen und wie sie die Ergebnisse in den nächsten Prozess überführen. Ein agentischer Orchestrator kann diese Entscheidungen zunehmend selbst treffen, Werkzeuge aufrufen, Parameter verändern, Ergebnisse bewerten und neue Iterationen anstoßen.

Wer diese Steuerungsschicht bereitstellt, erhält damit eine zentrale Position im Entwicklungsprozess. Für Anwender wird deshalb nicht nur die Leistungsfähigkeit einzelner Agenten wichtig. Entscheidend werden auch Offenheit, Nachvollziehbarkeit, Datenhoheit und die Frage, ob sich ein Workflow über verschiedene Hersteller hinweg aufbauen lässt oder an ein bestimmtes EDA-, Cloud- und KI-Ökosystem gebunden bleibt.

Offen bleibt zudem, wie weit die beworbene Autonomie tatsächlich reichen darf. Siemens betont Rollenmodelle, Audit-Trails und Freigabepunkte durch Menschen. Synopsys spricht von vollständig autonomen Workflows, macht in den aktuellen Mitteilungen aber nur wenige Angaben zu menschlichen Kontrollpunkten. Ein autonom ausgeführter Teilprozess ist ohnehin nicht mit einem autonomen Tape-out oder Sign-off gleichzusetzen.

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Die Meldungen von Siemens und Synopsys zeigen daher weniger zwei verwandte Produkte als den Beginn eines Plattformwettbewerbs. Der EDA-Agent wird zur möglichen Steuerungsinstanz über den Werkzeugen – und damit stellt sich zunehmend die Frage, wer künftig nicht nur einzelne Aufgaben automatisiert, sondern den gesamten Entwurfsprozess kontrolliert. (sb)

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