Mobiles Computing 1980 – Der Computer für die Hosentasche

Von Sebastian Gerstl 5 min Lesedauer

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Ein „tragbarer“ Rechner war vor 1980 einer, der über einen Griff verfügte, um Dutzende Kilo zur nächsten Steckdose zu schleppen. Doch dann präsentierte das japanische Unternehmen Sharp den ersten „Pocket Computer“: Ein BASIC-programmierbarer Rechner, der in die Hosentasche passte.

Taschen-Rechner: Der Sharp Pocket Computer PC-1211 maß 175 x 70 x 17 mm und war der erste programmierbare Rechner, der wirklich „mobil“ war - wenn auch nicht leistungsstark.(Bild:  Pocket computer pc1211 /Yaghsi / CC BY 3.0)
Taschen-Rechner: Der Sharp Pocket Computer PC-1211 maß 175 x 70 x 17 mm und war der erste programmierbare Rechner, der wirklich „mobil“ war - wenn auch nicht leistungsstark.
(Bild: Pocket computer pc1211 /Yaghsi / CC BY 3.0)

Ich war etwa fünf Jahre alt, als ich das Erste mal einen „tragbaren“ Computer sah. Mein Vater, ein Landwirt, wurde regelmäßig von einem Vertreter der Firma BayWa besucht. Seine Bestellungen nahm dieser Mann mit einem SX-64 gleich digital entgegen: Einem vollwertigen Commodore 64 in einem Gehäuse, samt Tastatur und winzigem schwarz-grün Monitor. Es brauchte eine Steckdose und wog über zehn Kilo, doch das Gerät faszinierte mich vom ersten Moment an. Schließlich hatten wir selbst einen C64 zu Hause; dass es möglich war, den gesamten Rechner, samt Laufwerk, Tastatur und Monitor, als ein Gerät wie einen Koffer zu tragen, kam mir phantastisch vor.

Genau das war es auch, was man in den 1970er Jahren bis weit in die 1980er Jahre hinein unter einem „tragbaren“ Computer verstand: Ein Rechner, der Bildschirm, Tastatur und Massenspeicher als Komplettsystem bündelte und von einer einzelnen Person auf einmal transportiert werden konnte. Was man dafür allerdings brauchte, waren starke Arme: Als einer der ersten „portablen“ Computer überhaupt galt der IBM 5100 von 1975, der es auf schlappe 25 Kilogramm brachte. Und wenn man das Beispiel des 1984 erschienenen SX-64 betrachtet, schien man zehn Jahre später noch nicht viel weiter zu sein. Dabei demonstrierte die japanische Firma Sharp in meinem Geburtsjahr 1980, dass ein tragbarer Computer auch viel kleiner gestaltet werden kann; so klein, dass er in die Hosen- oder zumindest Jackentasche passt.

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BASIC-Gerät mit zwei Kilobyte RAM

Sharp hatte im Grunde genommen gar nicht erst probiert, einen existierenden Rechner in ein transportiertbares Format zu packen. Statt dessen orientierte sich das Unternehmen an elektronischen Taschenrechnern, die zu dieser Zeit bereit auf dem Markt waren. Der Sharp PC-1211 war gerade einmal 175 mm × 70 mm × 17 mm groß und etwa 170 Gramm leicht: ein winziger Bruchteil dessen, was man seinerseits unter tragbaren Rechnern verstand. Das Gerät brauchte keine Steckdose, sondern kam mit vier Knopfzellen-Batterien aus. Und es zeichnete sich durch drei Dinge gegenüber den seit 1974 existierenden programmierbaren Taschenrechnern ab, die ihn wirklich zu einem Computer machten: Eine vollwertige QWERTY-Tastatur, Erweiterbarkeit um Peripheriegeräte wie Drucker oder Kassettenlaufwerk, und ein integriertes BASIC.

Um dies zu erreichen setzte Sharp auf ein ungewöhnliches Design. Die Heim- und Personal Computer dieser Zeit basierten meist auf 8-Bit-Prozessoren wie dem MOS 6502, dem Zilog Z80 oder dem Intel 8080, die als zentraler Prozessor für Rechen- und Steuerarbeiten fungierten; eine echte Central Processing Unit (CPU). Der PC-1211 setzte hingegen auf zwei speziell angefertigte, auf 256 kHz getaktete 4-Bit-Prozessoren, deren Aufgaben streng aufgeteilt waren: Ein Chip verarbeitete Tastatureingaben und BASIC-Anweisungen, der andere war für Rechenoperationen, Anzeigesteuerung und Peripheriegeräte zuständig.

Die technische Ausstattung war, selbst für die Verhältnisse seiner Zeit, bescheiden. Der PC-1211 verfügte gerade einmal über 1,9 KByte RAM, wovon 1424 Byte für nutzergeschriebene Programme genutzt werden konnten; das entsprach etwa 250 Zeilen an BASIC-Code. Hinzu kamen noch 11 KByte ROM. Als Display wurde ein Dot-Matrix-Flüssigkristall-Display verwendet, dass 24 Zeichen in einer einzigen Zeile darstellen konnte.Auch Peripheriegeräte ließen sich anschließen: Das CE-121 war ein Kassettenlaufwerk, der CE-122 ein kleiner Nadeldrucker, der Berechnungen, Text und Code auf einer klleinen Rolle Papier ausgeben konnte. Für den Zeitvertreib waren sogar drei kleine Spielchen als ladbare Programme für das Gerät verfügbar.

Doch das wahre Alleinstellungsmerkmal waren die Portabilität und das integrierte BASIC. Mehr als 200 Stunden konnte man den leichtgewichtigen Taschen-Computer mit den vier 1,35V Knopfzellen-Batterien vom Typ MR44 laut Hersteller betreiben. Programme ließen sich direkt unterwegs eingeben, bearbeiten und ausführen. Das integrierte BASIC konnte Variablen, Zeichenketten, Schleifen und Verzweigungen interpretieren. Als das Gerät Anfang 1981 in Ausgabe 6 des Elektronik-Magazins BYTE besprochen wurde, äußerte sich Chefredakteur Chris Morgen positiv überrascht, wie vollständig der BASIC-Interpreter in dem kleinen Gerät war.

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Der Sharp-PC 1211 erschien im März 1980 zunächst in Japan auf dem Markt. In den USA wurde das Gerät von der Elektronikkette Radio Shack vertrieben, dass drei Jahre zuvor mit dem TRS-80 einen der ersten Heimcomputer eingeführt hatte. Dort wurde das Gerät, einheitlich mit der eigenen Computerlinie, als TRS-80 Pocket Computer 1 bezeichnet. Spötter meinten, dass der Computer dadurch gut zu der wegen teilweise billiger Bauweise als „Trash-80“ mokierten Rechnerreihe passte: Das LCD des Sharp PC-1211 war sehr anfällig; die Kristalle neigten bereits recht bald zum Auslaufen, was die Lesbarkeit der Anzeige schnell ruinierte. Auch in Deutschland war der Sharp PC-1211 erhältlich: Der Quelle-Versandkatalog 1980/81 führte das Gerät zu einem Kaufpreis von 448 DM, was heute etwa 590 Euro entsprechen würde.

Über den PDA zum Smartphone

Wie gut sich der PC-1211 letztendlich verkaufte, dafür gibt es leider keine belastbaren Zahlen. Ein Massenphänomen wie der Heimcomputer wurde der Pocket Computer nicht. Aber das Interesse war offenbar groß genug, um Nachfolger hervorzubringen. Bereits 1981 erschien von der Firma Quasar der HK 2600 HHC (Handheld Computer), der in Europa und den USA von Panasonic unter dem Namen RL-H1000 vertrieben wurde. Dieser setzte auf den 8-Bit-Prozessor MOS6502 als echte CPU, war in Varianten mit zwei, vier und acht Kilobyte verfügbar und besaß neben einem nachrüstbaren BASIC in Form eines ROM-Chips und der Möglichkeit, einen Ferneseher als Monitor anzuschließen, auch über Zubehör wie einer externen programmierbaren Speichererweiterung und sogar einem Akustikkoppler-Modem; damit wurde das Gerät der Bezeichnung Computer schon viel mehr gerecht. Sharp selbst führe die Pocket-Computer-Reihe noch bis ins Jahr 1995 mit dem Sharp PC-E500s weiter.

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Etwa zur selben Zeit etablierte sich aber eine andere Geräteklasse, die die Pocket Computer schnell ablösten: die Personal Digital Assistants, oder PDAs. Neben den Funktionen, die ein Taschen-Computer erfüllte, konnten diese dank besserer Displays, größerem Speichervolumen, leistungsstärkeren Prozessoren und bessere Massenspeicher deutlich mehr Funktionen bieten, wie grafische Benutzeroberflächen, Handschriftenerkennung, Adressverwaltung oder sogar, ab Mitte der 1990er Jahre, analoge Mobilfunk-Telefonie. Auch Sharp selbst stellte in diesem Zeitraum seine Pocket-Computer-Reihe zu gunsten der persönlichen digitalen Assistenten ein. Die nächste Weiterentwicklung, in direkter Linie, sollten schließlich die Smartphones sein.

Der Sharp PC-1211 setzte sicherlich keine neuen Leistungsmaßstäbe: Selbst für 1980 war sein Speicher zu knapp, das Display zu winzig sowie von schlechter Qualität, und die Rechengeschwindigkeit gering. Und doch war das Gerät seiner Zeit weit voraus: Während andere Hersteller sich bemühten, Computer in irgendeiner Form leichter transportierbar zu machen, machten die Pocket PCs vor, was wir heute als Selbstverständlichkeit sehen: Einen tragbaren Computer als seinen ständigen Begleiter immer in der Tasche zu haben.

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