Batterien, Ladesäulen und Elektronik Wenn aus einem EMV-Prüflabor ein Systempartner wird

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 11 min Lesedauer

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Seit dem 1. Juni 2026 firmiert Phoenix Testlab als NMi Testlab. Der Standort in Blomberg soll innerhalb der NMi Group zu einer zentralen Plattform für Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen im DACH-Raum werden. Dafür sollen EMV, Umweltsimulation, Batterietests, gesetzliches Messwesen und Cybersecurity enger zusammenwachsen.

Ein Mitarbeiter von NMi Testlab entnimmt eine elektrische Baugruppe aus einer thermischen Prüfkammer. Der Hitzeschutzanzug schützt ihn beim Umgang mit dem Prüfling unter hohen Temperaturen.(Bild:  NMI Testlab)
Ein Mitarbeiter von NMi Testlab entnimmt eine elektrische Baugruppe aus einer thermischen Prüfkammer. Der Hitzeschutzanzug schützt ihn beim Umgang mit dem Prüfling unter hohen Temperaturen.
(Bild: NMI Testlab)

Eine Fahrzeugbatterie auf dem Prüfstand ist längst kein passiver Prüfling mehr. Während Vibrationen und Temperaturwechsel auf das System einwirken, wird die Batterie geladen und entladen. Ein Simulationssystem bildet die Kommunikation mit dem Fahrzeug nach. Vor und nach der Prüfung werden unter anderem Ladezustand, Gesundheitszustand und Innenwiderstand verglichen.

„Wir laden und entladen die Batterie während der Vibrations- und Temperaturprüfung, um den späteren Einsatzfall zu simulieren“, sagt Rüter, Geschäftsführer von NMi Testlab in Blomberg.

An diesem Beispiel zeigt sich, wie sich das Prüfgeschäft verändert. EMV, Umweltsimulation, Batterietests, Funk, gesetzliches Messwesen und Cybersecurity bleiben zwar unterschiedliche Disziplinen. Für Hersteller elektronischer Systeme rücken sie im Entwicklungs- und Zulassungsprozess jedoch enger zusammen. Das Unternehmen entstand 1994 als EMV-Labor von Phoenix Contact. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Phoenix Testlab zu einem Prüfdienstleister für EMV, Funk, elektrische Sicherheit, Umweltsimulation, Batterien sowie Zertifizierungs- und Zulassungsleistungen. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten am Standort Blomberg 165 Mitarbeiter; der Umsatz liegt bei mehr als 25 Mio. Euro. Die NMi Group hat Phoenix Testlab übernommen und seit dem 1. Juni 2026 firmiert das Unternehmen als NMi Testlab.

Neue Eigentümerstruktur für ein gewachsenes Prüflabor

Max Rüter, Geschäftsführer von NMi Testlab: Der Standort Blomberg soll seine Kompetenzen bei Batterie-, EMV- und Cybersecurity-Prüfungen ausbauen.(Bild:  kai abresch fotograf)
Max Rüter, Geschäftsführer von NMi Testlab: Der Standort Blomberg soll seine Kompetenzen bei Batterie-, EMV- und Cybersecurity-Prüfungen ausbauen.
(Bild: kai abresch fotograf)

Für NMi Testlab ist die Umfirmierung kein Neustart. Der Standort verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung und ist insbesondere in der Automobilindustrie, der Elektronikbranche und bei vernetzten Geräten etabliert. Der Wechsel von Phoenix Contact zur NMi Group verändert jedoch die strategische Einbettung des Unternehmens. Phoenix Contact hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem globalen Anbieter von Produkten und Lösungen für Elektrifizierung, Vernetzung und Automatisierung entwickelt. NMi Testlab ist dagegen in einem anderen Markt tätig: Das Unternehmen prüft elektronische Produkte und Systeme, unterstützt Hersteller bei Zulassungen und arbeitet in einem stark regulierten Umfeld.

„Wir haben gemerkt, dass Phoenix Contact als Konzern stark gewachsen ist und sich der Fokus auf Produkte und Produktion verändert hat“, erklärt Rüter. „Als Prüflabor arbeiten wir in manchen Bereichen anders. Zum Beispiel bei unseren Prozessen und der Art, wie wir berichten.“

Die Übernahme durch die NMi Group soll dem Standort neue Investitionen und zusätzliches Wachstum ermöglichen. Der Eigentümerwechsel findet zudem in einem Markt statt, der selbst von Konsolidierung geprägt ist. Internationale Prüf- und Zertifizierungsgruppen wie Intertek, SGS, Eurofins oder Element erweitern ihre Kompetenz und regionale Präsenz durch Zukäufe. Auch NMi ist in den vergangenen Jahren durch Akquisitionen gewachsen. Die Gruppe kommt ursprünglich aus dem gesetzlichen Messwesen und der Prüfung sicherheitskritischer Produkte. Zu den Aktivitäten gehören unter anderem die Prüfung von Messgeräten, Zertifizierungsleistungen und Dienstleistungen rund um die Legal Metrology.

Mit NMi Testlab erhält die Gruppe einen großen deutschen Standort mit Kompetenzen in EMV, Funk, Umweltsimulation und Batterietests. Deutschland ist für NMi nicht nur wegen der Automobilindustrie interessant. Auch die Elektronik- und Maschinenbauindustrie, der Bahnsektor, die Energietechnik sowie Luft- und Raumfahrt erzeugen Nachfrage nach Prüf- und Zertifizierungsleistungen.

„Wir haben einen Nucleus gesucht, von dem aus wir im deutschsprachigen Markt weiter wachsen können“, sagt Rüter. Die organisatorische Verselbstständigung des Standorts läuft schrittweise. Prozesse, die früher von Phoenix Contact übernommen wurden, werden in die Verantwortung von NMi Testlab überführt. Phoenix Contact bleibt zugleich ein wichtiger Kunde.

Batterien werden während der Prüfung betrieben

In der EMV-Messkammer von NMi Testlab werden elektronische Systeme auf Störaussendungen und Störfestigkeit geprüft.(Bild:  NMi Testlab)
In der EMV-Messkammer von NMi Testlab werden elektronische Systeme auf Störaussendungen und Störfestigkeit geprüft.
(Bild: NMi Testlab)

Ein Schwerpunkt des Standorts ist die Prüfung von Batteriesystemen. Phoenix Testlab eröffnete bereits 2011 ein Batterielabor. Die Batterieprüfung ist eng mit der Umweltsimulation verbunden. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage, ob ein System eine einzelne Belastung übersteht. Entscheidend ist auch, wie sich seine elektrischen und sicherheitsrelevanten Eigenschaften während einer Folge verschiedener Belastungen verändern. Eine typische Prüfsequenz kann mit einer Eingangsprüfung beginnen. Dabei werden beispielsweise der Ladezustand, der Gesundheitszustand und der Innenwiderstand der Batterie erfasst. Anschließend folgen je nach Produkt und Herstellerspezifikation unter anderem Lagerungs-, Temperatur-, Vibrations-, Stoß- oder IP-Prüfungen. Zwischen den einzelnen Belastungen können weitere Messungen zeigen, ob sich relevante Parameter verändern.

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Nach Abschluss der Prüfung wird der Zustand der Batterie erneut bewertet. Der Vergleich mit den Ausgangswerten liefert Hinweise darauf, ob die Belastungen die Leistungsfähigkeit oder die Sicherheit des Systems beeinflusst haben. „Zu Beginn prüfen wir die Leistungsfähigkeit der Batterie und erfassen die relevanten Ausgangswerte“, sagt Rüter. „Am Ende vergleichen wir die Ergebnisse und prüfen, wie sich beispielsweise der Zustand der Batterie oder der Innenwiderstand verändert haben.“

Die Batterie wird bei bestimmten Prüfungen nicht nur mechanisch oder klimatisch belastet, sondern zugleich elektrisch betrieben. Ein Simulationssystem kann dabei die Umgebung eines Fahrzeugs nachbilden. Dazu gehören Kommunikations- und Ladeanforderungen. So lässt sich untersuchen, wie sich das Batteriesystem verhält, wenn es während einer Vibrations- oder Temperaturprüfung geladen und entladen wird.

Für die Entwicklung ist das relevant, weil ein Batteriesystem im Fahrzeug nicht isoliert arbeitet. BMS, Ladeelektronik, Fahrzeugsteuerung, Sensorik und Kommunikationsschnittstellen beeinflussen sich gegenseitig. Eine Prüfung, bei der die Batterie lediglich in eine Klimakammer gestellt oder mechanisch belastet wird, bildet den späteren Einsatz daher nur eingeschränkt ab.

NMi Testlab führt nach Angaben Rüters keine Prüfungen durch, bei denen Batterien gezielt bis an die Zerstörungsgrenze oder darüber hinaus belastet werden. Für bestimmte Kurzschlussfälle habe das Unternehmen jedoch eigene Systeme entwickelt, mit denen sich die Leistung im Fehlerfall schnell trennen lässt. Welche Prüfungen im Einzelnen möglich sind, hängt von der Batterie, der Spezifikation des Herstellers und dem jeweiligen Entwicklungsziel ab.

Neben der Automobilindustrie werden auch Batteriesysteme für Schiffs- und Bahnanwendungen geprüft. Den größten Anteil machen nach wie vor Batterien für Fahrzeuge aus. Laut Rüter dominieren bei den Zellchemien derzeit Nickel-Mangan-Kobalt (NMC) und Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) sowie andere etablierte Technologien. Festkörperbatterien spielen im Labor bislang eine untergeordnete Rolle. Mit neuen Zellchemien können sich jedoch auch die Anforderungen an den Prüfaufbau und die Sicherheitstechnik verändern.

Neue Prüfkapazitäten für große Prüflinge

Die bestehende Infrastruktur in Blomberg soll erweitert werden. Bereits 2019 hatte Phoenix Testlab zwei größere Hallen für Komponentenprüfungen errichtet. Dort werden heute unter anderem Batteriesysteme geprüft. In älteren Laborbereichen begrenzen dagegen die verfügbare Traglast und die Abmessungen die Prüfung größerer Komponenten. Geplant ist deshalb eine zusätzliche Schirmkabine, in der auch schwere Prüflinge und leitungsgebundene Prüfungen an größeren Batteriesystemen möglich sein sollen. Die neue Infrastruktur soll zugleich für weitere EMV-Verfahren genutzt werden.

Dazu gehört eine Modenverwirbelungskammer, auch Reverberation Chamber genannt. Bei einer klassischen EMV-Prüfung wird das zu untersuchende Frequenzspektrum nach einem festgelegten Verfahren durchlaufen. In einer Modenverwirbelungskammer wird die elektromagnetische Feldverteilung durch mechanische oder andere geeignete Verfahren verändert. Dadurch entsteht eine statistisch möglichst gleichmäßige Belastung des Prüflings aus verschiedenen Raumrichtungen.

Das Verfahren kann insbesondere bei größeren Prüflingen und tieferen Frequenzen interessant sein. Die konkrete Eignung hängt unter anderem von der Kammergeometrie, dem Frequenzbereich und dem jeweiligen Prüfverfahren ab. NMi Testlab will die geplante Infrastruktur nach Rüters Angaben doppelt nutzen: für EMV-Prüfungen in der Modenverwirbelungskammer und als klassische Schirmkabine für große Batteriesysteme und andere schwere Prüflinge.

Damit entsteht eine Infrastruktur, die mehrere Anforderungen abdecken soll. Einerseits können neue EMV-Verfahren und größere Prüflinge berücksichtigt werden. Andererseits lassen sich Prüfungen an Batteriesystemen durchführen, die aufgrund ihres Gewichts und ihrer elektrischen Leistung in älteren Laborbereichen nicht möglich waren.

Umweltsimulation trifft gesetzliches Messwesen bei Ladesäulen

Im Sprühnebeltest prüft NMi Testlab die Beständigkeit elektronischer Systeme und Komponenten gegenüber Feuchtigkeit und Wasser.(Bild:  NMi Testlab)
Im Sprühnebeltest prüft NMi Testlab die Beständigkeit elektronischer Systeme und Komponenten gegenüber Feuchtigkeit und Wasser.
(Bild: NMi Testlab)

Eine weitere Verbindung zwischen technischen und regulatorischen Anforderungen entsteht bei der Ladeinfrastruktur. Die NMi Group bringt Kompetenzen aus dem gesetzlichen Messwesen ein. NMi Testlab verfügt über die Infrastruktur für Umwelt- und elektrische Prüfungen. In Blomberg wurde laut Rüter ein Prüfstand für Ladesäulen mit einer Leistung von bis zu 500 kW aufgebaut. Ziel ist es, die Umweltsimulation mit Anforderungen aus dem gesetzlichen Messwesen zu verbinden.

Für eine öffentlich zugängliche Ladesäule reicht es nicht aus, elektrische Energie mit hoher Leistung zu übertragen. Auch die Messung der abgegebenen Energie muss korrekt funktionieren. Der Nutzer bezahlt nicht für eine abstrakte Ladezeit, sondern für eine bestimmte Energiemenge in Kilowattstunden. Damit erhält die Messrichtigkeit eine unmittelbare rechtliche und wirtschaftliche Bedeutung. Die technische Herausforderung besteht darin, diese Eigenschaften auch unter realistischen Umgebungsbedingungen zu bewerten. Temperatur, Feuchtigkeit und weitere klimatische Einflüsse können sowohl die Leistungselektronik als auch Sensorik, Messsystem und Kommunikation beeinflussen.

„Wir verbinden die Umweltsimulation mit Prüfung im gesetzlichen Messwesen“, sagt Rüter. „Damit können wir den Herstellern ein kombiniertes Prüfangebot machen.“ Für Entwickler kann ein solcher Ansatz den Abstimmungsaufwand zwischen verschiedenen Prüfdisziplinen reduzieren. Er ersetzt allerdings nicht die Prüfung, welche konkreten Nachweise für ein Produkt und den jeweiligen Zielmarkt erforderlich sind. Gerade beim gesetzlichen Messwesen müssen nationale und europäische Vorgaben, Produktart und Einsatzszenario berücksichtigt werden.

Defense und Aerospace erweitern das Branchenspektrum

Neben der Elektromobilität rücken militärische Anwendungen stärker in den Fokus. NMi Testlab arbeitet dabei mit dem Berliner Prüfdienstleister TechnoLab zusammen, der inzwischen ebenfalls Teil des NMi-Verbunds ist. TechnoLab bringt nach Angaben Rüters langjährige Erfahrung in der Umweltsimulation und eine starke Position im Defense-Bereich ein. Die Zusammenarbeit soll es ermöglichen, Kunden ein breiteres Prüfangebot zu machen. Dazu gehören unter anderem Umweltprüfungen, EMV und Funkprüfungen. Für militärische Anwendungen gelten häufig andere Anforderungen als in der zivilen Automobilindustrie.

Rüter nennt unter anderem Vibrations- und Umweltprüfungen sowie spezielle Sand- und Belastungstests. NMi Testlab hat nach eigenen Angaben seine Kompetenzen im EMV-Bereich für militärische Anwendungen erweitert. Die konkreten Normen und Akkreditierungsumfänge müssen jeweils produkt- und kundenbezogen betrachtet werden.

Ein Prüfling wird extremen Bedingungen ausgesetzt und muss gleichzeitig seine vorgesehene Funktion erfüllen. Dafür braucht ein Labor mehr als eine Klimakammer oder einen Vibrationsprüfstand: Notwendig sind Schnittstellen, Steuerungen und kundenspezifische Vorrichtungen, die den realen Betrieb des Prüflings abbilden. Rüter sieht darin eine Stärke von NMi Testlab, da das Unternehmen über langjährige Erfahrung mit der aktiven Ansteuerung von Prüflingen während des Prüfprozesses verfüge.

Das neue Geschäftsfeld umfasst neben klassischen militärischen Anwendungen auch Aerospace, Drohnen und Raumfahrt. Gleichzeitig bleibt die Automobilindustrie ein wichtiger Markt. Weitere Anforderungen entstehen dort unter anderem durch autonomes Fahren, Elektromobilität und die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen.

Cybersecurity wird Bestandteil der Produktkonformität

Als weiteres Wachstumsfeld nennt Rüter die Cybersecurity. Mit den Cybersecurity-Anforderungen im Umfeld der Funkanlagenrichtlinie mussten Hersteller bestimmter Funkprodukte bereits Anforderungen an die Sicherheit ihrer Produkte berücksichtigen. Mit dem Cyber Resilience Act wird das Thema auf weitere digitale Produkte ausgeweitet. Betroffen sind grundsätzlich Produkte mit digitalen Elementen, die direkt oder indirekt mit einem Netzwerk oder einem anderen Gerät verbunden werden können. Die konkreten Pflichten hängen jedoch von der Produktkategorie und dem Konformitätsbewertungsverfahren ab.

Nicht jedes Produkt muss zwingend durch eine Benannte Stelle geprüft werden. Für bestimmte Produktklassen kann eine interne Fertigungskontrolle beziehungsweise eine Selbstbewertung ausreichen. Bei kritischeren Produktkategorien können dagegen eine externe Prüfung und die Einbindung einer Benannten Stelle erforderlich werden.

Für Hersteller entsteht derzeit eine Übergangsphase. Die regulatorische Richtung ist klar: Cybersecurity wird Bestandteil der Produktkonformität. Die konkreten harmonisierten Standards und ihre praktische Anwendung entwickeln sich jedoch weiter. „Die harmonisierten Standards sind noch nicht vollständig ausgearbeitet“, sagt Rüter. „Deshalb lässt sich derzeit noch nicht in jedem Fall abschließend sagen, welche konkreten Anforderungen ein Hersteller erfüllen muss.“

NMi Testlab will dabei vorhandene Kompetenzen innerhalb der NMi Group nutzen. Dazu gehört TrustCB, eine Gesellschaft der Gruppe mit Erfahrung in der Prüfung und Bewertung von Cybersecurity, unter anderem bei Bezahlsystemen. In Blomberg sollen entsprechende Labor- und Beratungsangebote aufgebaut beziehungsweise erweitert werden.

Auch eine Tätigkeit als Prüflabor oder Benannte Stelle im CRA-Umfeld ist nach Angaben Rüters vorgesehen, sofern die entsprechenden Voraussetzungen und Benennungen vorliegen. Für Hersteller ist dabei entscheidend, die Aufgabenbereiche sauber zu trennen: Beratung, Prüfung, Zertifizierung und die Tätigkeit als Benannte Stelle unterliegen jeweils eigenen Anforderungen und Zuständigkeiten.

Das bedeutet für Entwicklungsabteilungen vor allem, dass sich Cybersecurity nicht mehr vollständig von der Hardware- und Systementwicklung trennen lässt. Anforderungen an den Zugangsschutz, sichere Voreinstellungen, Updatefähigkeit, Schwachstellenmanagement und technische Dokumentation müssen daher bereits in der frühen Phase der Produktentwicklung berücksichtigt werden.

Eine nachträgliche Prüfung am Ende des Entwicklungsprozesses kann zwar Nachweise liefern. Sie kann aber keine grundlegenden Architekturentscheidungen ersetzen, die zu diesem Zeitpunkt bereits festgelegt sind.

Vom Einzeltest zum abgestimmten Nachweis

Die Entwicklung von NMi Testlab steht damit exemplarisch für einen größeren Wandel. Produkte werden komplexer, kommunizieren in mehr Netzwerken und müssen in unterschiedlichen Märkten regulatorische Anforderungen erfüllen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die technische Prüfung. Für Entwickler bedeutet das, dass eine einzelne EMV-Messung oder eine abschließende Umweltprüfung immer seltener das gesamte Risiko abbildet. Batterien werden während der Belastung betrieben, Ladesäulen müssen ihre Messrichtigkeit unter Umgebungsbedingungen nachweisen, und militärische Systeme müssen auch während der Prüfung funktionieren. Bei vernetzten Geräten kommt die Cybersecurity als Bestandteil der Produktkonformität hinzu.

NMi Testlab will diese Entwicklung mit neuen Investitionen und zusätzlichen Kompetenzen adressieren. Der Standort Blomberg bleibt dabei eng mit seinem bisherigen Kerngeschäft verbunden, soll aber stärker in ein internationales Prüfnetzwerk eingebunden werden.

Die entscheidende Frage für Kunden wird sein, ob ein kombiniertes Angebot tatsächlich zu technisch belastbaren und regulatorisch verwertbaren Nachweisen führt. Für die Entwicklungspraxis ist deshalb weniger entscheidend, wie viele Dienstleistungen ein Labor auflistet. Entscheidend ist, ob es die Prüfaufgabe versteht, den Prüfling realistisch betreiben kann und die Ergebnisse in den jeweiligen Zulassungsprozess einordnen darf.

Oder, wie Max Rüter es formuliert: „Die Kunden suchen nach Anbietern, die mitdenken.“ (heh)

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