Kompakte Bauteile für integrierte Photonik Neue Halbleiterstruktur wandelt Licht effizient in andere Frequenzen um

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Forscher kombinieren eine GaAs/AlGaAs-Quantenwell-Schicht mit einer dielektrischen Metaoberfläche. Bei einer für Glasfasernetze relevanten Wellenlänge verstärkt die Struktur die nichtlineare Wechselwirkung des Lichts deutlich. Sie könnten künftig als kompakter Frequenzkonverter in der integrierten Photonik dienen.

Marcus Ossiander vom Institut für Experimentalphysik der TU Graz war an der Entwicklung der Quantenwell-Metasurface beteiligt.(Bild:  Lunghammer/TU Graz)
Marcus Ossiander vom Institut für Experimentalphysik der TU Graz war an der Entwicklung der Quantenwell-Metasurface beteiligt.
(Bild: Lunghammer/TU Graz)

Forscher der TU Graz, der Harvard University und der University of Texas at Austin haben eine Halbleiterschicht mit einer dielektrischen Metaoberfläche kombiniert. Damit soll Licht bei einer Telekommunikationswellenlänge effizient in eine andere Frequenz umgewandelt werden, wodurch eine bislang schwer zugängliche nichtlineare optische Antwort für die Freiraumanregung nutzbar wird.

Licht spielt als Übertragungsmedium von Information eine entscheidende Rolle. Dank seiner linearen Ausbreitung dient es zur Kommunikation in modernen Glasfasernetzen. Für komplexe Rechenoperationen, Quantentechnologie und -Kryptographie oder Frequenzkämme für hochpräzise Messtechnik genügt das aber nicht. Hier braucht es nichtlineare Polarisation, wodurch Photonen miteinander interagieren und Informationen untereinander austauschen können.

Asymmetrische Quantentöpfe erzeugen nichtlineare Antwort

Die von den Forschern entwickelte Halbleiterschicht besteht aus GaAs/AlGaAs und enthält asymmetrisch gekoppelte Quantentöpfe. In diesen nanoskaligen Strukturen sind die elektronischen Zustände räumlich und energetisch so begrenzt, dass sich eine ausgeprägte nichtlineare optische Polarisation ergibt.

Bei einer linearen optischen Antwort folgt die Polarisation des Materials im Wesentlichen der Frequenz des einfallenden Lichts. Die nichtlineare Antwort des Materials ermöglicht zusätzliche Frequenzanteile im Licht. Das kann beispielsweise die Erzeugung der zweiten Harmonischen sein. Dabei wird Licht mit der doppelten Frequenz des eingestrahlten Signals generiert.

„Traditionell werden ausgedehnte kristalline Strukturen wie Lithiumniobat genutzt, um Lichtwellen nichtlinear zu koppeln“, sagt Marcus Ossiander vom Institut für Experimentalphysik der TU Graz. „Dabei werden aber recht große Volumen und viel Lichtenergie benötigt, was einer Miniaturisierung und vielen Anwendungsfällen bisher im Weg stand.“

Nach Angaben der Forscher erreicht die Quantenwell-Struktur bei einer Wellenlänge von etwa 1,57 µm einen großen nichtlinearen Tensoranteil. Die Metaoberfläche erhöht die für die Freiraumanregung zugängliche effektive Nichtlinearität auf etwa 14 nm/V.

Metaoberfläche lenkt das Licht in die passende Richtung

Die Quantenwell-Schicht allein lässt sich für den vorgesehenen Effekt nur eingeschränkt nutzen. Entscheidend ist die Orientierung des elektrischen Feldes relativ zu den elektronischen Übergängen in den Quantentöpfen. Bei einer herkömmlichen senkrechten Beleuchtung wird die benötigte Feldkomponente daher nur unzureichend angeregt. Als Quantentopf bezeichnet man Bereiche, in denen Elektronen aufgrund der Materialstruktur energetisch eingeschlossen werden.

Die Forscher setzen deshalb auf eine Metaoberfläche aus regelmäßig angeordneten Titandioxid-Säulen direkt auf die Halbleiterschicht. Ihre Geometrie beeinflusst die Ausbreitung und die lokale Verteilung des optischen Feldes. Dadurch wird die Wechselwirkung mit den Quantentöpfen verbessert.

Bei exakt senkrechtem Lichteinfall unterdrückt die Symmetrie der Struktur bestimmte Feldanteile. Ein kleiner Einfallswinkel von etwa 0,3° hebt diese Symmetrie auf und ermöglicht die starke nichtlineare Antwort. Für eine spätere Anwendung ist deshalb entscheidend, wie empfindlich der Effekt gegenüber Winkel-, Wellenlängen- und Fertigungstoleranzen ist.

Faktor 72.000 richtig einordnen

Die Forscher sprechen von einer bis zu 72.000-fach verbesserten Lichtkonversion gegenüber einer definierten Referenz. Dieser Wert sollte nicht pauschal als 72.000-fache Steigerung des Wirkungsgrads eines einsatzfertigen Bauteils verstanden werden. Für die Bewertung sind unter anderem die tatsächlich erzeugte Konversionsleistung, die erforderliche Eingangsleistung, die optischen Verluste und die Bandbreite der Resonanz relevant.

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Dieser Ansatz ist insbesondere für kompakte Frequenzkonverter und photonische Schaltungen interessant. Ob sich daraus Bauteile für Anwendungen in der optischen Datenübertragung, der photonischen Signalverarbeitung oder der Präzisionsmesstechnik entwickeln lassen, hängt von den Systemparametern sowie von den Fertigungsmöglichkeiten der Strukturen ab. (heh)

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