IEC-konforme Einkabellösung Standardisiert verbinden – Hybridtechnik im Format M17

Von Lisa Gärttner 6 min Lesedauer

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Kompakte Maschinen, dezentrale Einheiten und kurze Inbetriebnahmezeiten erhöhen den Druck auf die Verbindungstechnik: Weniger Bauraum, weniger Leitungen – bei gleicher oder höherer Betriebssicherheit. Hybrid-Rundsteckverbinder im M17-Format bündeln deshalb Energieversorgung sowie Signal- und Datenübertragung in einer einzigen, genormten Schnittstelle.

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Polbilder in Anlehnung an den Standard IEC 61076-2-117.(Bild:  Phoenix Contact)
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Polbilder in Anlehnung an den Standard IEC 61076-2-117.
(Bild: Phoenix Contact)

Geopolitische Spannungen und wiederholte Störungen globaler Lieferketten haben in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, wie fragil etablierte Strukturen sind. Volatilität gilt als neuer Normalzustand. Damit sind die Anforderungen an Zukunfts- und Versorgungssicherheit spürbar gestiegen, insbesondere in industriellen Anwendungen, die auf langfristige Verfügbarkeit und weltweite Skalierbarkeit angewiesen sind.

Verlässliche, herstellerunabhängige Lösungen rücken damit stärker in den Fokus. Normbasierte Komponenten senken die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und erleichtern die Beschaffung weltweit. Phoenix Contact hat deshalb an der Ausarbeitung eines IEC-Standards für größere Hybrid-Rundsteckverbinder (Baugrößen M12 bis M40) mitgewirkt, um eine einheitliche mechanische Schnittstelle sowie elektrische und EMV-relevante Anforderungen zu definieren.

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Lange Zeit war die Verdrahtung in Maschinen und Anlagen zweigeteilt: eine Leitung für die Leistungsversorgung, eine weitere für Signale und Daten. Diese Architektur kostet Platz, erhöht den Materialeinsatz und verlängert die Installation. Hybride Einkabellösungen gewinnen daher seit Jahren an Bedeutung – häufig jedoch als proprietäre Systeme ohne echte Kompatibilität zwischen Herstellern. Parallel dazu werden Maschinenfunktionen zunehmend in dezentrale Einheiten verlagert: Kompakte Feldgeräte brauchen eine kleine, flexible und leistungsfähige Schnittstelle. Genau für diese Anforderungen ist der M17 PRO HYBRID konzipiert.

Auf den Punkt gebracht
  • Maximale Kompatibilität und Flexibilität mit der ersten nach IEC genormten M17-Schnittstelle
  • 3-in-1-Lösung zur Übertragung von Daten, Signalen und Leistung
  • Maximale Platzersparnis dank reduzierter Bauhöhe im Vergleich zum Standard M17
  • Fehlerfreie Montage durch farbliche und mechanische Kodierung im Steckgesicht
  • 70 % Zeitersparnis bei der Installation durch werkzeuglose ONECLICK-Schnellverriegelung

Genormte Schnittstelle für modulare Maschinenkonzepte

Als erstes Produkt im M17-Format mit Auslegung nach IEC 61076-2-117 kombiniert der M17 PRO HYBRID die Übertragung von Leistung, Signalen und Daten in einem kompakten Rundsteckverbinder. Für Geräteentwickler bedeutet das: weniger Schnittstellen, ein aufgeräumtes System-Layout und geringerer Montage- sowie Materialaufwand, ohne auf Funktionalität zu verzichten. Die Norm schafft dabei die Grundlage für marktweite Kompatibilität und klar definierte Leistungsparameter.

Über das genormte Steckgesicht hinaus ist auch das Anschlussgewinde in der neuen Norm verankert. Vergleichbar mit der Push-Pull-Norm definiert die Norm IEC 61076-2-117 ebenfalls die Kontur des Außengewindes. Das schafft Kompatibilität auf der Geräte- und Steckgesichtsseite. Auf der feldseitigen Ausführung behalten Hersteller jedoch Gestaltungsspielraum, solange die Ausführung zur in der Norm beschriebenen Verriegelungskontur passt – etwa bei der konkreten Umsetzung einer Schnellverriegelung.

Die Spezialisten aus Blomberg nutzen diesen Spielraum mit der patentierten ONECLICK-Schnellverriegelung: Ein einziger „Click“ signalisiert die korrekte Verriegelungsposition. Zusätzlich sorgen ein taktiles und optisches Feedback der korrekten Verschlussposition für mehr Sicherheit beim Geräteanschluss Dadurch lässt sich die Anschlusszeit gegenüber klassischen, metrischen Schraubverriegelungen je nach Anwendung um bis zu 70 % reduzieren und die Servicefreundlichkeit steigt spürbar.

Leitkongress zu Trends und Einsatz moderner Steckverbinder

Anwenderkongress Steckverbinder in Würzburg

Anwenderkongress Steckverbinder
(Bild: VCG)

Der Anwenderkongress Steckverbinder beleuchtet praxisorientiert technische Aspekte beim Design und Einsatz moderner Steckverbinder. In Praxis-Workshops vermitteln hochkarätige Experten Steckverbinder-Grundlagen, spezifisches Knowhow und helfen bei der Auswahl des richtigen Steckverbinders.

Der Kongress ist eine in Europa einzigartige Veranstaltung, die sich den Themen rund um das Steckverbinder-Design, Design-in, Werkstoffe, Qualifizierung und Einsatz von Steckverbindern widmet.

Integrierter Berührschutz

Ein integrierter Berührschutz an den Leistungskontakten des M17 Hybrid unterstützt den sicheren Einsatz von Stift- und Buchseneinsätzen sowohl an Geräte- als auch an Feldsteckverbindern. Das erleichtert Reihenschaltungen im Daisy-Chain-Prinzip und senkt den Aufwand für Verkabelung und Installation, weil aufwendige Parallelverdrahtungen entfallen können.

Damit Montagefehler gar nicht erst entstehen, sind die Ausführungen für unterschiedliche Spannungsbereiche eindeutig gekennzeichnet: Mechanische und farbliche Kodierungen verhindern das Fehlstecken der 50-V-Variante (Type 2B) mit der 630-V-Variante (Type 2) gemäß IEC 61076-2-117. Das erhöht die Betriebssicherheit und beschleunigt Wartung sowie Austausch.

Für besonders enge Einbausituationen spielt die Bauform ihre Stärken aus: Bei gewinkelten Gerätesteckern ist die Bauhöhe im Vergleich zu Standard-M17 um rund 15 % reduziert und liegt bei etwa 30 mm. Darüber hinaus sind auch gerade Varianten mit Flansch verfügbar. Neben den aus der Serie M17 PRO bekannten Gehäusebauformen ist eine neue Flanschgröße für den M17 PRO HYBRID verfügbar. Sowohl für den geraden als auch für den gewinkelten, drehbaren Gerätestecker gibt es nun auch das Flanschmaß 21,6 mm x 21,6 mm als konsequente Erweiterung der kompakten M17-Familie.

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Gleichzeitig sind die Leistungskontakte für Anschlussquerschnitte bis 1,5 mm² ausgelegt und erlauben Ströme bis 16 A je Kontakt – eine Kombination, die kompakte Bauweise und Leistungsfähigkeit zusammenbringt.

Ergänzend stehen zusätzliche Signal- und Datenkontakte zur Verfügung, um Funktionen wie Sensorik, Feedback-Signale oder Kommunikation in derselben Schnittstelle zu integrieren. Dadurch lässt sich der Hybridsteckverbinder flexibel von der Feldsensorik über Antriebe bis hin zu kompakten Steuerungs- und I/O-Einheiten einsetzen.

Von Robotik bis Intralogistik – überall dort, wo es eng und rau wird

Wie andere Rundsteckverbinder des Herstellers ist auch der M17 PRO HYBRID für raue Industrieumgebungen ausgelegt. Eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Vibration, Schock und Temperatur unterstützt eine dauerhaft stabile Verbindung – ein Vorteil überall dort, wo Stillstandszeiten teuer sind. Typische Einsatzfelder reichen von industrieller Automatisierung und Robotik bis zu mobilen Maschinen. Auch in Anwendungen wie Belüftungs- und Gebäudesystemen, Radantrieben fahrerloser Transportsysteme (AGV) oder kollaborativen Robotern kann die kombinierte Leistungs-, Signal- und Datenübertragung den Aufbau vereinfachen.

Ein dynamisch wachsender Anwendungsbereich sind Kleinspannungsantriebe in der Industrieautomation. Sie werden häufig in dezentralen Modulen genutzt – etwa für Positionieraufgaben, Fördertechnik oder leichte Handling-Systeme – und benötigen eine kompakte Schnittstelle, die Energieversorgung und Kommunikation gleichermaßen zuverlässig abdeckt. Genau hier kann eine standardisierte hybride Einkabellösung die Integration vereinfachen und die Austauschbarkeit über den Lebenszyklus verbessern.

IEC 61076-2-117: Grundlage für Verfügbarkeit, Wettbewerb und Innovation

Normierte Steckverbinder sind ein zentraler Baustein für globale Verfügbarkeit: Sie schaffen Kompatibilität über Herstellergrenzen hinweg, vereinfachen Beschaffung und Lagerhaltung und reduzieren das Risiko von Engpässen. Die IEC 61076-2-117 definiert dafür u. a. die mechanische Schnittstelle sowie elektrische Kennwerte und EMV-Anforderungen für geschirmte Hybrid-Rundsteckverbinder in mehreren Baugrößen (von M12 bis M40) und adressiert dabei auch Schutzarten bis IP67.

Auch aus Herstellersicht wirkt Standardisierung als Beschleuniger: Vergleichbare Schnittstellen ermöglichen fairen Wettbewerb, fördern Weiterentwicklungen und senken Integrationshürden für neue Geräteplattformen. Was bei kleineren Rundsteckverbindern (M5 bis M12) längst etabliert ist, wird damit konsequent auf größere Baugrößen übertragen – inklusive der Vorteile für Anwender, die auf langfristige Ersatzteilverfügbarkeit und planbare Schnittstellen setzen.

Vor diesem Hintergrund bauen die Blomberger das Portfolio der Baugrößen M17 bis M40 konsequent entlang der Anforderungen der IEC 61076-2-117 aus. Anwender profitieren damit von einem durchgängigen, normbasierten Schnittstellenkonzept, das sich über verschiedene Leistungs- und Applikationsklassen hinweg skalieren lässt.

Fazit: Einkabellösung für kompaktere Designs

Wer hybride Einkabellösungen auf Normbasis einsetzt, erhöht Planungssicherheit und Verfügbarkeit – und schafft gleichzeitig die Voraussetzungen für kompaktere Designs und schnellere Montage. Gerade in modularen Anlagen, in denen Flexibilität und kurze Stillstandszeiten zählen, ist das ein messbarer Vorteil.

Die Hybridsteckverbinder der M17-Familie werden auf dem Steckverbinderkongress vom 29. Juni bis 1. Juli 2026 in Würzburg vorgestellt. Für vertiefende Fragen stehen Produktspezialisten dort im direkten Austausch zur Verfügung. (kr)

* Lisa Gärttner ist Produktmanager Field Connectivity bei Phoenix Contact in Blomberg.

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