Leiterplattentechnik Warum die Oberfläche einer Leiterplatte über Erfolg oder Ausfall entscheidet

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Höhere Ströme, Spannungen jenseits der 1.000 V und extreme Betriebstemperaturen verschieben die Grenzen des Machbaren. Doch neben Halbleitern und Kühlung entscheidet oft die Lötoberfläche über die Zuverlässigkeit. Die Wahl des Finishs ist längst kein Randthema für die Fertigung mehr.

Mehr als nur glänzendes Metall: Bei Spannungen über 1.000 V wird die Lötoberfläche zum kritischen Erfolgsfaktor für die gesamte Baugruppe.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Mehr als nur glänzendes Metall: Bei Spannungen über 1.000 V wird die Lötoberfläche zum kritischen Erfolgsfaktor für die gesamte Baugruppe.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Viele Entwickler begehen einen entscheidenden Fehler: Sie vertrauen blind auf theoretische Datenblattwerte der Oberflächenhersteller. Doch diese Werte entstehen oft unter Laborbedingungen, die mit der Realität der Leistungselektronik mit ihren hohen Strömen, den Spannungsspitzen und extremen thermischen Wechselbelastungen nichts zu tun haben.

„Ein wiederkehrender Fehler ist das blinde Vertrauen auf Datenblattwerte, ohne die tatsächlichen Wechselwirkungen auf die konkrete Topographie der Oberfläche in der realen Applikation zu prüfen“, sagt Markus Voelz von CEE PCB. Wer die Oberfläche isoliert und zu spät im Designprozess betrachtet, baut eine tickende Zeitbombe in sein System ein. Die Folge: Mangelnde Lötbarkeit, instabile intermetallische Phasen oder fatale Feldfehler unter Last.

Problem bei hohen Temperaturen

Ob ENIG, ENEPIG, chemisch Zinn oder Silber, es gibt keine universelle Lösung. Jedes Finish hat physikalische und chemische Grenzen. In der Leistungselektronik werden diese Grenzen oft überschritten, weil das Diffusionsverhalten bei dauerhaft hohen Temperaturen unterschätzt wird.

Voelz räumt mit dem Wunschdenken auf: „Es gibt nicht die eine universelle Oberfläche. Jedes Finish hat klare Grenzen, die im Kontext von Extrembedingungen völlig neu bewertet werden müssen.“ Wer hier falsch wählt, zahlt doppelt: Erst für das vermeintlich „günstige“ Standard-Finish und später für massive Folgekosten durch Lagerunfähigkeit oder verfrühte Feldausfälle.

DER KONGRESS FÜR ELEKTRONIKENTWICKLER

Entwickeln mit Weitblick – Die 360-Grad-Sicht auf die Elektronik

Power of Electronics
(Bild: VCG)

Von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt: Power of Electronics liefert Wissen, Werkzeuge und Kontakte für erfolgreiche Elektronikentwicklung. Egal, ob Sie am Anfang Ihrer Karriere stehen oder erfahrener Spezialist sind – hier finden Sie tiefgehende Inhalte, aktuelle Technologien und innovative Lösungen. Es erwartet Sie ein auf verschiedene Themengebiete der Elektronik fokussiertes Vortragsprogramm, eine übergreifende Fachausstellung mit den jeweiligen Spezialunternehmen und Komponentenanbietern sowie zahlreiche Möglichkeiten zum interdisziplinären Austausch und intensiven Networking.

Design-to-Process statt Overengineering

Wie verhindert man den wirtschaftlichen Totalschaden, ohne das Budget durch teure Spezialoberflächen (Overengineering) zu sprengen? Markus Voelz gibt dazu eine klare Strategie für Entwickler:

  • Schnittstellen-Denken: Warum die Abstimmung zwischen OEM, Leiterplattenhersteller und EMS-Dienstleister bereits in der Entwurfsphase über die spätere Qualität entscheidet.
  • Belastungs-Analyse: Wie reagiert die Chemie der Oberfläche konkret auf die Alterung durch hohe Ströme und Spannungen?
  • Wirtschaftliche Präzision: Wie man die Risiken verschiedener Veredelungen realistisch einschätzt, um teure Redesigns zu vermeiden.

Markus Voelz liefert das notwendige Fachwissen, um auf Augenhöhe mit Fertigungspartnern zu kommunizieren. Ziel ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage, die auf realen elektrischen Lasten basiert und nicht auf Marketing-Versprechen. (heh)

Termin-Hinweis: Markus Voelz referiert im Track Leiterplatte auf dem Fachkongress Power of Electronics zum Thema Lötoberflächen für die Leistungselektronik. Wann? 29. bis 30. September in Würzburg. Infos unter: www.power-of-electronics.de

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