GaN-Halbleiter-IPs Belgisch-chinesischer Halbleiterforscher wegen Industriespionage verhaftet

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Belgische Ermittler haben einen früheren Forscher des insolventen belgischen Halbleiterherstellers BelGaN verhaftet. Dem 52-Jährigen, der sowohl die belgische als auch chinesische Staatsbürgerschaft besitzt, wird vorgeworfen, Firmengeheimnisse zur GaN-Chipfertigung an ein chinesisches Startup übertragen zu haben.

BelGaNs Produktions- und F&E-Einrichtung für Silizium- und GaN-Chiptechnologien in Oudenaarde. Einem Manager und Forscher des Unternehmens, das vor zwei Jahren Insolvenz anmelden musste, steht im Verdacht, während seiner dortigen Tätigkeit Industriegeheimnisse zur Fertigung von GaN-Halbleitern an ein chinesischer Startup übertragen zu haben.(Bild:  BelGaN)
BelGaNs Produktions- und F&E-Einrichtung für Silizium- und GaN-Chiptechnologien in Oudenaarde. Einem Manager und Forscher des Unternehmens, das vor zwei Jahren Insolvenz anmelden musste, steht im Verdacht, während seiner dortigen Tätigkeit Industriegeheimnisse zur Fertigung von GaN-Halbleitern an ein chinesischer Startup übertragen zu haben.
(Bild: BelGaN)

Belgische Behörden ermitteln gegen einen 52-jährigen belgisch-chinesischen Halbleiterforscher wegen des Verdachts auf Industriespionage. Der Mann wurde am 11. Mai am Flughafen Brüssel festgenommen, als er nach Peking fliegen wollte, und befindet er sich seitdem in Untersuchungshaft. Wie die lokale Medien berichten wirft ihm die belgische Bundesstaatsanwaltschaft unter anderem Spionage, Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Missbrauch von Unternehmensvermögen und die rechtswidrige Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen vor.

Der Beschuldigte hatte eine leitende Forschungsposition beim belgischen Halbleiterhersteller BelGaN in Oudenaarde inne. Das Unternehmen produzierte Halbleiter auf Basis von Galliumnitrid, kurz GaN, und ging im Juli 2024 insolvent. Mehr als 400 Beschäftigte verloren dadurch ihren Arbeitsplatz. Vor der Schließung war BelGaN die einzige kommerzielle Chipfertigungsstätte Belgiens.

Hinweise auf heimliche parallele Tätigkeit in China

Nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise darauf, dass der Forscher gleichzeitig eine leitende Funktion bei einem chinesischen Unternehmen mit einem ähnlichen Tätigkeitsfeld ausgeübt haben könnte. Dieses Unternehmen sei wenige Monate nach seinem Eintritt bei BelGaN gegründet und von einem chinesischen Investmentfonds finanziert worden.

Die Ermittler prüfen, ob spezialisiertes geistiges Eigentum und Geschäftsgeheimnisse zur Herstellung von GaN-Halbleitern unrechtmäßig aus Belgien nach China übertragen wurden. Solche Halbleiter werden unter anderem in Elektrofahrzeugen, in der Luft- und Raumfahrt sowie in militärischen Anwendungen eingesetzt. Ob und in welchem Umfang tatsächlich vertrauliche Informationen weitergegeben wurden, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Ausgangspunkt des Verfahrens war die Untersuchung der Insolvenz von BelGaN. Im Zuge der Prüfung stießen die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf Vorgänge, die den Verdacht auf eine mögliche Weitergabe von Unternehmenswissen begründeten. In diesem Zusammenhang rückten auch die Verbindungen des Forschers zu dem chinesischen Unternehmen in den Fokus.

Datenträger und Kommunikation beschlagnahmt

Im Rahmen des Verfahrens fanden mehrere Durchsuchungen statt. Die Polizei beschlagnahmte Datenträger und elektronische Kommunikation, die derzeit ausgewertet werden. Zudem suchen die belgischen Behörden nach einem zweiten Verdächtigen. Weitere Einzelheiten zu dessen Identität oder Rolle hat die Staatsanwaltschaft bislang nicht veröffentlicht.

Der Anwalt des festgenommenen Forschers erklärte gegenüber der Financial Times, sein Mandant bestreite sämtliche Vorwürfe. Eine strafrechtliche Verurteilung liegt bislang nicht vor. Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft kündigte angesichts der laufenden Ermittlungen an, vorerst keine weiteren Angaben zu dem Verfahren zu machen.

Der Fall trifft auf eine Phase wachsender Spannungen zwischen China und europäischen Staaten bei strategisch wichtigen Technologien. Halbleiter und das für ihre Herstellung notwendige Know-how gelten als wirtschaftlich und sicherheitspolitisch besonders relevant. Zugleich versuchen westliche Staaten, den Transfer bestimmter Spitzentechnologien nach China stärker zu begrenzen, während China seine Abhängigkeit von ausländischer Halbleitertechnik verringern will.(sg)

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