IBM Quantum System Two ETH Zürich erhält topmodernen Quantencomputer

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Die Schweiz erhält einen der derzeit modernsten Quantencomputer: Bis Ende 2026 soll am Schweizerischen Nationalen Supercomputing-Zentrum CSCS der ETH Zürich in Lugano ein IBM Quantum System Two installiert werden.

Das IBM Quantum Systems Two zählt derzeit zu den fortschrittlichsten Quantencomputern der Welt.(Bild:  IBM)
Das IBM Quantum Systems Two zählt derzeit zu den fortschrittlichsten Quantencomputern der Welt.
(Bild: IBM)

Grundlage des Vorhabens ist ein Offset-Abkommen zwischen dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin und Armasuisse, dem Bundesamt für Rüstung. Gemeinsam mit IBM haben die Partner an der ETH Zürich einen Schweizer Hub für Quanteninnovation ins Leben gerufen. Die Vereinbarung zur Installation und zum Betrieb des Rechners ist zunächst auf drei Jahre bis 2029 angelegt.

IBM wird das Quantum System Two installieren, warten und betreiben. Das CSCS stellt unter anderem Stromversorgung, Kühlung und Sicherheitsinfrastruktur bereit, während die ETH Zürich die Nutzung koordiniert und die verfügbaren Rechenkapazitäten zuteilt. Als Prozessor soll IBM Quantum Nighthawk r2 zum Einsatz kommen, der über 120 programmierbare Qubits verfügt und laut IBM mehr als 100.000 Quantenschaltkreise pro Sekunde ausführen kann.

Quanten- und Supercomputing an einem Standort

Der Quantencomputer wird in unmittelbarer Nähe des KI-fähigen Supercomputers „Alps“ am CSCS aufgebaut. Die Kombination beider Technologien soll insbesondere Forschenden in Physik, Chemie und Materialwissenschaften neue Möglichkeiten eröffnen. Denkbar sind unter anderem Untersuchungen komplexer Moleküle, Materialien und chemischer Prozesse sowie Anwendungen in Optimierung und Finanzdienstleistungen.

„Bei der Simulation komplexer quantenmechanischer Prozesse stossen klassische Computer an Grenzen. Hier eröffnet Quantum Computing neue Möglichkeiten“, sagt Renato Renner, Professor für Theoretische Physik an der ETH Zürich. Langfristig könnten entsprechende Forschungsarbeiten beispielsweise zur Entwicklung neuer Materialien, effizienterer industrieller Prozesse und energieeffizienterer Technologien beitragen.

Zugang zum System sollen Forschende aus dem ETH-Bereich, anderen Schweizer Hochschulen sowie ausgewählte Unternehmen, Start-ups und weitere Teilnehmer des Innovationshubs erhalten. Bereits während der Installation können beteiligte Organisationen über die Cloud auf Quantencomputer und weitere Ressourcen von IBM zugreifen. Nach der Inbetriebnahme steht ihnen zusätzlich das dedizierte System in Lugano zur Verfügung.

Infrastruktur soll auch neue Talente hervorbringen

Ein IBM Quantum Nighthawk Prozessor.(Bild:  IBM)
Ein IBM Quantum Nighthawk Prozessor.
(Bild: IBM)

ETH-Präsident Joël Mesot sieht in der Anlage deshalb nicht nur eine neue Forschungsressource. „Die Schweiz erhält Zugang zu einer essenziellen Forschungsinfrastruktur, die es uns ermöglicht, die Erforschung dieser Zukunftstechnologie weiter voranzutreiben und die dazu notwendigen Talente auszubilden“, sagt Mesot.

Auch in der Ausbildung soll der direkte Zugang zu Quantenhardware eine wichtige Rolle spielen. „Wer Quantencomputer programmieren will, muss sowohl Informatik beherrschen als auch Quantenphysik verstehen“, sagt Renner. „Mit direktem Zugang zu einem der fortschrittlichsten Quantencomputer werden sich nun deutlich mehr Studierende und Forschende einfacher mit dieser Technologie beschäftigen können.“ Ergänzend sollen Angebote des IBM Quantum Network und der IBM Quantum Platform wie Kurse, Zertifizierungen, Workshops und Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

IBM und Lockheed Martin wollen den neuen Hub zudem für gemeinsame Forschungsprojekte nutzen. Geplant sind zunächst Arbeiten zu Quantensensorik für Navigationsanwendungen sowie zur Verbesserung der additiven Fertigung metallischer Legierungen. Lockheed-Martin-Technologiechef Craig Martell erklärt: „Die Schweiz wird zu Recht als Zentrum globaler Innovation anerkannt, und Lockheed Martin ist stolz auf seine lange Geschichte der technischen Zusammenarbeit im Land. Dieses Projekt erweitert die strategische Beziehung zwischen Lockheed Martin und IBM in den Bereichen Quanten und KI und positioniert zugleich die Schweiz als führend in diesen entscheidenden, hochmodernen Feldern.“

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Für IBM knüpft das Projekt an eine jahrzehntelange Forschungstradition in der Schweiz an. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben seit fast 100 Jahren mit Schweizer Institutionen zusammen und betreibt seit rund 70 Jahren ein Forschungslabor in Zürich. Ende März 2026 hatten IBM und die ETH Zürich zudem eine auf zehn Jahre angelegte Zusammenarbeit zur Entwicklung neuer Algorithmen für Künstliche Intelligenz und Quantencomputing angekündigt. Mit dem Quantum System Two erhält diese Partnerschaft nun auch eine neue technische Infrastruktur.(sg)

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