Gescheiterte Manager

Die Pannen-CEOs

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2. Bernard Ebbers, Worldcom

Das Leben des gebürtigen Kanadiers Bernard "Bernie" Ebbers gleicht einer Achterbahnfahrt: Aus einfachen Verhältnissen katapultierte er sich auf den Chefsessel eines Weltunternehmens. Sein Absturz war nicht weniger spektakulär.

Der Sohn eines Handlungsreisenden aus Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta verfolgte zunächst den Profisport als Karriereziel. Eine Verletzung hinderte ihn jedoch daran, eine Basketball-Karriere einzuschlagen. Ebbers erwarb einen Studienabschluss als Sportlehrer am Mississippi College, war aber Anfang der achtziger Jahre als Manager einer Motelkette im US-Bundesstaat Mississippi tätig.

Mit einigen anderen Investoren aus der Region gründete er eine Telefongesellschaft namens LDDS (Long Distance Discount Services), die er ab 1985 leitete.

LDDS machte durch eine aggressive Einkaufspolitik von sich reden. Das Unternehmen schluckte im Laufe eines Jahrzehnts mehrere Dutzend Telecom-Anbieter und änderte 1995 seinen Namen in Worldcom. Damit bekundete der Konzern den Anspruch, sowohl national als auch weltweit in der ersten Liga der Telcos mitspielen zu wollen.

Ein Jahr später kaufte Worldcom den Internet-Provider MFS Communications, zu dem unter anderem der Netzpionier UUnet gehörte. Dadurch wurde Worldcom auch zu einem Big Player in der Online-Welt.

Die Strategie des Wachstums durch Zukauf wurde jedoch jäh gestoppt, als die US-Kartellbehörden 1999 die Übernahme der Telefongesellschaft Sprint untersagten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die US-Telecom-Industrie in einem Abschwung. Um einen Wertverlust der Worldcom-Aktien zu verhindern, benutzten Ebbers und die Finanzchefs des Unternehmens zunehmend Bilanztricks, um Wachstum und Gewinne vorzuspiegeln, wo keine waren. Unter anderem wurden Vermittlungskosten als Unternehmens-Assets gebucht.

2002 flog der Schwindel auf, Worldcom meldete Insolvenz an. Später stellte sich heraus, dass die Luftbuchungen ein Volumen von 11 Milliarden Dollar hatten.

2005 wurde Ebbers, der von der Branche als "Telecom-Cowboy" gefeiert wurde, weil er in der Öffentlichkeit oft in Jeans und Cowboystiefeln aufgetreten war, wegen Bilanzbetrugs zu einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren verurteilt.

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