Intel plant die Übernahme des israelischen Unternehmens Classiq. Dessen Software zur automatisierten Synthese von Quantenalgorithmen soll Intels Entwicklung siliziumbasierter Quantenprozessoren ergänzen.
Intel hat die Übernahme des israelischen Unternehmens Classiq angekündigt. Das Startup spezialisiert sich auf Tools und Algorithmen für die praktikable Entwicklung skalierbarer, effizienter Quantenanwendungen.
(Bild: Classiq)
Intel hat eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme des israelischen Quantencomputing-Softwareanbieters Classiq unterzeichnet. Das gab der Halbleiterhersteller am 26. Oktober 2026 bekannt. Mit der Akquisition will Intel seine bisherigen Entwicklungen im Bereich der Quantenhardware um eine Softwareplattform für die Programmierung von Quantencomputern erweitern.
Classiq entwickelt Werkzeuge, mit denen sich Quantenalgorithmen auf einer höheren Abstraktionsebene entwerfen und anschließend automatisiert in Quantenschaltungen umsetzen lassen. Entwickler müssen damit nicht sämtliche Operationen auf der Ebene einzelner Qubits und Quantengatter festlegen. Die Software übernimmt Teile der Schaltungsentwicklung und soll dadurch insbesondere die Umsetzung komplexerer Quantenalgorithmen vereinfachen.
Automatisierte Synthese von Quantenschaltungen
Ein wesentliches Merkmal der Classiq-Plattform ist ihre Unabhängigkeit von bestimmten Qubit-Technologien und Hardwarearchitekturen. Die Software ist darauf ausgelegt, Quantenprogramme für unterschiedliche technische Ansätze zu entwickeln. Anwender sollen damit nicht auf die Prozessorarchitektur eines einzelnen Herstellers festgelegt sein.
Intel vergleicht diesen Ansatz mit der Rolle von Electronic Design Automation (EDA) und Computer-Aided Design (CAD) in der klassischen Halbleiterentwicklung. Dort ermöglichen entsprechende Werkzeuge den Entwurf komplexer Schaltungen, ohne dass Entwickler sämtliche Einzelheiten der späteren physikalischen Implementierung manuell bearbeiten müssen. Eine vergleichbare Abstraktion soll bei der Entwicklung von Quantenalgorithmen helfen, den Aufwand für die Programmierung zu verringern.
Die automatisierte Synthese soll außerdem die Entwicklung größerer Quantenschaltungen unterstützen. Statt diese vollständig von Hand zusammenzustellen, können Entwickler die gewünschten Berechnungen auf einer höheren Ebene beschreiben und daraus Schaltungen erzeugen lassen. Nach Angaben von Intel soll Classiq auch nach der Übernahme weiterhin unterschiedliche Quantenhardwareplattformen unterstützen. Eine Beschränkung auf Intels eigene Prozessoren ist demnach nicht vorgesehen.
Siliziumbasierte Spin-Qubits als Hardwarebasis
Intel arbeitet seit 2015 an Quantencomputing-Technologien und konzentriert sich dabei insbesondere auf Spin-Qubits auf Siliziumbasis. Bei diesem Ansatz wird der quantenmechanische Spin von Elektronen zur Speicherung und Verarbeitung von Quanteninformation genutzt. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der möglichen Nutzung etablierter Fertigungsprozesse aus der konventionellen Halbleiterproduktion. Intel sieht darin eine Grundlage für die Herstellung größerer Qubit-Arrays.
Neben den eigentlichen Qubit-Chips entwickelt Intel komplexe kryogene Steuerelektronik, die für den Betrieb von Quantenprozessoren bei sehr niedrigen Temperaturen benötigt wird. Durch die Kombination dieser Hardware mit der eigenen Quantensoftware und den Entwicklungswerkzeugen von Classiq will das Unternehmen eine durchgängige Plattform aufbauen. Quantenprozessoren, sogenannte Quantum Processing Units (QPUs), könnten damit das bisherige Angebot aus CPUs, GPUs und anwendungsspezifischen integrierten Schaltungen (ASICs) ergänzen.
Bis daraus breit einsetzbare Quantensysteme entstehen, sind allerdings noch technische Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehören insbesondere die Skalierung der Qubit-Zahl, die Kontrolle von Fehlern und die Integration der einzelnen Systemkomponenten. Die Übernahme von Classiq soll vor allem die Softwareentwicklung und deren Anbindung an unterschiedliche Quantenarchitekturen vereinfachen.
Der Abschluss der Transaktion wird für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet und steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Bis dahin bleiben Intel und Classiq eigenständige Unternehmen. (sg )
Stand: 08.12.2025
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