Der Börsengang des chinesischen Roboterherstellers Unitree ist tausendfach überzeichnet. Die hohe Bewertung zeigt das Vertrauen in verkörperte KI – und macht sichtbar, wie viel Zukunftserwartung bereits eingepreist ist.
Unitrees Börsengang steht sinnbildlich für die hohen Erwartungen an humanoide Roboter und verkörperte KI.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Der Roboterhersteller Unitree Robotics aus Hangzhou geht an die Börse, und Chinas Anleger stehen Schlange. Am 10. August 2026 hat das Unternehmen die Zeichnungsfrist für sein Listing am STAR Market der Börse Shanghai eröffnet. Die Tranche für Privatanleger war nach Firmenangaben mehr als 8.000-fach überzeichnet. Die Chance auf eine Zuteilung lag bei 0,02 Prozent, schrieb das chinesische Tech-Portal 36Kr.
Unitree wird damit der erste Hersteller humanoider Roboter an einer chinesischen Festlandbörse. Das Unternehmen bietet 40,45 Millionen Aktien zu je 150,80 Yuan (rund 19 Euro) an und will so etwa 6,1 Milliarden Yuan (rund 760 Millionen Euro) einnehmen. Im ersten Antrag standen noch 4,2 Milliarden Yuan.
Zum Ausgabepreis ist Unitree rund 61 Milliarden Yuan wert (rund 7,6 Milliarden Euro). Anleger zahlen damit das 219-Fache des Gewinns von 2025 und das 36-Fache des Umsatzes, hat die Nachrichtenagentur Reuters ausgerechnet. In Unitrees offizieller Vergleichsgruppe, dem allgemeinen Maschinenbau, liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 38,56.
Eine angemessene Bewertung?
„Kein Hardware-Unternehmen hat je mit einem Jahresumsatz von nur etwas mehr als einer Milliarde Yuan eine derart aufgeregte öffentliche Aufmerksamkeit und Bewertung erhalten“, schreibt 36Kr. Frühe Geldgeber halten den Preis dennoch für zu niedrig. „Es ist sehr vernünftig, dass die Marktkapitalisierung nach dem Listing 200 Milliarden Yuan übersteigt, und ich denke, kurzfristig kann sie sogar 400 Milliarden Yuan überschreiten. Verglichen mit der Bewertung ähnlicher Unternehmen in Übersee ist das nicht übertrieben“, sagte Yu Wenchao, ein früher Investor von Unitree und Partner bei Dunhong Asset, gegenüber dem Tech-Portal. 400 Milliarden Yuan wären rund 50 Milliarden Euro.
Andere Beobachter sind skeptischer. Sie verweisen darauf, dass bei diesen Bewertungen weniger heutige Gewinne eingepreist werden als vielmehr die Hoffnung auf künftige Profitabilität. Einige Investoren halten die Bewertung also für vertretbar, während andere vor einer Überbewertung warnen. Der Ansturm auf die Aktie zeigt vor allem, wie sehr Investoren inzwischen an die physische KI glauben. Die Verbindung von KI-Modellen mit Maschinen, die sich durch die reale Welt bewegen, ist jetzt endgültig ein eigener Boom geworden.
Chinas Chancen lägen eher bei Strom, Infrastruktur und physischer KI, während amerikanische und nordasiatische Technologiekonzerne bei Halbleitern und KI-Modellen dominierten, schrieben die Analysten von Goldman Sachs. Seit die Robotik im 15. Fünfjahresplan der Volksrepublik steht, strömt auch viel Staatskapital in das Feld. Allein im ersten Halbjahr 2026 sammelten Firmen der verkörperten Intelligenz mehr als 34,5 Milliarden Yuan (rund 4,3 Milliarden Euro) ein, schreibt UBS. Als strategische Investoren zeichnen der Nationale Sozialversicherungsfonds, der KI-Entwickler Deepseek sowie Investmentarme oder Töchter von China National Petroleum, China Southern Power Grid, China Telecom, Tencent und CITIC Securities. Ein Who's who der chinesischen Wirtschaft.
Rosige Aussichten?
Lieferungen von Humanoiden im 1. Halbjahr 2025 verglichen mit dem 1. Halbjahr 2026.
(Bild: Asia Waypoint)
Unitrees Umsatz hat sich im Jahr 2025 auf 1,7 Milliarden Yuan (rund 210 Millionen Euro) mehr als vervierfacht. Das Unternehmen ist profitabel, mit einem bereinigten Nettogewinn von rund 600 Millionen Yuan (rund 75 Millionen Euro), eine Seltenheit unter Humanoiden-Start-ups. Das Unternehmen stammt zwar aus dem Geschäft mit Roboterhunden, inzwischen kommen die wichtigsten Umsätze jedoch von humanoiden Robotern. Von 2023 bis 2025 verkaufte Unitree 33.294 Vierbeiner und 5.632 Humanoide, steht im Prospekt. Der warnt auch, dass eine breite kommerzielle Nutzung noch ungewiss sei.
Den Titel als weltweit größter Anbieter nach Auslieferungen im Jahr 2025 von Humanoiden hat Unitree gerade ohnehin verloren. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte der Konkurrent Agibot aus Shanghai rund 8.400 humanoide Roboter aus, 562 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, und kam damit auf 44 Prozent des Weltmarktes. Unitree fiel mit rund 5.900 Stück und 31 Prozent auf Platz zwei, schreibt das Marktforschungsinstitut Smart Analytics Global. AgiBot half eine breitere Palette vom Zweibeiner bis zum Roboter auf Rädern. Unitree setzt vor allem auf sein Modell G1.
Stand: 08.12.2025
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Weltweit wurden in den sechs Monaten rund 19.100 Humanoide ausgeliefert, 272 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mehr als 97 Prozent davon stammten aus China. Industrie- und Gewerbekunden nahmen mehr als 70 Prozent ab, nach etwa 50 Prozent im Vorjahr, so die Marktforscher. Humanoide würden „zunehmend als Produktionsmittel statt als Ausstellungsstücke bewertet“, heißt es in einem Bericht der UBS. Auch Agibot bereitet seit Juli 2026 einen Börsengang in Hongkong vor, berichtete die South China Morning Post. Firmengründer Deng Taihua will den Umsatz von gut einer Milliarde Yuan im vergangenen Jahr bis 2027 verzehnfachen. Vorerst wartet aber die ganze Branche auf Unitrees ersten Handelstag. Sollte Unitree nach dem Börsendebüt tatsächlich eine Marktkapitalisierung von mehreren hundert Milliarden Yuan erreichen, wäre das ein starkes Signal für den aktuellen Boom rund um verkörperte Intelligenz. Ein Kurs unter dem Ausgabepreis würde dagegen Zweifel an den hohen Erwartungen nähren. (sb)