Reality-Check für Elon Musk: Der CEO von SpaceX hatte angekündigt, mit seinem Terafab-Projekt innerhalb weniger Jahre eine komplette Chip-Produktionskette im Eigenbetrieb aus dem Boden zu stampfen zu wollen. Nun aber hat Musk selbst bestätigt, Verhandlungen mit TSMC aufgenommen zu haben. Im Zentrum stehen Fertigungsprozesse, Betriebs-Know-how und die Frage, wer letztendlich die potentielle neue Fab kontrollieren würde.
Render der geplanten Terafab-Anlage in Texas (vermutlich mit KI gefertigt). Elon Musk scheint mit den Plänen, eine eigene Halbleiterfertigung zu betreiben, nicht voranzukommen. Der SpaceX-CEO hat bestätigt, sich derzeit in Geprächen mit TSMC über eine Beteiligung am Terafab-Projekt zu befinden.
Terafab soll deutlich weiter gehen als eine herkömmliche Chipfabrik. Das Vorhaben zielt darauf, wesentliche Schritte der Halbleiterproduktion an einem Standort zu bündeln. Dazu zählen die Fertigung von Logikchips und möglicherweise Speicher, die Herstellung von Masken sowie Packaging und Test. Vorgesehen sind Chips unter anderem für Tesla-Fahrzeuge, Optimus-Roboter, SpaceX und die Rechenzentren von xAI. Für die erste Ausbaustufe wurden Investitionen von rund 16,8 Milliarden Dollar genannt, langfristig könnten die Ausgaben über mehrere Projektphasen erheblich höher liegen.
Eine moderne Fab besteht nicht nur aus Maschinen
Gerade die geplante vertikale Integration macht Terafab technisch anspruchsvoll. Einen modernen Fertigungsprozess aufzubauen bedeutet nicht lediglich, Reinräume zu errichten und Lithografie-, Ätz- oder Beschichtungsanlagen zu installieren. Tausende einzelne Prozessschritte müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass Transistoren mit reproduzierbaren Eigenschaften entstehen und die Ausbeute wirtschaftlich tragfähig ist. Prozessrezepte, Materialkontrolle, Messtechnik, Fehleranalyse und die laufende Optimierung der Yield gehören zu jenem Wissen, das führende Hersteller über Jahrzehnte aufgebaut haben.
Hinzu kommt die Lieferkette für die Fertigungstechnik. Für moderne Prozesse werden unter anderem Lithografiesysteme von ASML sowie Anlagen von Lam Research, KLA, Tokyo Electron und weiteren Spezialisten benötigt. Gerade für besonders gefragte Maschinen können lange Vorlaufzeiten gelten. Selbst wenn ausreichend Kapital vorhanden ist, müssen Anlagen beschafft, installiert, qualifiziert und anschließend als zusammenhängende Fertigungslinie eingefahren werden. Auch Chemikalien, Wafer, Gase, Ersatzteile und Messtechnik müssen in die Produktion integriert werden.
Genau an dieser Stelle liegt eine der größten Hürden für Musks Unternehmen. Tesla, SpaceX und xAI verfügen zwar über umfangreiche Erfahrung bei der Entwicklung eigener Elektronik und spezialisierter Chips, haben bislang aber keine vergleichbare Erfahrung beim Betrieb modernster Halbleiterfabriken oder mit Fertigungsprozessen. Das für eine konkurrenzfähige Fertigung erforderliche Wissen lässt sich deshalb kaum kurzfristig intern aufbauen. Intel könnte mit seiner 14A-Technologie einen Teil dieser Lücke schließen, während Samsung bereits einen separaten Auftrag zur Fertigung von Teslas AI6-Chips erhalten hat. Eine Beteiligung von TSMC würde zusätzlich das Know-how des weltweit größten Auftragsfertigers in das Projekt bringen.
TSMC könnte Betreiber statt Technologielieferant werden
Als eine mögliche Variante gilt ein Modell, bei dem TSMC eine neue Fabrik selbst besitzt und betreibt. SpaceX oder Terafab könnten sich finanziell beteiligen, feste Abnahmemengen zusagen oder beide Instrumente miteinander verbinden. Eine solche Struktur würde bestehenden TSMC-Gemeinschaftsunternehmen in Japan und Europa zumindest teilweise ähneln: Partner tragen Kapital bei und sichern Nachfrage, während TSMC für Fertigungsprozesse und Betrieb verantwortlich bleibt. Für Musk wäre damit eigene, langfristig reservierte Kapazität denkbar, ohne dass seine Unternehmen zunächst selbst einen vollständigen Fertigungsbetrieb beherrschen müssten.
Stand: 08.12.2025
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Eine weitergehende Variante wäre eine mehrheitlich von SpaceX oder Terafab kontrollierte Fabrik, in die TSMC Prozesswissen und Betriebserfahrung einbringt. Für TSMC wäre dieses Modell deutlich ungewöhnlicher. Das Geschäftsmodell des Unternehmens beruht darauf, eigene Fertigungstechnologien in selbst kontrollierten Fabs für eine Vielzahl von Kunden einzusetzen. Eine Konstruktion, bei der ein einzelner Kunde die Anlage kontrolliert und zugleich Zugang zu zentralem Fertigungs-Know-how erhält, könnte deshalb Fragen zum Schutz der Prozesstechnologie und zur Neutralität gegenüber anderen Großkunden aufwerfen. Als weniger konfliktträchtig gilt daher die Möglichkeit, eine eigene TSMC-Erweiterung in Texas aufzubauen und Musks Unternehmen dort als Groß- oder Ankerkunden einzubinden.
Offen ist zudem, welche Fertigungstechnologie in einer solchen Anlage eingesetzt würde. Intel war ursprünglich mit seinem 14A-Prozess für Terafab im Gespräch. Sollte TSMC eine Fabrik selbst betreiben, dürfte das Unternehmen dagegen eigene Prozesse einsetzen, womit die Rolle von Intel neu definiert werden müsste. Im Zuge des Bekanntwerden der Gespräche zwischen Musk und TSMC gab der Intels Kurs an der Börse auch unmittelbar um 4% nach. Auch Packaging könnte einen eigenständigen Ansatzpunkt für eine Zusammenarbeit bieten.
Noch befinden sich die Gespräche in einem frühen Stadium und bleibt - wie eigentlich alles zum angekündigten Terafab-Projekt - weiterhin schwammig und vage. Doch offenbar wird nun auch Musk selbst langsam bewusst, dass die Dimension des Terafab-Projekts allein mit hohen Investitionen nicht zu bewältigen sein wird: Entscheidend sind erprobte Prozesse, hohe Ausbeuten, erfahrene Betriebsteams und eine Lieferkette, die eine komplexe Chipfertigung über Jahre stabil betreiben kann.
Die Entwicklung ruft eine Aussage C. C. Weis im Rahmen der Generalversammlung des Unternehmens Anfang Juni 2026 in Erinnerung. Auf die Frage eines Aktionärs zu Elon Musk's Plänen, eine Fabrik zur Produktion von einer Million Wafern pro Monat zu errichten, antwortete der TSMC-CEO: „Zu Elon Musks ‚Terafab‘ würde ich nur ‚Viel Glück‘ sagen. Es wird ziemlich lange dauern, bis das [Realität wird]“. Er fügte hinzu: „In den letzten 30 bis 40 Jahren waren wir stets mit allerlei Wettbewerb konfrontiert, und wir haben keine Angst vor Wettbewerb. In der Vergangenheit haben wir meiner Meinung nach gewonnen, und ich glaube, dass wir auch weiterhin gewinnen werden.“ .(sg)