In Zeiten begrenzter Verfügbarkeit hochwertiger Bauteile und eines erhöhten Nachhaltigkeitsbewusstseins rückt die Wiederverwendung von Komponenten verstärkt ins wirtschaftliche Bewusstsein. Doch nicht jedes Bauteil eignet sich fürs Remanufacturing.
Eine Schlagschutzbeschichtung auf Radsatzwellen wird mit einer vollautomatisierten BvL-Hochdruckentlackungsanlage vom Typ Geyser entfernt.
(Bild: BvL Oberflächentechnik)
Beim Remanufacturing werden gebrauchte Komponenten aufbereitet und erneut eingesetzt. Gegenüber der Neuproduktion können sich dadurch Material- und Energieeinsparungen ergeben. Voraussetzung ist jedoch, dass der Zustand eines Bauteils zuverlässig bewertet werden kann. Risse, Korrosion, Maßabweichungen oder Beschädigungen lassen sich je nach Prüfverfahren nur zuverlässig bewerten, wenn die relevanten Bereiche ausreichend sauber und zugänglich sind.
Auch nachfolgende Schritte wie Beschichten, Bearbeiten, Montieren oder zerstörungsfreie Prüfungen erfordern definierte Sauberkeitszustände. Nach Ansicht von BvL wird die Reinigung damit zu einem Prozessschritt, der maßgeblich über die Qualität und Wirtschaftlichkeit der weiteren Aufarbeitung entscheidet.
Elektronik braucht definierte Oberflächen
In der Elektronik- und Leistungselektronikfertigung müssen Reinigungsprozesse auf empfindliche Materialien, komplexe Geometrien und hohe Anforderungen an die technische Sauberkeit abgestimmt sein. Bei Batteriegehäusen und Komponenten der Antriebstechnik geht es beispielsweise darum, Rückstände vor nachfolgenden Füge- oder Beschichtungsprozessen zu entfernen. In der Halbleiterzulieferung können dagegen bereits kleinste Partikel oder organische Verunreinigungen die geforderte Reinheit beeinträchtigen.
Für das Remanufacturing bedeutet das: Die Reinigung muss nicht nur gründlich, sondern auch materialschonend und reproduzierbar sein. Nur dann lassen sich gebrauchte Komponenten sicher prüfen und wieder in einen industriellen Prozess zurückführen.
Roboter reinigen Motorenkomponenten
Ein Anwendungsbeispiel des Unternehmens stammt aus dem Motorenremanufacturing. Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe, Turbolader und weitere Komponenten müssen dort von Öl, Fett, Ruß, Verkokungen, Lackschichten und Korrosion befreit werden. Ein europäischer Aufarbeiter setzt dafür auf eine kundenspezifische Reinigungsanlage von BvL, die Graugussteile bis in den mehrtonnigen Bereich automatisiert hochdruckreinigt und entlackt.
Die Bauteile werden auf Werkstückträgern fixiert. Ein Roboter führt das Wasserwerkzeug gezielt an Außenflächen, Bohrungen und Innenbereiche. Eine zusätzliche Rotation des Werkstücks soll Spritzschatten reduzieren. Vor- und Nachreinigungen ergänzen den Hochdruckprozess. Auf diese Weise entstehen laut BvL gleichbleibende Bedingungen für Sicht- und Rissprüfungen, Maßkontrollen sowie die Bewertung von Dicht- und Funktionsflächen. Bei hohem Schmutzeintrag kommen außerdem ausreichend dimensionierte Tanks, Ölabscheider sowie Grob- und Feinfiltration zum Einsatz. Eine abgestimmte Medienpflege soll die Standzeit der Reinigungsbäder verlängern und ungeplante Badwechsel vermeiden.
Oberflächenschonende Entlackung im Bahnsektor
Auch in der Bahninstandhaltung müssen Bauteile vor Prüfungen und Aufarbeitungen von Bremsabrieb, Sand, Fett, Schmierstoffen und Korrosion befreit werden. Gleichzeitig dürfen empfindliche Lagerstellen, Dichtsysteme und elektrische Bereiche nicht beeinträchtigt werden. In einem Projekt wird eine Schutzbeschichtung von Radsatzwellen mit einer vollautomatisierten Hochdruckentlackungsanlage vom Typ Geyser entfernt. Die robotergeführte Hochdruckwassertechnik arbeitet dabei laut BvL nicht abrasiv. Strahlführung, Werkstückrotation und Vorschub werden aufeinander abgestimmt, sodass die Beschichtung vollständig entfernt wird, ohne die Oberfläche unnötig zu verändern (siehe Bild).
Die metallisch blanke Radsatzwelle kann anschließend einer Ultraschall- und Magnetpulverprüfung zugeführt werden. Ein speziell ausgelegtes Energie- und Medienkonzept soll dabei den Wasserverbrauch und die Betriebskosten reduzieren.
Auch Kleinteile lassen sich aufbereiten
Remanufacturing beschränkt sich nicht auf große Metallkomponenten. In einem Projekt aus der Spielwarenindustrie werden Kunststoffteile als Schüttgut in Körben gereinigt. Kombinierte Flut- und Spritzprozesse entfernen Hautfette, Staub und Fremdstoffe, während rotierende oder schwenkende Körbe die mechanische Belastung begrenzen.
Eine besondere Herausforderung ist die anschließende Trocknung. Kunststoff speichert nur wenig Wärme, und Restfeuchte kann in Hohlräumen oder zwischen den Kleinteilen verbleiben. Eine individuell ausgelegte Trocknung soll deshalb sicherstellen, dass die gereinigten Teile direkt wiederverwendet werden können.
Stand: 08.12.2025
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Die Beispiele zeigen, dass automatisierte Reinigung und Entlackung ein wichtiger Baustein für die industrielle Skalierung von Remanufacturing sein können. Ob sich der Prozess wirtschaftlich und technisch umsetzen lässt, hängt jedoch von Bauteil, Verschmutzung, Material, Prüfanforderungen und Produktionsablauf ab. BvL entwickelt dafür nach eigenen Angaben kundenspezifische Anlagenkonzepte auf Basis wässriger Reinigungsverfahren, Hochdruckwassertechnik, Ultraschall, Medienaufbereitung und Trocknung. (sb)