Bedienkonzept für digitale Oberflächen Magnetisch gekoppelter Drehregler gewinnt nationalen James Dyson Award

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Das Projekt Any kombiniert eine versiegelte digitale Bedienoberfläche mit einem abnehmbaren, magnetisch gekoppelten Drehregler. Entwickelt wurde das Konzept an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Ähnliche Ansätze gibt es bereits, doch Any setzt auf eine andere technische Umsetzung.

Leonard Neuberger und Linus Rüllmann von der Weißensee Kunsthochschule Berlin haben mit ihrem Any-Projekt den nationalen James Dyson Award 2026 erhalten.(Bild:  Dyson)
Leonard Neuberger und Linus Rüllmann von der Weißensee Kunsthochschule Berlin haben mit ihrem Any-Projekt den nationalen James Dyson Award 2026 erhalten.
(Bild: Dyson)

Das Projekt Any von Leonard Neuberger und Linus Rüllmann von der Weißensee Kunsthochschule Berlin ist deutscher Gewinner des James Dyson Award 2026. Das Bedienkonzept soll digitale Oberflächen um eine physische und haptische Eingabemöglichkeit ergänzen und richtet sich unter anderem an Anwendungen, bei denen reine Touchscreens die Bedienung erschweren können. Denn wie mittlerweile auch in der Automobilindustrie wieder festgestellt wird: Mehr Touchoberflächen helfen nicht zwangsläufig bei der Konzentration aufs Wesentliche – etwa in einem Fahrzeug aufs Fahren.

Kern des Any-Systems ist ein abnehmbarer Drehregler, der magnetisch durch die Geräteoberfläche gekoppelt wird. Unter der versiegelten Oberfläche befindet sich eine LED-Matrix, über die sich Symbole, Menüs und Animationen darstellen lassen. Die geschlossene Oberfläche soll zugleich vor Schmutz und Feuchtigkeit geschützt werden.

Drehen, drücken und abnehmen

Sensoren erfassen, ob der Regler aufgesetzt, gedreht oder gedrückt wird. Damit lassen sich mehrere Eingabearten mit einem einzelnen Bedienelement umsetzen. Die Drehbewegung wird zusätzlich mit haptischem Feedback versehen, das die Entwickler mit dem Rastgefühl klassischer Drehregler vergleichen.

Die Kombination aus digitaler Anzeige und physischem Drehgeber ist grundsätzlich nicht neu. So bietet beispielsweise Data Modul mit seinem Wheel on Display bereits ein HMI-Konzept an, bei dem ein mechanischer Encoder direkt mit einem PCAP-Touchdisplay kombiniert wird. Ein Durchbruch im Coverglas ist dabei ebenfalls nicht erforderlich.

Any unterscheidet sich jedoch in der technischen Umsetzung: Der Regler ist nicht fest in die Oberfläche integriert, sondern magnetisch gekoppelt und abnehmbar. Zudem erkennt das System neben Drehbewegungen auch, ob der Regler aufgesetzt oder gedrückt wird. Damit liegt der Schwerpunkt weniger auf der grundsätzlichen Rückkehr eines Drehknopfs auf digitale Bedienoberflächen als auf einer flexibel einsetzbaren, geschlossenen Bedienlösung.

Ausgangspunkt für die Entwicklung war nach Angaben des Teams die Analyse bestehender Bedienkonzepte bei Haushaltsgeräten. Hardware und Software wurden anschließend parallel weiterentwickelt. Unter anderem testeten die Entwickler die magnetische Kopplung und passten Reibung sowie haptisches Feedback in mehreren Iterationen an.

Erste Integration in ein Haushaltsgerät geplant

Any befindet sich derzeit noch in der Entwicklungsphase. In einem nächsten Schritt wollen Neuberger und Rüllmann die Benutzeroberfläche mit verschiedenen Nutzergruppen testen und das System erstmals in ein reales Gerät integrieren. Als konkretes Beispiel nennen sie eine Waschmaschine. Perspektivisch sehen sie auch Anwendungen in Medizintechnik und industriellen Maschinen.

Für die kommenden sechs bis zwölf Monate plant das Team unter anderem eine robustere Systemversion, weitere Nutzertests und eine Pilotstudie. Ebenso sollen erste Schritte in Richtung regulatorischer Anforderungen und einer möglichen Kommerzialisierung vorbereitet werden. Prototypen existieren bereits; getestet wurden nach Angaben der Entwickler unter anderem Zuverlässigkeit der magnetischen Kopplung, Reibung und haptisches Feedback.

Mit dem nationalen Gewinn erhält das Projekt 5.000 britische Pfund beziehungsweise rund 5.770 Euro für die weitere Entwicklung. Any zieht außerdem in die internationale Runde des James Dyson Award ein. Die internationale Top-20-Auswahl soll am 14. Oktober bekannt gegeben werden, die globalen Gewinner am 4. November 2026.

Weitere deutsche Projekte in der internationalen Runde

Neben Any wurden zwei weitere deutsche Projekte als nationale Runner-up ausgezeichnet. Beatriz Jerez Arnau von der OTH Regensburg entwickelte einen personalisierten Brustschutz für Frauen im Kontaktsport, der mithilfe von parametrischem Design und 3D-Druck individuell an Körperform, Brustgröße und Asymmetrien angepasst wird. Nura von Samuel Nagel und Paul Feiler von der HfG Schwäbisch Gmünd ist dagegen ein tragbares Übersetzungssystem für Gebärdensprache: EMG-Sensoren erfassen die elektrischen Signale der Unterarmmuskulatur beim Gebärden und wandeln sie in gesprochene Sätze um; Antworten werden per Mikrofon aufgenommen und als Text angezeigt. Zusammen mit Any qualifizieren sich beide Projekte für die internationale Runde des James Dyson Award. (sb)

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