Digitalisierung Wachsende Abhängigkeit vom Ausland bei Digitalimporten

Ein Gastkommentar von Ralf Wintergerst* 2 min Lesedauer

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Ob Chips, KI-Anwendungen, Cloud-Dienste oder Software: Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen (96 Prozent) importiert digitale Technologien und Services aus dem Ausland. Doch was wäre, wenn diese plötzlich nicht mehr verfügbar wären?

Ralf Wintergerst, Bitkom: „Digitale Souveränität ist kein einzelnes Förderprogramm, sondern eine strategische Aufgabe für Deutschland und Europa.“(Bild:  Bitkom)
Ralf Wintergerst, Bitkom: „Digitale Souveränität ist kein einzelnes Förderprogramm, sondern eine strategische Aufgabe für Deutschland und Europa.“
(Bild: Bitkom)

Deutschlands Unternehmen könnten einen Ausfall digitaler Technologien und Services im Durchschnitt 16 Monate verkraften. Das zeigt unsere repräsentative Bitkom-Befragung unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit groß: So stuften 94 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland digitale Technologien und Leistungen aus dem Ausland als stark (44 Prozent) oder eher abhängig (50 Prozent) ein. Zwei Drittel (66 Prozent) erwarten, dass diese Abhängigkeit in den kommenden fünf Jahren sogar weiter zunimmt.

Zu beachten ist, dass internationale Arbeitsteilung eine Stärke unserer Wirtschaft ist, doch wir müssen im Krisenfall handlungsfähig bleiben. Digitale Souveränität bedeutet Resilienz und ist deshalb eine Aufgabe für den gesamten Staat ebenso wie für jedes einzelne Unternehmen. Die Politik muss jetzt die richtigen Prioritäten setzen und dafür sorgen, dass Deutschland und Europa bei digitalen Schlüsseltechnologien unabhängiger werden. Dabei geht es nicht um Abschottung oder gar Autarkie. Es geht darum, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren und auf Druck adäquat antworten zu können.

Tech-Importe sind unverzichtbar

Die digitale Infrastruktur der deutschen Wirtschaft zeigt, dass praktisch kein Unternehmen ohne Tech-Importe auskommt: 96 Prozent beziehen Geräte oder Services aus dem Ausland. Am häufigsten sind digitale Endgeräte wie Smartphones und Notebooks (94 Prozent), digitale Bauteile und Hardware-Komponenten wie Chips, Halbleiter oder Sensoren (79 Prozent) sowie Cloud-Dienste (73 Prozent). Auch Software (68 Prozent), Cybersicherheits-Anwendungen (62 Prozent) und künstliche Intelligenz (56 Prozent) werden von einer Mehrheit aus dem Ausland bezogen. 45 Prozent nutzen Services wie IT-Beratung oder Programmierleistungen von Dienstleistern, außerhalb Deutschlands. Sollten digitale Importe aus wichtigen Herkunftsländern ausfallen, trifft das nicht nur die IT-Abteilung, es trifft das Kerngeschäft. Produktion, Vertrieb und Lieferketten hängen unmittelbar von digitalen Technologien und Leistungen ab. Die Unternehmen müssen Abhängigkeiten deshalb systematisch reduzieren und diversifizieren. Und die Politik muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Deutschlands Unternehmen bei kritischen Technologien eigene Fähigkeiten entwickeln können.

Prioritäten für mehr digitale Souveränität

In Deutschland und Europa sind fünf Prioritäten zu setzen: Erstens Wettbewerbsfähigkeit und Zugang zu Kapital stärken – durch weniger Bürokratie, innovationsfreundliche Regulierung und bessere Bedingungen für Venture Capital, Start-ups und Scale-ups. Zweitens gezielt in digitale Schlüsseltechnologien und Infrastruktur investieren, insbesondere in Halbleiter, KI, Cloud-Technologien und Rechenzentren. Drittens Resilienz und Cybersicherheit durch sichere und interoperable Systeme und offene Standards stärken. Viertens Lieferketten und Technologiepartnerschaften stärker diversifizieren und europäische Wirtschaftsschutzinstrumente gezielt einsetzen. Und fünftens digitale Kompetenzen in allen Altersgruppen stärken und digitale Bildung langfristig ausbauen. (mk)

*Dr. Ralf Wintergerst ist Bitkom-Präsident

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