Europäische Prüfinfrastruktur Chemnitz positioniert sich als Testknoten für Quantenhardware

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Während Europa bei Assembly, Test und Packaging von Halbleitern laut Branchenangaben nur einen kleinen Anteil der Weltkapazität stellt, wächst in Chemnitz mit dem ETRC eine Gegenposition heran. Das neue Kryo-Labor CRYME ergänzt die Infrastruktur speziell für Quantencomputing-Komponenten.

Aufbau zur Messung der Wärmeleitfähigkeit bei kryogenen Temperaturen. Das Kryo-Labor ergänzt die Infrastruktur für Quantencomputing-Komponenten. (Bild:  TU Chemnitz)
Aufbau zur Messung der Wärmeleitfähigkeit bei kryogenen Temperaturen. Das Kryo-Labor ergänzt die Infrastruktur für Quantencomputing-Komponenten.
(Bild: TU Chemnitz)

Das Fraunhofer ENAS und die TU Chemnitz haben am 2. September 2026 das „Cryo-Lab for Materials and Electronics Packaging Chemnitz“ (CRYME) eröffnet. Wie das neue Labor arbeitet und warum Materialien und Bauteile bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt besonders anspruchsvoll zu testen sind, hat meine Kollegin im Detail beschrieben.

Baustein im europäischen Testkapazitäten-Ausbau

CRYME ist Teil des European Test and Reliability Center (ETRC) in Chemnitz und damit an ein größeres europapolitisches Vorhaben angebunden: Im Rahmen des EU Chips Act wurde die Pilotlinie APECS (Advanced Packaging and Heterogeneous Integration for Electronic Components and Systems) initiiert. Ziel ist eine europaweit zugängliche Infrastruktur für Design, Fertigung, Integration und Test von Chiplets und heterogenen Systemen. Der besondere Fokus liegt auf kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups.

Hintergrund ist eine aus Sicht der Veranstalter erhebliche Kapazitätslücke in Europa. Bei der Eröffnungsveranstaltung wurde die Zahl genannt, dass nur rund drei Prozent der weltweiten Kapazitäten für Assembly, Test und Packaging in Europa liegen.

Industriebeteiligung und Testfokus bei Silicon Saxony

Der zweite Tag des Chemnitzer Seminars „Test und Zuverlässigkeit zwischen Eis und Feuer“ wurde gemeinsam mit dem Arbeitskreis „Test, Analysis & Reliability“ von Silicon Saxony gestaltet. Prof. Daniel Kriesten, der laut Veranstalterangaben das ETRC leitet, verstärkt künftig das Leitungsteam dieses Arbeitskreises. Das ist ein Signal, dass Test und Zuverlässigkeit innerhalb des Netzwerks stärkeres Gewicht bekommen sollen.

Unter den Industrievertretern vor Ort waren nach Angaben der Veranstalter auch Infineon Technologies, das in Österreich an Quantentechnologien arbeitet, sowie das Hamburger Start-up eleQtron, das Quantencomputer entwickelt und betreibt. Die technische Ausstattung von CRYME, zu der unter anderem ein Teststand für Temperaturen von −269 bis 25 °C gehört, entstand in Kooperation mit der Berliner Nanotest und Design.

Mehr als ein Einzellabor

Prof. Dr. Bernhard Wunderle, Inhaber der Professur für Werkstoffe und Zuverlässigkeit mikrotechnischer Systeme an der TU Chemnitz, ordnet CRYME strategisch ein: Die beteiligten Forscher sähen das Labor „als einen wesentlichen Baustein für Innovationen, neue Großforschungsprojekte, exzellente Lehre und die Gewinnung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern“. Die Zusammenarbeit sei zugleich ein Beispiel für den „Smart Systems Campus“ Chemnitz, ein Netzwerk aus Wissenschaft, angewandter Forschung und Industrie in der Mikro- und Nanotechnologie.

Prof. Dr. Daniel Kriesten betont den unmittelbaren technischen Nutzen: „Heutige Quantencomputer benötigen für ihre hochkomplexen Rechenoperationen kryogene Betriebsbedingungen. Diese stellen höchste Ansprüche an die integrierten mikroelektronischen Komponenten und Materialien.“ Als Teil des ETRC schaffe CRYME dafür „ideale Voraussetzungen“ in Chemnitz. (heh)

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