Messtechnik-Software „Perspektivisch wird eine KI Dasylab-Schaltbilder automatisch erzeugen“

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Nach der vollständigen Übernahme der Messtechnik-Software Dasylab durch den Spezialisten Meas-X stellen sich für viele Anwender Fragen zur künftigen Ausrichtung. Im Interview erklärt Dr. Joachim Hilsmann, Geschäftsführer von Meas-X, wie das Unternehmen die Software zukunftssicher aufstellt, die Brücke zu Python schlägt und welche Rolle künstliche Intelligenz im Prüffeld spielen wird.

Zum 1. Juni 2026 hat der Mess- und Prüftechnikspezialist Meas-X den exklusiven Vertrieb und die strategische Weiterentwicklung der Software Dasylab übernommen.(Bild:  Meas-X)
Zum 1. Juni 2026 hat der Mess- und Prüftechnikspezialist Meas-X den exklusiven Vertrieb und die strategische Weiterentwicklung der Software Dasylab übernommen.
(Bild: Meas-X)

Elektronikpraxis: Herr Dr. Hilsmann, zum 1. Juni 2026 ist die Software Dasylab offiziell in die Gesamtverantwortung von Meas-X übergegangen. Was ändert sich für das Produkt und dessen Nutzer durch den Wechsel von einem Großkonzern wie Emerson hin zu einem spezialisierten Mittelständler?

Dr. Joachim Hilsmann: Die Software Dasylab war schon immer stark kundengetrieben. In einem Großkonzern lässt sich dieser Anspruch oft schwerer umsetzen als in einem spezialisierten Unternehmen wie dem unseren. Wir sind näher am Kunden, Abstimmungsprozesse sind schlanker und wir können schneller auf neue Anforderungen reagieren und das sowohl technisch als auch kaufmännisch. So werden sich Angebots- und Lizenzmodelle künftig stärker an aktuellen Erfordernissen orientieren und es wird einfacher, individuelle Kundenpakete zu schnüren. Kurz gesagt: Dasylab rückt wieder spürbar näher an den Kunden.

In den letzten Jahren wirkte die Entwicklung von Dasylab im Ökosystem des Vorbesitzers eher konservativ. Welche Hauptprioritäten stehen auf Ihrer Roadmap für die nächsten Monate?

„Dasylab schließt die Lücke zwischen starren Datenloggern und komplexen Programmierwelten und das ohne klassischen Code“, sagt Dr. Joachim Hilsmann, Geschäftsführer von Meas-X.(Bild:  Meas-X)
„Dasylab schließt die Lücke zwischen starren Datenloggern und komplexen Programmierwelten und das ohne klassischen Code“, sagt Dr. Joachim Hilsmann, Geschäftsführer von Meas-X.
(Bild: Meas-X)

Hilsmann: Unser aktueller Fokus liegt darauf, Dasylab zukunftssicher aufzustellen. Dazu gehört insbesondere die Umsetzung der Auflagen des Cyber Resilience Act (CRA). Mit der Version Dasylab 2026 haben wir dafür bereits wesentliche Grundlagen geschaffen. Parallel haben wir künftige Anforderungen von Betriebssystemen fest im Blick, um die Nutzung langfristig zu sichern. Ein großer Punkt in der Roadmap ist zudem die Hardwareanbindung: Die Offenheit gegenüber unterschiedlichsten Messsystemen ist eine zentrale Stärke der Software, und diese wollen wir durch neue Partnerschaften und zusätzliche Treiber massiv ausbauen.

Der Markt wandelt sich: Der Trend geht einerseits zu komplexen Programmierumgebungen wie Labview oder Python, andererseits zu einfachen, aber oft starren Datenloggern. Wo ordnen Sie Dasylab heute ein?

Hilsmann: Die Software füllt bewusst die Lücke zwischen diesen beiden Polen. Als grafisch-interaktives, datenflussorientiertes Werkzeug ermöglicht Dasylab unterschiedlichste Mess- und Prüfanwendungen ohne klassische Programmierung. Dieser Low- oder No-Code-Ansatz ist für viele Anwender genau richtig. Gleichzeitig bietet das Tool deutlich mehr Flexibilität als einfache Datenlogger, die oft auf feste Anwendungsfälle beschränkt sind. Nutzer können sich aus Standardmodulen sehr unkompliziert exakt die Lösung zusammenstellen, die sie benötigen.

Gerade junge Ingenieure setzen heute verstärkt auf Python. Wie schlägt Meas-X die Brücke zwischen der No-Code-Philosophie von Dasylab und der Flexibilität von Skriptsprachen?

Hilsmann: Diese Brücke existiert bereits seit vielen Jahren. Python wurde früh integriert und wird aktuell in der Version 3.12 unterstützt. Damit lassen sich komplexe oder spezialisierte Aufgaben skriptbasiert lösen. Ergänzend bietet Dasylab mit dem Extension Toolkit eine eigene Umgebung, um individuelle Module zu entwickeln. Für Anwender, die programmieren möchten, stehen damit etablierte Entwicklungswerkzeuge bereit, und sie können ohne Systembrüche arbeiten. Für alle anderen Nutzergruppen bleibt der No-Code-Ansatz optimal.

Meas-X verfügt über tiefes Know-how in der Fahrzeugsicherheit, etwa bei Euro-NCAP-Tests. Dürfen wir spezialisierte Toolkits für Branchen wie Automotive oder Batterietests erwarten?

Hilsmann: Im Fahrzeugumfeld existieren solche Lösungen bereits, etwa für NVH-Analysen oder zur Bewertung des Kopfverletzungsrisikos (Head Injury Criteria, HIC). Diese Module haben Partner für konkrete Kundenanforderungen entwickelt. Tatsächlich verstehen wir Dasylab als offene Plattform, die durch kundenspezifische Entwicklungen wächst. Kunden und Partner aller Branchen sind ausdrücklich eingeladen, sich an diesem Prozess zu beteiligen und das Ökosystem zu erweitern.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Was wird Dasylab können, das heute noch völlig undenkbar ist?

Hilsmann: Die künstliche Intelligenz wird die Entwicklung zweifellos deutlich beschleunigen. Dadurch werden interessante Funktionen, deren Umsetzung bislang zu aufwendig war, zunehmend realisierbar. Darüber hinaus arbeiten wir an Konzepten, um KI selbst in die Software zu integrieren. Perspektivisch könnte eine KI in der Lage sein, Dasylab-Schaltbilder zu verstehen, zu bearbeiten und automatisch zu erzeugen. Damit wird die Software noch leistungsfähiger und attraktiver werden. (heh)

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