EMV zum Anfassen Messen statt Raten – so gelingt der Weg durch den EMV-Dschungel

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

Wenn das fertige Produkt im EMV-Labor durchfällt, ist das ein Problem für die Entwickler. Die Folge sind kostspielige Redesigns oder die Markteinführung muss verschoben werden. EMV-Experte Thomas Eichstetter zeigt auf dem Fachkongress Power of Electronics in Würzburg, dass es auch anders geht. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum man EMV anfassen muss, um sie zu verstehen.

Elektronikentwickler und das Problem mit der EMV. Auf dem Fachkongress Power of Electronics zeigt Thomas Eichstetter, dass EMV kein Zufall ist und warum Sie Ihr Schaltungsdesign schon beim ersten Entwurf absichern müssen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Elektronikentwickler und das Problem mit der EMV. Auf dem Fachkongress Power of Electronics zeigt Thomas Eichstetter, dass EMV kein Zufall ist und warum Sie Ihr Schaltungsdesign schon beim ersten Entwurf absichern müssen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

In der modernen Hardware-Entwicklung müssen Entwickler an verschiedenen Stellen kämpfen: Höhere Schaltfrequenzen und extreme Leistungsdichten lassen EMV-Probleme exponentiell ansteigen. Doch während Performance und Features des künftigen Produkts oft im Rampenlicht stehen, wird die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) häufig stiefmütterlich behandelt, mit fatalen Folgen.

„Ich habe schon Firmen erlebt, die wegen der EMV heute nicht mehr existieren, weil das Konzept am Ende schlicht nicht funktionierte“, warnt Thomas Eichstetter, anerkannter EMV-Spezialist und Dozent. Für ihn ist EMV kein Thema, das man erst kurz vor der Zulassung schnell lösen kann. Es entscheidet sich bereits beim Grundaufbau und der Mechanik.

Praxis statt grauer Theorie

EMV-Experte Thomas Eichstetter zeigt auf Power of Electronics den Weg durch den EMV-Dschungel.(Bild:  Eichstetter)
EMV-Experte Thomas Eichstetter zeigt auf Power of Electronics den Weg durch den EMV-Dschungel.
(Bild: Eichstetter)

Wer Thomas Eichstetter kennt, weiß: Hier wird nicht nur an der Tafel doziert. In seinem Praxisworkshop am 29. September in Würzburg im Rahmen der Power of Electronics wird der Versuchstisch zum Klassenzimmer. Doch warum ist der Griff zum Oszilloskop und zur Netznachbildung so entscheidend?

„In der Theorie ist vieles schnell erklärt, aber wirklich verstehen tut man Gleich- und Gegentaktstörungen erst durch das Berühren und Messen von Schaltungen“, sagt Eichstetter. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Effizienz: Die Teilnehmer lernen nicht nur, wie man Filter auslegt, sondern wie man das so handhabt, dass Preis und Funktion im Einklang stehen. Ein überdimensionierter Filter rettet zwar die Zulassung, kann aber die Marge des Produkts ruinieren.

Den DC/DC-Wandler im Griff

Der Workshop ist in zwei intensive Module unterteilt. Im ersten Teil, der sogenannten Rettungsmission, steht die Live-Analyse eines DC/DC-Wandlers im Fokus. Die Teilnehmer erleben Schritt für Schritt, wie ein gescheitertes Design optimiert wird.

  • Methoden-Check: Wo liegen die Vor- und Nachteile von Netznachbildung (LISN) gegenüber der Stromkoppelzange?
  • Live-Optimierung: Welches Filterelement wirkt gegen welche Störart? Die direkte Messung zeigt sofort, warum die Platzierung der Bauteile oft wichtiger ist als deren Wert.
  • Störfestigkeit: Wenn der Sensor „spinnt“

Im zweiten Modul, „EMV-Störfestigkeit unter Kontrolle“, wird die Robustheit der Elektronik unter Beschuss genommen. In einer TEM-Zelle wird gezielt Energie eingekoppelt, um zu beobachten, wann Displays flackern oder Temperaturmessungen wegdriften. Mit Schnüffelsonden werden kritische Stellen im Design aufgespürt. Das ist eine Fähigkeit, die Entwickler direkt an ihren eigenen Arbeitsplatz mitnehmen können.

DER KONGRESS FÜR ELEKTRONIKENTWICKLER

Entwickeln mit Weitblick – Die 360-Grad-Sicht auf die Elektronik

Power of Electronics
(Bild: VCG)

Von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt: Power of Electronics liefert Wissen, Werkzeuge und Kontakte für erfolgreiche Elektronikentwicklung. Egal, ob Sie am Anfang Ihrer Karriere stehen oder erfahrener Spezialist sind – hier finden Sie tiefgehende Inhalte, aktuelle Technologien und innovative Lösungen. Es erwartet Sie ein auf verschiedene Themengebiete der Elektronik fokussiertes Vortragsprogramm, eine übergreifende Fachausstellung mit den jeweiligen Spezialunternehmen und Komponentenanbietern sowie zahlreiche Möglichkeiten zum interdisziplinären Austausch und intensiven Networking.

Warum KI hier (noch) keine Hilfe ist

Auf die Frage, ob moderne Simulationstools oder KI die EMV-Probleme der Zukunft lösen, findet Eichstetter klare Worte: „Die KI ist in diesem Sektor aufgrund der mangelnden Datenlage recht schwach. Ohne das nötige Know-how werden Firmen hier nicht besser.“ Das persönliche Verständnis für die physikalischen Vorgänge bleibe unersetzlich.

Was man selbst ausprobiert und am Versuchstisch durch Fehler erlebt hat, bleibe ein Leben lang im Gedächtnis. Der Workshop richtet sich daher nicht nur an erfahrene Hardware-Entwickler, sondern auch an Maschinenbauer, Studenten und ambitionierte Hobbyelektroniker, die das „Phänomen EMV“ endlich systematisch beherrschen wollen. (heh)

Nutzen Sie die Chance, Ihre EMV-Strategie auf das nächste Level zu heben. Treffen Sie Thomas Eichstetter und weitere Experten auf Power of Electronics am 29. und 30. September in Würzburg.

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