Die HARTING Technologiegruppe knackt zum zweiten Mal in Folge und Unternehmensgeschichte die Umsatz-Milliarde. Nach dem Rekordergebnis von 1,059 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2021/22 erzielte das Espelkamper Unternehmen nun einen Umsatz von 1,036 Mrd. Euro.
Harting: Familie und Vorstand sehen ihre Prognose erfüllt – der Milliardenumsatz ist bestätigt, man geht aber mit getrübten Aussichten ins nächste Geschäftsjahr.
(Bild: Harting)
Das aktuelle Geschäftsjahr schloss die Harting-Gruppe wiederum oberhalb der Umsatz-Milliarde ab. Mit einem leichten Rückgang von 2,2 % gegenüber dem Vorjahr liegt man im Rahmen der erwarteten Ergebnisse.
Die Umsatzverteilung stellte sich in den Regionen uneinheitlich dar und „spiegelt damit die zunehmende Volatilität und die unterschiedlichen geopolitischen Rahmenbedingungen wider“, erläutert Harting weiter. Die Region Americas profitiere von wirtschaftspolitischen Anreizen – wie dem Inflation Reduction Act – und wuchs um 12 Mio. € (+ 9%) auf 159 Mio. €, während Asien durch den derzeit schwachen chinesischen Markt um 24 Mio. € schrumpfte (–9%).
Europa schwächelt, Deutschland bleibt stabil
Deutschland blieb mit 277 Mio. € (+2%) nahezu stabil. EMEA (Europa ohne Deutschland) hingegen verzeichnete einen Umsatzrückgang um 18 Mio. € (–5%) auf 355 Mio. €. Der Personalbestand sank zum Stichtag 30. September 2023 um 241 Mitarbeitende von 6.446 auf 6.205 – im Wesentlichen bedingt durch den Verkauf von HARTING Systems (–160 MA) und die Stilllegung der Gesellschaften in Russland (–61 MA).
„Mit unseren Investitionen in Höhe von 76 Mio. €, welche deutlich über den Abschreibungen liegen, stärken wir unsere Produktion, Entwicklung sowie Organisationsstrukturen und Prozesse“, führt Harting weiter aus. Dazu gehörten Kapazitätserweiterungen in Rumänien (Agnita), eine neue E-Mobility-Linie in Mexiko und das aktuell eröffnete neue Werk in Vietnam. Zudem flossen erhebliche Mittel in die weitere Digitalisierung und Automatisierung von Produktion und Prozessen – auch an den Standorten Espelkamp und Rahden.
Konsequente Automatisierung und Digitalisierung
„Unsere Ziele sind klar: Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, deutlicher Kostensteigerungen, sowie überbordender Regulierung, müssen wir uns mehr denn je robust und nachhaltiger aufstellen“, so Harting. Es gelte konsequent weiter zu automatisieren und zu digitalisieren sowie die Kosten von Gaslieferungen zu senken und langfristigen Zugriff auf Rohstoffe zu wettbewerbsfähigen Kosten sicher zu stellen. Nur so könne das Unternehmen die Grundlagen für weiteres Wachstum schaffen – welche im zunehmenden Maße im Ausland liegen.
Aber auch in Deutschland habe der Elektro-Mittelstand große Chancen durch seine innovativen Lösungen der Klima-Wende sowie der Nachhaltigkeit Vorschub zu leisten, wie Harting anhand mehrerer Beispiele aus seinem Unternehmen deutlich machte. So entwickle und liefere die Technologiegruppe die Connectivity für die All-Electric-Society – für eine elektrifizierte und de-karbonisierte Welt. „Nachhaltigkeit, der Schutz unserer Umwelt ist neben unserem gesellschaftlichen Engagement unsere DNA“.
Klimaneutralität bis 2027
Nicht zuletzt der Ukraine-Krieg und die darauffolgende Energiekrise habe das Unternehmen darin bestärkt, die Energie- und Wärmeversorgung des Unternehmens auf eine unabhängige und vor allem klimaneutrale Grundlage zu stellen. „Nachdem wir bereits seit über zehn Jahren zu 100 Prozent auf Ökostrom setzen, werden wir mit dem Erwerb einer weiteren Biogasanlage in Espelkamp mittels einer Direktanbindung an unsere Produktion nun auch zu 100 Prozent unabhängig vom Gasnetz und können dabei gleichzeitig den Carbon-Footprint um 1.200 t pro Jahr reduzieren“, berichtet Harting über eine Investition in zweistelliger Millionenhöhe.
Bis 2027 will die Unternehmensgruppe den CO2-Ausstoß auch weltweit um 60 Prozent senken und 2030 Klimaneutralität herstellen. Dazu investiert das Unternehmen auch im Geschäftsjahr 2023/24 erneut rund 75 Mio. € in die Entwicklung neuer Connectivity-Lösungen für die De-Karbonisierung, Digitalisierung und Automatisierung, in Strukturen und Prozesse sowie die weitere Globalisierung durch markt- und regionalspezifische Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten.
Stand: 08.12.2025
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Verhaltene Aussichten für 2024
Trotz aller Anstrengungen, die das Unternehmen zur Zukunftssicherung unternehme, sieht Harting für das laufende Geschäftsjahr eine eingetrübte Wirtschaftsentwicklung und aufgrund der um gut zehn Prozent gesunkenen Auftragseingänge ein Unterschreiten der Milliarden-Euro-Marke. „Wir planen mit einem Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich.“
Dabei versucht das Unternehmen so gut es geht – mit einer flexiblen Produktionssteuerung sowie punktuell eingesetzter Kurzarbeit – gegenzusteuern. Wir prüfen ständig weitere Maßnahmen vor dem Hintergrund der akuten Entwicklungen. Trotz der aktuell herausfordernden Situation und einer möglicherweise über 2024 hinausgehenden Stagnation schaut Harting langfristig optimistisch in die Zukunft: „Ein Teil unserer Unternehmensvision lautet: Wir wollen ein Weltunternehmen werden. Und aufgrund der stetigen Entwicklung in den letzten drei Jahren steht für mich fest: Wir müssen ein Weltunternehmen werden. Diesen Weg gehen wir mutig, konsequent und voller Hoffnung.“ (kr)