Veräußerung AMS Osram veräußert Teil des Sensorgeschäfts für 570 Mio. Euro an Infineon

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Am Abend des 3. Februars 2026 teilten die Verantwortlichen von AMS Osram mit, dass das nicht-optische Analog-/Mixed-Signal-Sensorgeschäft für Automotive, Industrie und Medizin als Teil eines Bargeschäfts an Infineon veräußert wird. 570 Millionen Euro tragen so zur Senkung des Pro-forma-Verschuldungsgrads bei.

AMS Osram veräußert das nicht-optische Analog-/Mixed-Signal-Sensorgeschäft für Automotive, Industrie und Medizin als Teil eines Bargeschäfts an Infineon.(Bild:  AMS Osram)
AMS Osram veräußert das nicht-optische Analog-/Mixed-Signal-Sensorgeschäft für Automotive, Industrie und Medizin als Teil eines Bargeschäfts an Infineon.
(Bild: AMS Osram)

AMS Osram steht seit einiger Zeit unter wirtschaftlichem Druck; insbesondere das Geschäftsjahr 2024 war schwierig, nachdem unter anderem ein Großkunde für das Micro-LED-Projekt überraschend abgesprungen ist. Das Unternehmen sucht deswegen weiterhin nach Möglichkeiten zu einer strategischen Neuausrichtung, um sich für die Zukunft krisenfest aufzustellen.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung wurde am Abend des 3. Februar 2026 von AMS Osram angekündigt. Das Unternehmen teilt den Verkauf ihres nicht-optischen Analog-/Mixed-Signal-Sensorgeschäfts für Automotive, Industrie und Medizin an Infineon Technologies für 570 Millionen Euro mit. Man will auf diesem Wege die Verschuldung deutlich reduzieren und sich künftig stärker auf die Digitalisierung von Lichtemission und optischer Sensorik fokussieren.

Das entsprechende Geschäftssegment erwirtschaftete 2025 rund 220 Millionen Euro Umsatz und etwa 60 Millionen Euro bereinigtes EBITDA. Im Rahmen der Transaktion, mit deren Abschluss im 2. Quartal 2026 gerechnet wird, wechseln rund 230 Mitarbeiter zu Infineon. Die Produktionsstandorte verbleiben im Konzern, denn AMS Osram plant Infineon über einen mehrjährigen Zeitraum Fertigungsdienstleistungen bereitzustellen.

Digital Photonics für AMS Osram als Schwerpunkt

Diese Transaktion stellt einen Teil eines größeren Entschuldungsplans dar, der den Pro-forma-Verschuldungsgrad von AMS Osram von 3,3 auf rund 2,5 senken soll. Man gäbe zwar 7 Prozent des Umsatzes weg, reduziere die Schulden damit aber um rund ein Drittel. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine finanzielle und strategische Flexibilität stärken. „Wir sind das Photonics-Powerhouse mit dem breitesten Portfolio modernster Halbleiter-Technologieplattformen für Lichtemission und Sensorik“, erklärt CEO Aldo Kamper.

Man möchte das Unternehmen klar als fokussierten Anbieter im Bereich Digital Photonics positionieren; mit einem breiten Portfolio intelligenter optischer Halbleiter-Emitter, Sensoren und ergänzender Treiber- sowie Power-Management-ICs. In diesem Geschäftsfeld sieht der Vorstand mittelfristige Wachstumsmöglichkeiten, etwa in den Bereichen Automotive-Lichtlösungen, Augmented-Reality-Displays, optische Datenverbindungen für KI-Rechenzentren sowie fortschrittliche Sensorik für Robotik und industrielle Anwendungen. Das traditionelle Automobil-Lampengeschäft soll im Konzern verbleiben und als stabiler Cash-Flow-Treiber fungieren, um das weitere Wachstum des Halbleiterportfolios zu unterstützen.

Ergänzend teilte das Unternehmen mit, dass die Transaktion auch Gesellschaften umfasst, die Vermögenswerte von rund 130 Millionen Euro halten, welche zur Besicherung bestehender Wandelanleihen und Senior Notes dienen. Die daraus resultierenden zusätzlichen Erlöse sollen anteilig für Rückkäufe beziehungsweise Rückzahlungen dieser Finanzinstrumente verwendet werden. Insgesamt erwartet das Unternehmen aus den angekündigten Asset-Verkäufen damit Mittelzuflüsse von rund 670 Millionen Euro.

Parallel konkretisiert AMS Osram die mittelfristige Ausrichtung und definiert „Digital Photonics“ als strategischen Schwerpunkt für die Digitalisierung von Lichtemission und optischer Sensorik – einschließlich pixelierter Emitter, Sensoren und integrierter Elektronik. Für das Halbleitergeschäft nennt der Konzern zudem neue Zielgrößen bis 2030, darunter ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 25 Prozent, einen Free Cashflow von über 200 Millionen Euro sowie einen Verschuldungsgrad von unter 2.

Infineon sieht perfekte Ergänzung

Auch aus Sicht von Infineon Technologies ist der Zukauf klar strategisch ausgerichtet: Übernommen wird das Sensorgeschäft im Rahmen eines Asset Deals, der neben Produkten insbesondere Entwicklungsressourcen, geistiges Eigentum sowie Test- und Laborausstattung umfasst – Produktionsstandorte sind nicht Bestandteil der Transaktion. Infineon hat sich dazu verpflichtet, unter anderem die Front-End-Produktion am Standort Premstätten zu erhalten, wie im Rahmen der Pressekonferenz von AMS Osram mitgeteilt wurde. Der Asset-Deal umfasst außerdem die Standorte in Valencia, Hyderabad und Raperswill-Jona.

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Für das Kalenderjahr 2026 rechnet Infineon mit einem Umsatzbeitrag von rund 230 Millionen Euro und einem positiven Effekt auf das Ergebnis je Aktie. „Das erworbene Geschäft passt strategisch perfekt zu Infineon und ergänzt unser starkes Angebot im Analog- und Sensor-Bereich. Damit können wir unseren Kunden künftig noch umfassendere Systemlösungen anbieten“, so Jochen Hanebeck, Vorstandsvorsitzender von Infineon.Davon profitieren vor allem Anwendungen in der Automobiltechnik, der Industrieautomation, der Medizintechnik sowie in neuen Feldern wie Robotik. (sb)

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