EMS-Tag 2026 Gemeinsam stärker? Was fünf Jahre Netzwerk EMS gezeigt haben

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Neun EMS-Unternehmen gründeten vor fünf Jahren das Netzwerk EMS, um gemeinsam stärker zu werden. Beim Würzburger EMS-Tag am 1. Oktober 2026 berichten Andreas Kraus und Martin Vierling, welche Erwartungen sich erfüllt haben – und welche nicht.

Was kann das Netzwerk für den Einzelnen und für die Gruppe tun?(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Was kann das Netzwerk für den Einzelnen und für die Gruppe tun?
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Kooperation gilt als eine mögliche Antwort auf den wachsenden Druck in der EMS-Branche. Doch was bleibt von einer solchen Idee, wenn sie nicht nur auf dem Papier, sondern fünf Jahre lang im Unternehmensalltag funktionieren muss?

Neun mittelständische EMS-Unternehmen haben sich vor fünf Jahren zum Netzwerk EMS zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Kompetenzen bündeln, Erfahrungen austauschen und gemeinsam neue Möglichkeiten für Kunden und Partner schaffen. Beim EMS-Tag in Würzburg ziehen Andreas Kraus und Martin Vierling als zwei Gründungsmitglieder Bilanz.

Nicht jeder Vorteil war vorhersehbar

Die Erwartungen an das Netzwerk waren zunächst naheliegend. Der gemeinsame Einkauf sollte bessere Konditionen ermöglichen, der Austausch zwischen den Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass nicht jede Annahme aufging.

Die erhofften Einkaufsvorteile blieben weitgehend aus. Der Grund: Die Unternehmen benötigten häufig unterschiedliche Bauteile, sodass sich nur wenige gemeinsame Volumina bündeln ließen. Der Zusammenschluss führte also nicht automatisch zu den erhofften Skaleneffekten.

Gleichzeitig entstanden andere Formen des Nutzens. Der regelmäßige Austausch zwischen den Unternehmern entwickelte sich zu einer Plattform, auf der sich Erfahrungen teilen, Herausforderungen einordnen und Lösungsansätze diskutieren lassen. Gerade für mittelständische EMS-Unternehmen kann dieser Austausch relevant sein, weil viele von ihnen mit ähnlichen Fragen konfrontiert sind – aber nicht immer die Ressourcen haben, jede Antwort allein zu erarbeiten.

Kooperation als Lernprozess

Andreas Kraus ist Geschäftsführer der Kraus Hardware GmbH und seit mehr als drei Jahrzehnten in der Elektronikentwicklung und Elektronikfertigung tätig.(Bild:  Kraus Hardware GmbH)
Andreas Kraus ist Geschäftsführer der Kraus Hardware GmbH und seit mehr als drei Jahrzehnten in der Elektronikentwicklung und Elektronikfertigung tätig.
(Bild: Kraus Hardware GmbH)

Andreas Kraus kennt die Elektronikentwicklung und -fertigung seit mehr als drei Jahrzehnten. Der Geschäftsführer der Kraus Hardware GmbH gründete sein Unternehmen 1992 zunächst neben seiner Tätigkeit im Elektroniklabor des Instituts für Kernphysik an der TH Darmstadt. Heute verbindet das Unternehmen Entwicklung, Fertigung, Prüftechnik, Röntgenanalyse, Rework und Box Build.

Martin Vierling verantwortet als geschäftsführender Gesellschafter der Vierling Gruppe ein EMS-Unternehmen mit rund 90 Mitarbeitenden. Sein beruflicher Weg führte dabei zunächst in die Fertigung, IT und Prozessoptimierung, bevor er in die Geschäftsführung wechselte. Sein Leitgedanke lautet: „Digital First – Human Best“.

Beide bringen damit unterschiedliche Perspektiven in das Netzwerk ein. Kraus steht für langjährige technische und unternehmerische Erfahrung, Vierling für Digitalisierung, Prozessgestaltung und die Frage, wie sich Elektronikfertigung im Hochlohnland Deutschland wettbewerbsfähig halten lässt.

Was Zusammenarbeit leisten kann – und was nicht

Martin Vierling ist geschäftsführender Gesellschafter der Vierling Gruppe und verantwortet ein technologiegetriebenes EMS-Unternehmen.(Bild:  Vierling Gruppe)
Martin Vierling ist geschäftsführender Gesellschafter der Vierling Gruppe und verantwortet ein technologiegetriebenes EMS-Unternehmen.
(Bild: Vierling Gruppe)

Die Erfahrungen aus fünf Jahren Netzwerk EMS zeigen, dass Kooperation kein Ersatz für ein eigenes tragfähiges Geschäftsmodell ist. Sie kann weder fehlende Auslastung noch unterschiedliche strategische Interessen automatisch ausgleichen. Auch gemeinsame Beschaffung funktioniert nur dort, wo tatsächliche Überschneidungen bestehen.

Ihr Wert kann an anderer Stelle liegen: im offenen Gespräch mit Unternehmern, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen; in der Möglichkeit, Fehler und Rückschläge zu teilen; und in unterschiedlichen Sichtweisen auf Themen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel und den Strukturwandel in der Branche. Damit wird das Netzwerk selbst zum Praxisbeispiel für eine Frage, die viele mittelständische Unternehmen beschäftigt: Wie viel kann gemeinsames Handeln bewirken, ohne die unternehmerische Eigenständigkeit aufzugeben?

Beim EMS-Tag 2026 berichten Andreas Kraus und Martin Vierling über die Entstehung und Entwicklung des Netzwerks, über Erfolge und Enttäuschungen und über die Erkenntnisse, die sich erst im Laufe der Zusammenarbeit ergeben haben. Der Vortrag verspricht damit keinen einfachen Kooperationsleitfaden, sondern einen Erfahrungsbericht darüber, was Zusammenarbeit im Mittelstand tatsächlich leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Andreas Kraus und Martin Vierling berichten darüber am 1. Oktober 2026 im Vogel Convention Center in Würzburg im Rahmen des EMS-Tags. Sie zeigen, welche Erwartungen sich erfüllt haben, wo Kooperationen an Grenzen stoßen und welche unerwarteten Mehrwerte aus dem Netzwerk entstanden sind. Bereits am Vorabend bietet die Abendveranstaltung am 30. September Gelegenheit, die beiden und weitere Branchenvertreter persönlich zu treffen und die Erfahrungen im direkten Gespräch zu vertiefen. (sb)

Event-Tipp

Das Managementtreffen für die EMS-Branche

Der EMS-Tag gilt als eines der wichtigsten Managementtreffen der Branche, bei dem aktuelle Veränderungen, erfolgversprechende Strategien, generelle Managementfragen und wichtige technologische Entwicklungen in der Elektronikwelt analysiert und diskutiert werden. Das Programm bietet praxisorientierte Vorträge und interessante Einblicke in den EMS-Markt.

(ID:50927098)