Buzz Aldrin und Neil Armstrong betraten vor rund 50 Jahren als erste Menschen den Mond - aber es gab noch einen Dritten: Michael Collins drehte währenddessen Warteschleifen. Jetzt wird der US-Astronaut mit dem wohl undankbarsten Job der Raumfahrtgeschichte 90 Jahre alt.
Die Besatzung der Apollo 11, Neil Armstrong (inks), Michael Collins (Mitte), und Edwin E. «Buzz» Aldrin (rechts). Die Apollo 11 war die erste bemannte Mission auf dem Mond. Am 20. Juli 2019 jährte sich die Mondlandung zum 50. Mal. Pilot Collins, der selber die die Mondoberfläche betrat, wurde nun 90 Jahre alt.
(Bild: NASA)
Seit Jahrzehnten wird Michael Collins immer wieder dieselbe Frage gestellt. Ob er nicht furchtbar einsam gewesen sei, damals bei der Mondlandung? Denn Collins drehte am 20. Juli 1969 in der Kommandokapsel Columbia Warteschleifen um den Mond und war im Funkloch auf der Rückseite des Himmelskörpers, als seine Kollegen Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit der Landefähre Eagle auf der Oberfläche des Erdtrabanten aufsetzten. Rund eine halbe Milliarde Zuschauer auf der Erde bejubelten die Mondlandung vor ihren Fernsehern. Collins, der am Samstag (31. Oktober) 90 Jahre alt wird, war mittendrin - und doch ganz alleine.
Bei der Rückkehr vergaß der US-Präsident, ihn zu erwähnen
Einsam sei er trotzdem nicht gewesen, betont Collins immer wieder, wenn ihm die Frage erneut gestellt wird. „Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Ich weiß, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von "Apollo 11" hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte. Die Unternehmung war für drei Männer angelegt und ich sehe mich als genauso notwendig an wie die beiden anderen.“ Außerdem habe er die Columbia so eine Zeit lang nur für sich gehabt. „Ich war der Kaiser, der Kapitän und es war ziemlich bequem. Ich hatte sogar warmen Kaffee.“
Der damalige US-Präsident Richard Nixon vergaß bei seiner Live-Schalte vom Weißen Haus zum Mond allerdings, Collins zu erwähnen - und so ging Collins als „der vergessene Astronaut“ in die Geschichte ein. Dabei hatte er drei Jahre vor der Apollo 11-Mission schon an einer anderen bedeutenden Weltraumunternehmung teilgenommen - und da nicht nur als Chauffeur. Collins war Pilot der Gemini 10-Mission, der ersten, bei der das Raumschiff an gleich zwei Satelliten nacheinander andockte. Dabei wurde er auch der erste Mensch, der sich im All von einem Flugkörper zum anderen bewegte, und nie zuvor waren Menschen weiter von der Erde entfernt gewesen.
Vom Kampfflieger zum Raumkapsel-Piloten
Geboren wurde Collins 1930 in Italien als Sohn eines US-Militärattachés. Seinem Highschool-Abschluss in den USA folgte die Aufnahme in die Militärakademie und Kader-Schmiede West Point, wo er sich zum Kampfflieger und Testpiloten ausbilden ließ. 1963 schaffte es Collins in die Astronautenauswahl der Nasa.
Nur ein Jahr nach seinem Flug zum Mond verließ er die Raumfahrtbehörde jedoch wieder und wurde Ministerialdirektor im Außenministerium. 1971 übernahm er den Direktorenposten im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington. 1980 ging er in die Wirtschaft und gründete später seine eigene Firma. Außerdem schrieb Collins, der zusammengezählt mehr als elf Tage im All verbracht hat, zahlreiche Bücher über seine Reisen ins All. Der dreifache Vater hat zahlreiche Auszeichnungen bekommen, unter anderem sind ein Mondkrater und ein Zwergplanet nach ihm benannt.
Ein stiller Pionier
Im Alter zog sich Collins zurück. „Grummelig“ sei er geworden, sagte er einmal in einem seiner inzwischen seltenen Interviews. Seine Zeit verbringe er mit «Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen, Angeln, Malen, Kochen, Lesen, Sorgen um die Börsenwerte machen und der Suche nach einer guten Flasche Cabernet für weniger als zehn Dollar“. Als Held habe er sich nie gesehen. „Es gibt Helden, die auch gefeiert werden sollten, aber Astronauten gehören nicht dazu. Wir arbeiten hart und haben unsere Aufgabe fast perfekt erfüllt, aber dafür waren wir auch angestellt worden.“ Aber er habe Glück gehabt im Leben - und sei auch glücklich gewesen. „Schreibt "Glücklich" auf meinen Grabstein.“
Stand: 08.12.2025
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Der Mond war allerdings nie der Lieblingshimmelskörper von Mond-Chauffeur Collins, sondern der Mars. Er hoffe, dass eines Tages Menschen darauf landen könnten. „Der Mond ist für einen Himmelskörper eigentlich kein besonders interessanter Ort, aber der Mars schon.“