Batteriespeicher für temporäre Stromnetze Wenn das Festzelt mehr Leistung braucht, als der Netzanschluss liefert

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 4 min Lesedauer

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Auf dem Oktoberfest sollen Batteriespeicher Lastspitzen in zwei großen Festzelten abfangen. Der Einsatz zeigt, wie sich ein begrenzter Netzanschluss kurzfristig entlasten lässt – und warum dafür die Kilowatt wichtiger sind als die Kilowattstunden allein.

Die drei Tesvolt Forton-Batteriespeichersysteme wurden vor Beginn des Oktoberfestes geliefert.(Bild:  TESVOLT)
Die drei Tesvolt Forton-Batteriespeichersysteme wurden vor Beginn des Oktoberfestes geliefert.
(Bild: TESVOLT)

Eine Küche läuft auf Hochtouren, draußen werden Heizstrahler eingeschaltet, im Zelt arbeiten Licht- und Veranstaltungstechnik. Jede Anlage ist für sich geplant, doch ihre Leistungen addieren sich. Auf dem Münchner Oktoberfest stehen einem großen Festzelt nach Angaben des Speicheranbieters Tesvolt rund 420 kW Anschlussleistung zur Verfügung. Die Nachfrage könne zeitweise auf mehr als 500 kW steigen. Für die Betreiber zählt dann weniger, wie viel Energie das Zelt über einen Tag verbraucht, sondern wie hoch die Leistung in den kritischen Minuten ist.

In diesem Jahr setzt der Elektroinstallateur MP Elektrotechnik München drei Batteriespeicher an den Festzelten Pschorr-Bräurosl und Löwenbräu ein. Zwei Systeme stehen laut Tesvolt am ersten Standort, eines am zweiten. Sie sollen Leistungsspitzen übernehmen, bevor die Belastung des jeweiligen Netzanschlusses zu groß wird. Über die tatsächlichen Lastverläufe und die Wirkung im laufenden Betrieb liegen bislang keine Messdaten vor.

Entscheidend ist die Differenz zum Netzanschluss

Das Prinzip der Lastspitzenkappung ist einfach: Solange der Netzbezug unter der zulässigen Grenze bleibt, kann der Speicher laden oder seinen Ladezustand halten. Steigt die Last darüber, liefert er die fehlende Leistung. Bei beispielhaften 500 kW Verbrauch und 420 kW Netzbezug müsste er mindestens 80 kW beisteuern. Hinzu kommen Umwandlungsverluste; die genaue Regelung und die tatsächliche Anschlussgrenze sind für die Auslegung ebenfalls relevant.

Der eingesetzte Tesvolt Forton ist laut Datenblatt mit 92 kWh Energieinhalt und höchstens 92 kW Lade- beziehungsweise Entladeleistung angegeben. Ein einzelnes System liegt damit bei einer Lastdifferenz von 80 kW rechnerisch nahe an seiner Leistungsgrenze. Würde es diese Leistung ununterbrochen abgeben, wäre sein nomineller Energieinhalt nach gut einer Stunde aufgebraucht. In der Praxis verkürzen nutzbarer Ladezustand und Verluste die Zeit. Lastspitzen, die nur wenige Minuten dauern und dazwischen abklingen, stellen dagegen wesentlich geringere Anforderungen an den Energieinhalt.

Damit wird deutlich, warum für diesen Einsatz zwei Kurven benötigt werden: der zeitliche Verlauf der Zeltlast und der zeitliche Verlauf des Netzbezugs. Die höchste Lastspitze bestimmt die nötige Entladeleistung. Ihre Dauer und die Abstände zwischen den Spitzen bestimmen, wie viel Energie der Speicher bereitstellen und wann er wieder laden können muss.

Was bedeuten „zwei Stunden Puffer“?

Der verantwortliche Elektroinstallateur spricht von einem Puffer von zwei Stunden. Diese Zeit soll es ermöglichen, bei hoher Last gezielt Verbraucher abzuschalten oder den Betrieb anzupassen. Als pauschale Überbrückungszeit für die volle Zeltlast lässt sich die Angabe jedoch nicht lesen. Schon bei einer dauerhaft nötigen Zusatzleistung von 80 kW würde ein einzelnes System rechnerisch deutlich weniger als zwei Stunden reichen. Zwei Systeme bieten zusammen nominell 184 kWh und höchstens 184 kW; auch bei ihnen hängt die Dauer vom tatsächlichen Lastverlauf und Ladezustand ab.

Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen Lastspitzenkappung und Ersatzstrom. Ein Speicher, der bei bestehendem Netzanschluss zusätzliche Leistung liefert, hält bei einem vollständigen Netzausfall nicht zwangsläufig das Zelt in Betrieb. Dafür wären eine geeignete elektrische Verschaltung, Netztrennung und eine Regelung für den Inselbetrieb erforderlich. Das Datenblatt beschreibt den Wechselrichterbetrieb als netzgekoppelt. Ob die konkrete Installation eine Ersatzstromfunktion besitzt, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor.

Keine Stromausfälle: Zwei Tesvolt Forton-Batteriespeichersysteme gleichen Spitzenlasten im Pschorr-Bräurosl-Festzelt auf dem Oktoberfest aus. (Bild:  TESVOLT)
Keine Stromausfälle: Zwei Tesvolt Forton-Batteriespeichersysteme gleichen Spitzenlasten im Pschorr-Bräurosl-Festzelt auf dem Oktoberfest aus.
(Bild: TESVOLT)

Ein Netz für 16 Tage Spitzenbetrieb

Der Einsatzort macht die Entscheidung interessant. Die Stadtwerke München versorgen die Wiesn und die Oide Wiesn nach eigenen Angaben über 19 Trafostationen, 62 Kilometer Kabel und 160 Verteilerschränke. Für die 16 Veranstaltungstage erwarten sie einen Strombedarf von gut drei Millionen Kilowattstunden. Ein dauerhaft größer dimensionierter Anschluss muss hier also gegen eine Lösung abgewogen werden, die vor allem während einer kurzen, intensiven Betriebsphase gebraucht wird.

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Ein Speicher kann einen Engpass entschärfen, wenn dessen Ursache zeitlich begrenzte Spitzen sind. Übersteigt der Verbrauch dagegen über viele Stunden die verfügbare Netzleistung, braucht auch der Speicher regelmäßig Energie zum Nachladen. Dann wird aus der Frage nach einigen zusätzlichen Kilowatt eine Frage nach dem gesamten Energiedefizit. Das ist die Grenze, an der Lastspitzenkappung allein nicht mehr genügt.

Tesvolt begründet den steigenden Strombedarf unter anderem mit der Elektrifizierung von Küchen und Heizungen. Daraus sollte keine vollständige Abkehr vom Gas auf dem Oktoberfest abgeleitet werden: Die Stadtwerke rechnen auch 2026 mit Erdgas für Kochen, Warmwasser und Heizungen in gastronomischen Betrieben. Wie stark einzelne Zelte bereits elektrifiziert sind, wäre für einen Vergleich ihrer Lastprofile relevant.

Die Wirtschaftlichkeit hängt am Betrieb außerhalb der Wiesn

Nach Einschätzung des Elektroinstallateurs könnten sich solche Speicher innerhalb von zwei bis drei Jahren amortisieren. Eine Rechnung dazu wurde nicht veröffentlicht. Für die Bewertung fehlen insbesondere Investitionskosten, die Höhe und Häufigkeit der Lastspitzen sowie mögliche Einsparungen oder Erlöse außerhalb des Oktoberfests. Letzteres ist bei einer nur 16 Tage dauernden Veranstaltung entscheidend: Bleiben die Anlagen den Rest des Jahres ungenutzt, muss ihr Nutzen während der Wiesn entsprechend hoch sein. Können sie anderswo eingesetzt werden, verändert sich die Rechnung.. (mr)

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