Batteriezellfertigung in Deutschland Batterieforschung top, Skalierung flopp

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Deutschland verfügt der Einschätzung vier Industrieverbände zufolge zwar über eine starke Batterieforschung, bringt neue Technologien aber zu selten in die industrielle Massenproduktion. Dadurch drohten neue Abhängigkeiten bei kritischer Infrastruktur und sicherheitsrelevanten Anwendungen.

Die Fraunhofer Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB Fab) in Münster.(Bild:  Michael Möller)
Die Fraunhofer Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB Fab) in Münster.
(Bild: Michael Möller)

Das Kompetenznetzwerk Lithium-Ionen-Batterien (KLiB), der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Maschinenbauverband VDMA und der Elektro- und Digitalverband ZVEI fordern im Juli 2026 bessere Rahmenbedingungen für den Aufbau einer Batterieindustrie in Deutschland und Europa. Die Bundesregierung müsse insbesondere den Übergang von Forschung und Entwicklung in die industrielle Serienproduktion erleichtern.

Anlass der gemeinsamen Stellungnahme war das Richtfest der Fraunhofer Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) am 13. Juli 2026 in Münster. Mit der „FFB Fab“ entstehen auf mehr als 20.000 Quadratmetern Produktionsanlagen im Gigafactory-Maßstab. Bund und Nordrhein-Westfalen investieren insgesamt rund eine Milliarde Euro in die Forschungsinfrastruktur. Die Verbände begrüßen den Aufbau der Forschungsinfrastruktur, sehen aber weiterhin eine Lücke zwischen technologischer Entwicklung und wirtschaftlicher Produktion.

Bildergalerie

Unternehmen scheitern an der Skalierung

Deutschland habe über Jahre eine wettbewerbsfähige Forschungslandschaft für Batterietechnologien aufgebaut, wird argumentiert, doch innovative Unternehmen hätten dennoch Schwierigkeiten, neue Zelltechnologien und Produktionsverfahren in den Massenmarkt zu überführen. Als Gründe werden strukturelle Standortnachteile, unzureichende Bedingungen für das Hochfahren neuer Produktionslinien und eine aus ihrer Sicht zu wenig ambitionierte Industriepolitik genannt. Der Aufbau einer neuen Industrie benötige andere politische Instrumente als die Stabilisierung bereits etablierter Produktionsstrukturen.

Gelinge die Skalierung nicht, bestehe zudem die Gefahr, dass in Deutschland entwickeltes Wissen und zugehörige Patente in andere Weltregionen abwanderten – das wäre bekanntlich nicht das erste Mal. Nach Angaben der Verbände ist die globale Nachfrage nach Batterien in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um 43 Prozent pro Jahr gewachsen. Deutschland partizipiere an diesem Wachstum bislang nur begrenzt.

Batterien für Infrastruktur und Verteidigung

Die Verbände begründen ihre Forderung nicht allein mit der Elektromobilität. Batterien werden auch für Energiespeicher, Rechenzentren, Kommunikationsanlagen, Power-Tools, Bahntechnik, E-Bikes, Roboter, Drohnen und Raumfahrtsysteme benötigt. Damit betrifft die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten auch sicherheitskritische Infrastruktur.

Besonders problematisch sei sie in der Wehrtechnik. Hier müsse Deutschland im Krisenfall auf kontrollierbare Lieferketten und verfügbare Produktionskapazitäten zurückgreifen können. Fehle eine eigene industrielle Basis, könne dies nach Einschätzung der Verbände die Verteidigungsfähigkeit einschränken. Welche Batterietechnologien oder Zelltypen dabei besonders kritisch sind und welche Produktionskapazitäten konkret benötigt würden, führt die gemeinsame Stellungnahme nicht aus.

Die Bundesregierung führt Batterien sowohl in ihrer Hightech Agenda als auch im Programm für Aufschwung und Beschäftigung als Schlüsseltechnologie. Die Verbände fordern, diese forschungspolitische Einordnung nun durch industriepolitische Maßnahmen zu ergänzen. Im Mittelpunkt stehen bessere Bedingungen für den Produktionshochlauf, ein aus Sicht der Verbände faireres Wettbewerbsumfeld und der Zugang zum Massenmarkt. Ziel müsse es sein, Forschung, Anlagenbau, Materialhersteller, Zellproduzenten und Abnehmer innerhalb eines europäischen Batterieökosystems zusammenzuführen. (sb)

(ID:50907033)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung