Nicht ohne meinen Computer! 1982: Als der Computer das Büro verließ

Von Susanne Braun 6 min Lesedauer

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Im Kaleidoskop zum 60. Jubiläum der ELEKTRONIKPRAXIS werfen die Redakteure einen Blick in ihr Geburtsjahr und auf bemerkenswerte Entwicklungen, die in dem Jahr hervorgebracht wurden. Susanne Braun schaut zurück ins Jahr 1982 – schon wieder!

Mobiles Büro anno 1982: Der Epson HX-20 vereinte Tastatur, LCD mit vier Zeilen à 20 Zeichen, Nadeldrucker und ein Mikrokassettenlaufwerk in einem kompakten Gehäuse. Mit seinem integrierten Akku ließ sich der Rechner auch fernab jeder Steckdose nutzen.(Bild:  Epson-hx-20-dt /Galapagos999 / CC BY-SA )
Mobiles Büro anno 1982: Der Epson HX-20 vereinte Tastatur, LCD mit vier Zeilen à 20 Zeichen, Nadeldrucker und ein Mikrokassettenlaufwerk in einem kompakten Gehäuse. Mit seinem integrierten Akku ließ sich der Rechner auch fernab jeder Steckdose nutzen.
(Bild: Epson-hx-20-dt /Galapagos999 / CC BY-SA )

Hallo! Ich bin's schon wieder! Wenn Sie meine Texte über das Schreiben schon leid sind, dann sollten Sie geschwind weiterblättern. Aber ich rate Ihnen, bei mir zu bleiben. Denn ohne die bahnbrechenden Entwicklungen, die ich Ihnen dieses Mal aus dem Jahr 1982 vorstelle – und ohne meine Erfahrungen, die ich damit verbinde – würden Sie heutzutage vermutlich kaum regelmäßig die ELEKTRONIKPRAXIS lesen können, die Sie in den Händen halten.

Um das aber zu erklären, lass’ ich Sie kurz hinter die Kulissen blicken: Unsere Redaktion arbeitet vollständig remote. Früher hatte die Redaktion natürlich Büros, in München, so wurde es mir erzählt. Seit ich aber Teil des Teams bin, seit über drei Jahren inzwischen, wird aus dem Homeoffice gearbeitet. Das ist ein großer Luxus, denn längst nicht jeder Angestellte hat diese Möglichkeit. Das ist aber auch ein kleines Manko. Man ist nämlich darauf angewiesen, dass das mobile Büro auch ohne den Vor-Ort-Einsatz der IT-Abteilung funktioniert. Dass das überhaupt möglich ist, so las ich, verdanken wir auch dem Epson HX-20.

Das Jahr der fast perfekten mobilen Textverarbeitung

1982, das Jahr, in dem ich in Düsseldorf das Licht der Welt erblickte, spielte Textverarbeitung in meinem Leben natürlich noch keine Rolle. Hätte sie das getan, säße ich heute wahrscheinlich nicht im Homeoffice, sondern wäre mit meinem überdurchschnittlich entwickelten Hirn schon auf dem Weg zur dunklen Seite des Monds oder so, haha, erlauben Sie mir einen Spaß.

1982 aber spielte der Epson HX-20 eine Rolle. Nicht als erster tragbarer Computer, nein, überhaupt nicht, denn da gab es zu der Zeit schon einige Vorgänger. Aber der Epson HX-20 machte etwas möglich, das bis dahin keineswegs selbstverständlich war: Man konnte einen Computer einpacken, mitnehmen und fernab jeder Steckdose benutzen. Und zwar nicht bloß für ein paar Minuten. Bis zu 50 Stunden sollte der eingebaute Nickel-Cadmium-Akku durchhalten. Das war 1982 schon eine Ansage.

Dabei war das gute Stück gerade einmal so groß wie ein DIN-A4-Blatt und wog rund 1,6 Kilogramm. Unter der Haube arbeiteten zwei 8-Bit-Prozessoren von Hitachi, denen 16 KByte Arbeitsspeicher zur Verfügung standen. Wer heute mehrere Browser-Tabs gleichzeitig offen hat, dürfte darüber müde lächeln. Aber Epson hatte in das kompakte Gehäuse nicht nur eine richtige Tastatur und einen kleinen LCD-Bildschirm gepackt, sondern sogar einen Nadeldrucker. Falls man seine Gedanken unbedingt sofort zu Papier bringen wollte, konnte man das also tun. Vorausgesetzt, man kam mit einem ziemlich schmalen Papierstreifen zurecht.

Auch der Bildschirm verlangte seinem Besitzer einiges ab. Vier Zeilen mit jeweils 20 Zeichen zeigte er an. Das sind gerade einmal 80 Zeichen auf einen Blick. Mein letzter Satz hätte also schon nicht mehr vollständig daraufgepasst. Wer längere Texte schreiben wollte, musste sich daran gewöhnen, immer nur einen winzigen Ausschnitt davon zu sehen.

Immerhin ließen sich Daten speichern, etwa auf einem optionalen Mikrokassettenlaufwerk. Und Epson dachte bereits an den Austausch mit anderen Computern. Über eine RS-232C-Schnittstelle konnte der HX-20 mit weiteren Geräten kommunizieren. Mit einem zusätzlichen Akustikkoppler war sogar die Datenübertragung über das Telefonnetz möglich. Von WLAN, Cloud-Speicher oder einer Videokonferenz war das alles noch weit entfernt. Aber die Vorstellung, unterwegs zu arbeiten und Daten anschließend an einen anderen Rechner zu übertragen, war bereits da.

Nur mit dem Schreiben selbst hatte es zunächst einen Haken. Zwar brachte der HX-20 alles mit, was ein mobiler Computer brauchte, doch vernünftige Textverarbeitungssoftware war bei seiner Markteinführung noch Mangelware. Das fiel auch dem britischen Computerjournalisten Dick Pountain auf, der das Gerät Ende 1982 testete. Sein Fazit: Sobald ein ordentliches Textverarbeitungsprogramm verfügbar sei, könnte das Schreiben im Zug oder Flugzeug endlich für einen erschwinglichen Preis möglich werden.

Man stelle sich das vor: Da saß 1982 jemand vor einem Computer, den er tatsächlich überallhin mitnehmen konnte, und wartete im Grunde nur noch auf die passende Software, um darauf vernünftig arbeiten zu können.

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Meine persönliche mobile Textverarbeitung

Bild 1: Der Psion 5mx Pro, eine etwas potentere Version meines Geräts, verfügte über eine ausklappbare Tastatur und ein berührungsempfindliches Display. Mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Terminplaner war der Handheld Ende der 1990er-Jahre ein vielseitiger Begleiter für unterwegs – und für die Autorin von Welt ein treuer Schreibgefährte.(Bild:   / CC0)
Bild 1: Der Psion 5mx Pro, eine etwas potentere Version meines Geräts, verfügte über eine ausklappbare Tastatur und ein berührungsempfindliches Display. Mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Terminplaner war der Handheld Ende der 1990er-Jahre ein vielseitiger Begleiter für unterwegs – und für die Autorin von Welt ein treuer Schreibgefährte.
(Bild: / CC0)

Wie ich schon andeutete: 1982 und auch viele Jahre danach saß ich noch nicht mit gespitzten Fingerspitzen über der Tastatur und reihte, im professionellen wie im privaten Leben, Buchstaben aneinander. Ich nutzte den Epson HX-20 privat nie, dafür aber in früheren Teenie-Jahren einen PC und eine elektrische Brother-Schreibmaschine, bis … ja, bis mir der Psion 5mx überreicht wurde. Jemand hatte kurz vor meinem Abitur meine Schreibleidenschaft entdeckt und mir seinen abgelegten Psion überlassen.

Der Psion 5mx war 1999 auf den Markt gekommen und hatte mit dem Epson HX-20 vor allem eines gemeinsam: Er sollte seinen Besitzer unabhängig vom heimischen Schreibtisch machen. Ansonsten lagen zwischen den beiden Geräten Welten. Der Psion brachte gerade einmal 350 Gramm auf die Waage und passte zusammengeklappt in eine größere Jackentasche. Klappte man ihn auf, schob sich die Tastatur ein Stück nach vorn. Das sah nicht nur schick aus, sondern sorgte auch dafür, dass das Gerät beim Tippen nicht nach hinten kippte. Ziemlich nicenstein, finde ich. Okay, damals sagte ich noch „cool“.

Unter der Haube arbeitete ein 32-Bit-Prozessor vom Typ ARM710T mit knapp 37 MHz. Dazu kamen 16 MByte Arbeitsspeicher und ein Betriebssystem namens EPOC, ein Vorläufer von Symbian. Der berührungsempfindliche Bildschirm löste mit 640 × 240 Pixeln auf und konnte immerhin 16 Graustufen darstellen. Farbe gab es nicht, aber zum Schreiben brauchte man die schließlich auch nicht unbedingt.

Und schreiben konnte man auf dem Psion wie ein Weltmeister. Eine Textverarbeitung gehörte ebenso zur Ausstattung wie Tabellenkalkulation, Kalender und Adressverwaltung, auch wenn ich ausschließlich die Textverarbeitung genutzt habe. Dateien ließen sich auf Compactflash-Karten speichern oder über eine serielle Verbindung mit dem heimischen PC austauschen. Auch eine Infrarotschnittstelle war vorhanden. Für die Stromversorgung genügten zwei handelsübliche AA-Batterien, die bei normaler Nutzung rund 30 Stunden durchhalten konnten. Man musste also weder eine Steckdose suchen noch darauf warten, dass der Rechner hochgefahren war. Aufklappen, losschreiben, zuklappen. So einfach konnte mobiles Arbeiten plötzlich sein.

So einfach war es für mich, unterwegs, im Zug für das Schönes-Wochenende-Ticket auf der halben Weltreise von Hamburg nach Essen (das waren etwa zehn Stunden), meine kreativen Gedanken aufs digitale Papier zu bannen. Ich nutzte den Psion ständig, überall, Tag und Nacht, bis hinein in die 2000er. Bis mir eines Tages ein Netbook geschenkt wurde. Na klar, das war kompatibel mit dem Online-Rollenspiel World of Warcraft; das lief damals Gerüchten zufolge noch auf einem Toaster performant.

Heute weiß Google alles

Bild 2: Mit dem Cr-48 stellte Google 2010 einen Chromebook-Prototyp vor, der ganz auf das Arbeiten mit dem Browser und webbasierten Anwendungen ausgelegt war. Was damals noch als Experiment begann, ist heute für mich mit meinem Acer Chromebook selbstverständlicher Schreiballtag.(Bild:  Cr-48 Chromebook cropped /Adam Brewer / CC BY-SA )
Bild 2: Mit dem Cr-48 stellte Google 2010 einen Chromebook-Prototyp vor, der ganz auf das Arbeiten mit dem Browser und webbasierten Anwendungen ausgelegt war. Was damals noch als Experiment begann, ist heute für mich mit meinem Acer Chromebook selbstverständlicher Schreiballtag.
(Bild: Cr-48 Chromebook cropped /Adam Brewer / CC BY-SA )

Ich mache immer Witze darüber, dass Google alles über mich weiß, aber de facto stimmt das. Heute schreibe ich in Google Docs und nutze privat maßgeblich mein Chromebook, um zu schreiben, zu surfen und zu streamen. Ich liebe mein Chromebook genauso sehr, wie ich zuvor mein Netbook und davor den Psion 5mx geliebt habe. Und ich bin erstaunt, wie weit wir gekommen sind. Übrigens: Ich schreibe auch auf den Bildschirmen von Smartphones, aber nichts ist so schön, wie eine echte Tastatur zu haben. Deswegen habe ich meine mobilen Schreibgeräte allesamt lieber als mein iPhone.

Und wenn ich heute wieder einmal mit meinem Chromebook auf den Knien irgendwo sitze und schreibe, muss ich gelegentlich an meinen Psion denken. Der war so viel kleiner, konnte so viel weniger und hat mir trotzdem etwas Einzigartiges ermöglicht: mich kreativ zu verwirklichen. Genau wie der Epson HX-20, der 1982 erstmals zeigte, wie viel Computer sich auf so wenig Raum unterbringen ließ. Die Geräte haben sich verändert, die Möglichkeiten sind gewachsen. Aber die Idee ist geblieben: schreiben zu können, wann und wo man möchte. (sb)

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