Digitaler Start einer Leidenschaft 1982: Die Standardisierung der Digitalisierung

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

Im Kaleidoskop zum 60. Jubiläum der ELEKTRONIKPRAXIS werfen die Redakteure einen Blick in ihr Geburtsjahr und auf bemerkenswerte Entwicklungen, die hervorgebracht wurden. Susanne Braun schaut zurück ins Jahr 1982.

Compaq Presario: 
Diese Reihe richtete sich ab dem Jahr 1993 an die Konsumenten daheim. Compaq veröffentlichte Desktops, Laptops und mehr für den Heimgebrauch.(Bild:   / CC0)
Compaq Presario: 
Diese Reihe richtete sich ab dem Jahr 1993 an die Konsumenten daheim. Compaq veröffentlichte Desktops, Laptops und mehr für den Heimgebrauch.
(Bild: / CC0)

Sehr geehrter Leser, halten Sie sich fest! Sie wissen nun, wie alt ich bin! Aber wussten Sie, dass in dem Jahr, in dem ich geboren wurde, das Unternehmen gegründet wurde, das später einen spürbaren Einfluss auf die Bildung einer meiner größten Leidenschaften nehmen würde?

Der Name der Firma ist Compaq, die Abkürzung von Compatibility und Quality, und schon ziemlich zügig vertrieb sie für einen Preis, der heute hanebüchen erscheint, einen Luggable; einen IBM-PC-kompatiblen tragbaren Rechner. Damals kostete der Compaq Portable über 3.500 US-Dollar. Nach heutiger Kaufkraft wären das mehr als 11.000 US-Dollar, was für ein verrückter Wahnsinn! Compaq existierte lediglich 20 Jahre lang, dann wurde das Unternehmen von Hewlett-Packard geschluckt.

Bildergalerie

Compaqt

Aber warum genau sollte mich Compaq geprägt haben; irgendein US-amerikanisches Unternehmen, zu dem eine lütte Deern in Hamburg sicherlich keinen großen Bezug hat? Zur Firma vielleicht nicht. Doch zu Hause hatten wir Anfang der 90er-Jahre oft PCs stehen. Das ist einer der Vorteile, wenn man einen ITler in der Familie hat. Für mich war es normal, dass so ein grauer Kasten zu Hause rödelte. Entsprechend hatte ich schon in recht jungen Jahren Zugriff auf einen PC und etwas später sogar einen eigenen im Zimmer stehen, mit dem ich machen konnte, was ich wollte. Wenn ich mich recht entsinne, handelte es sich um einen 286er. Möglicherweise war es auch ein 386er. Ich dachte damals übrigens, das wäre die Bezeichnung für das gesamte Gerät. Ich dachte damals auch, dass ich die Ladegeschwindigkeit mit einem gezielten Tritt gegen das Gehäuse steigern könnte. Wie jung und ... wenig intelligent ich damals war.

286 ist tatsächlich der Name des Prozessors von Intel, der, wie der Zufall so will, im Jahr 1982 als Intel 80286 veröffentlicht wurde. Dieser Prozessor legte mit dem Protected Mode die Grundlage für moderne Mehrbenutzer- und Multitasking-Betriebssysteme wie Windows und Unix.

286er, 386er, TNG

Freilich war mein 90er-Jahre-Kinderzimmer-PC, auf dem der rote Schriftzug Compaq leuchtete, schon seit der vorherigen Dekade aufgrund der Veröffentlichung des Nachfolge-Prozessors (der legendäre 386er) hoffnungslos veraltet. Ich glaube übrigens nicht, dass es sich um einen Presario handelte, sondern um einen ausrangierten Office-PC. Für richtig coole Spiele war der nur eingeschränkt geeignet.

Was ich allerdings damit immer tun konnte, war schreiben. Programme, die meine auf die vergilbtgraue Tastatur gehämmerten Buchstaben aufzeichneten, gab es da ja schon lange – die erste Version von MS Word für Windows erschien schließlich schon 1989. Hach, in dem Jahr, in dem ich das erste Mal Star Trek: The Next Generation im Programm des ZDFs sah ... aber ich schweife ab.

Fingerübungen

Meine Leidenschaft fürs Schreiben spross früh mithilfe einer Schreibmaschine, erblühte unter der Verwendung der 286er und 386er, und sie ist bis heute, meines Erachtens nach, noch immer weit von Perfektion entfernt. Doch hätte damals nicht ein 286er auf dem Wohnzimmertisch gestanden, hätte ich nicht Tage mit Lemmings und Shanghai (ein Mahjong-artiges Spiel unter Windows) verbracht, hätte ich nicht im Dunkeln meines Souterrainzimmers vor dem flimmernden Röhrenbildschirm gehockt und meine erste Geschichte geschrieben, dann würden Sie heute vermutlich diese Worte nicht lesen können.

Was ich zu Hause übrigens niemals stehen hatte, war ein Commodore 64, den viele Menschen meiner Generation mit nostalgischer Bewunderung ihren ersten Heim-PC nennen. Ja, auch der C64 ist in meinem Geburtsjahr erschienen und es handelte sich dabei um eine der günstigsten Optionen für den Einstieg in die Heimprogrammierung und Spieleentwicklung. Der C64 wird als Keimzelle einer ganzen Generation von Software- und Hardware-Ingenieuren bezeichnet, und das zu Recht. Schätzungen der Verkaufszahlen bewegen sich der Wikipedia zufolge zwischen 12,5 und 30 Millionen Exemplaren.

Ohren voller Musik

Puh! Doch das ist vermutlich nur ein kleiner Silberstreif am Horizont im Vergleich zu den Verkaufszahlen eines weiteren Produkts, das seinen Markteintritt im Jahr 1982 feierte. Und weil ich in diesem Text viel über digitale Meilensteine und Erinnerungen schreibe, darf ich nicht vergessen, noch den ersten erfolgreichen digitalen optischen Datenträger zu erwähnen: die CD. Philips und Sony wollten der Schallplatte mit der Compact Disc den Kampf ansagen. Hat geklappt, würde ich sagen. Die ersten zwei CDs, die ich mir gekauft habe, sind auch heute noch zwei meiner Lieblingsalben und stehen in meinem Schrank. Daneben ist ein Plätzchen reserviert. Für den ersten Roman, den ich irgendwann mal drucken lasse. (sb)

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