Softwareentwicklung

10 Software-Flops und -Katastrophen

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2. Mars Climate Orbiter – wenn Newton und Pfund durcheinander geraten

Die 1998 gestartete Sonde Mars Climate Orbiter sollte die Atmosphäre des roten Planeten studieren und gleichzeitig als Relaisstation für die Sonde Mars Polar Lander dienen.

Doch am 23. September ging der Kontakt mit dem Climate Orbiter verloren, als die Sonde in die Umlaufbahn des Mars eingetreten war.

Die Ursache war vergleichsweise schnell ermittelt: Innerhalb weniger Wochen stand fest, dass ein Fehler in einem Programm namens "Small Forces" zu dem Verlust der Sonde geführt hatte.

Während die NASA-Bodenstation den Impuls der Triebwerke der Sonde in der metrischen Einheit Newtonsekunde berechnete, enthielt "Small Forces" die Leistungsdaten des Triebswerks in der englischen Einheit Pound-Sekunde.

Das bedeutete, dass die Werte der Computer der Bodenstation und des Bordcomputers der Sonde nicht übereinstimmten. Die Sonde führte die vom Kontrollzentrum angeordneten Kurskorrekturen um den Faktor 4,45 stärker aus, als es die Bodenstation beabsichtigt hatte.

Somit lag der Eintrittspunkt der Sonde in den Marsorbit viel näher an der Planetenoberfläche als geplant – anstelle von 220 Kilometern Abstand war der Climate Orbiter nur rund 60 Kilometer von der Oberfläche entfernt. Die Sonde zerbrach in der Marsatmosphäre.

Neben der falschen Maßeinheit trug auch die unzureichende Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten zum dem Desaster bei.

Denn wäre der Fehler den Verantwortlichen der Marsmission bekannt gewesen, dann hätten sie darauf reagieren können: Die Sonde war schließlich fast acht Monate lang unterwegs gewesen.

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