Elektronische Haut heilt sich selbst Neues Sensor-Konzept ersetzt starre Kabel und Platinen

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Ein dehnbarer Sensor aus flüssigem Metall und speziellen Kunststoffen macht Roboter deutlich widerstandsfähiger. Das System verhält sich wie menschliche Haut, übersteht mechanische Schäden und repariert gerissene Leiterbahnen durch Wärme selbst.

Elektronische Haut für die Industrie: In Handschuhe integrierte Sensoren erfassen die Fingerbewegungen des Trägers und übertragen diese in Echtzeit auf einen Robotergreifer.(Bild:  mc/VCG)
Elektronische Haut für die Industrie: In Handschuhe integrierte Sensoren erfassen die Fingerbewegungen des Trägers und übertragen diese in Echtzeit auf einen Robotergreifer.
(Bild: mc/VCG)

Ingenieure entwickeln Robotik und tragbare Elektronik rasant weiter. Dennoch stoßen sie im Alltag auf ein zentrales Problem: Die verbaute Elektronik bleibt oft starr, klobig und zerbrechlich. Ob humanoide Roboter oder moderne Beinprothesen – Hersteller setzen fast überall feste Leiterplatten und sperrige Bauteile ein. In industriellen Umgebungen hängen häufig unbewegliche Kabel an Roboterarmen, die nicht nur die Sicht blockieren, sondern auch ein echtes Sicherheitsrisiko darstellen.

Ein neues Konzept von Forschenden des Forschungsinstituts Imec sowie mehrerer belgischer Universitäten löst diese Probleme nun mit weicher, struktureller Elektronik. Die Technologie basiert auf einem Trägermaterial und flüssigem Metall, konkret einer Legierung aus Gallium, Indium und Zinn. Dieses Material bleibt bei normaler Raumtemperatur durchgehend flüssig. Das Metall verbindet elektronische Komponenten wie LEDs direkt miteinander und bettet sie sicher in das dehnbare Material ein.

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Diese neuartige Konstruktion verhält sich in der Praxis wie eine künstliche Haut. In ersten Demonstrationen dehnt sich diese Haut nicht nur geringfügig, sondern zieht sich mühelos auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Länge auseinander. Wenn ein Roboterarm greift und sich stark biegt, passt sich die Elektronik der Bewegung stufenlos an, ohne fehleranfällige Kabelbrüche zu provozieren.

Mechanische Schäden einfach heilen

Im harten Betriebsalltag bleiben Beschädigungen jedoch selten aus. Ähnlich wie biologische Haut repariert diese Neuentwicklung schwere Schäden jedoch einfach selbst. Die Entwickler verwenden spezielle Polymere, die Risse durch milde Wärme wieder verschließen, wenn Anwender die durchtrennten Enden zusammenführen. Ein entscheidender Faktor bleibt dabei das flüssige Metall im Inneren: Obwohl es physikalisch flüssig bleibt, läuft es bei einem scharfen Schnitt nicht aus dem Material heraus. Das Metall besitzt eine extrem hohe Oberflächenspannung und bildet an der Umgebungsluft sofort eine hauchdünne, abdichtende Oxidschicht.

Sobald die durchtrennten Bauteile wieder Kontakt haben, fließt das Metall im Inneren wieder zusammen und stellt die ursprüngliche Leitfähigkeit vollständig her. Dieser Selbstheilungsprozess schont industrielle Ressourcen massiv. Die Entwickler betonen den praktischen Nutzen dieses Effekts in ihrer Präsentation auf dem ITF World des Imec: „Das bedeutet, dass Ihre Geräte eine längere Lebensdauer haben und weniger Wartung benötigen.“

Gestensteuerung für weiche Robotik

Neben der reinen Strom- und Signalübertragung arbeitet das flüssige Metall auch als präziser Sensor. Um dies zu beweisen, integrierten die Forscher solche strukturellen Sensoren in die einzelnen Finger eines Handschuhs. Sobald der Träger seine Finger bewegt oder eine Faust ballt, misst das System die exakte mechanische Dehnung. Computeralgorithmen übersetzen diese feinen Bewegungsmuster direkt in mechanische Aktionen eines echten Roboters. Schließt der Mensch seine Hand, schließt sich zeitgleich und präzise der Greifer der Maschine.

Die zukünftigen Anwendungsgebiete für diese Technologie reichen weit über klassische Fabrikhallen hinaus. Das Team plant, komplexe Mikrochips und kompakte Batterien zu integrieren, um intelligente Pflaster für die medizinische Überwachung von Körperfunktionen oder Wunden zu fertigen. In der Landwirtschaft könnten diese dehnbaren Sensoren das Wachstum von Früchten bis zur endgültigen Ernte kontinuierlich überwachen. Zudem könnten integrierte Drucksensoren zukünftigen Robotern einen Tastsinn verleihen, sodass die Maschinen genau spüren, wenn sie Pflanzen oder zerbrechliche Gegenstände berühren. Langfristig sollen auch Chirurgen von der Technik profitieren und Operationsroboter über natürliche Gesten absolut sicher steuern.(mc)

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