Softwareentwicklung

10 Software-Flops und -Katastrophen

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6. LaTeX – Textsatzveteran mit Achtziger-Jahre-Charme

Das Textsatzsystem TeX (gesprochen: Tech) hat eine lange und ruhmreiche Geschichte: Der US-Informatikprofessor Donald Knuth entwickelte TeX in den siebziger Jahren, weil er mit den anderen Textsatzsystemen seiner Zeit nicht zufrieden war.

LaTeX, das oft fälschlicherweise gleichbedeutend mit TeX gebraucht wird, ist eine Makrosprache, mit der TeX-Dokumente erzeugt werden können.

In den achtziger Jahren, in denen es entstand, war die Vorgehensweise von LaTeX genauso komfortabel wie die kommerzieller Textverarbeitungen. Die manuelle Auszeichnung eines Dokuments mit Formatierungsbefehlen, die auch heute noch für LaTeX typisch ist, war auch beispielsweise bei WordPerfect, dem Marktführer der frühen neunziger Jahre, Usus.

Der schnelle Siegeszug von Text- und Layoutprogrammen mit grafischen Benutzeroberflächen trug jedoch dazu bei, dass LaTeX im Umfeld von Redaktionen und Werbeagenturen praktisch keine Rolle spielte.

Im universitären Umfeld, und dort vor allem im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich, etablierte sich LaTeX dagegen als Standard. Generationen von Studenten mussten und müssen sich mit dem spröden System herumschlagen, dessen Ausgabequalität, vor allem beim Formelsatz, herausragend, aber dessen Benutzerkomfort gewöhnungsbedürftig ist.

Der Gemeinde eingeschworener LaTeX-User steht daher eine wachsende Zahl von gefrusteten Benutzern gegenüber.

Torsten Bronger, der Organisator des Aachener TeX-Stammtisches und LaTeX-Supporter am Institut für Photovoltaik des Forschungszentrums Jülich, beschrieb die Situation in einem Beitrag für das Heise-Forum folgendermaßen:

"Seit ca. zwei Jahren empfehle ich Leuten, die noch keine LaTeX-Kenntnisse haben, sich gar nicht mehr einzuarbeiten. Wenn man weniger als 20 Formeln pro Seite hat, ist Word die bessere Wahl."

Der Grund dafür ist, dass kommerzielle Textverarbeitungen insbesondere beim Formelsatz stark aufgeholt haben. Aber auch die Altlasten von LaTeX fordern ihren Tribut, wie Torsten Bronger darlegt:

"Allein die Präambel (der Dokumentenkopf, d. R.) ist so verbaut, daß mir bislang niemand(!) im Institut eine korrekte Präambel gezeigt hat. Der Gipfel ist das Paket fixltx2e, das man einbinden muß, um einige LaTeX-Bugs auszuräumen. Statt daß man die Fixes einfach einpflegt. Aber alte Dokumente könnten ja auf den Bugs aufbauen ..."

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