Anbieter zum Thema
5. SAP R/3 – der unflexible Koloss
Der Name des Softwarehauses SAP entstand aus der Abkürzung für "Systemanalyse und Programmierung".
Bei Unternehmen, die vor einer Einführung der betriebswirtschaftlichen Software R/3 aus Walldorf standen, kursierte aber mitunter eine andere Deutung, nämlich "Schrecken, Angst und Pein".
Die unternehmensweite Softwarelösung wurde 1992 erstmals vorgestellt. Der Buchstabe R stand für "Real-Time Data Processing" und die Ziffer 3 für die Drei-Schichten-Architektur des Systems.
R/3 gilt als eines der funktional mächtigsten Softwaresysteme der Welt. Zu seinem Erfolg trug bei, dass es eine der ersten Lösungen war, deren Client-Module unter Windows liefen.
Wie so oft scheiden sich auch bei R/3 die Geister. Die leitenden Etagen der Anwenderunternehmen begrüßen die Effizienzsteigerungen, die das Programm mit sich bringt, die eigentlichen Anwender teilen diese Begeisterung nicht immer.
Der Grund: "R/3 zeichnet sich durch quasi fest verdrahtete Arbeitsabläufe aus, die zwar durch Customizing beeinfllusst, aber nicht entscheidend verändert werden können", heißt es in einem Papier der Hamburger Unternehmensberatung TSE.
Für viele Programmabläufe, zum Beispiel in der Buchhaltung, sei dies auch gar nicht erwünscht. In Bereichen, in denen sich die Anforderungen dagegen schnell wandeln, bringe dieser Ansatz jedoch Probleme mit sich, wie es in dem TSE-Papier heißt: "Man kann nicht einfach die Arbeit ändern. Erst muss man die Software ändern. Das kann man - wegen der riesigen Komplexität dieser Superprogramme - nicht mehr selber."
Ein weiteres Problem ist, dass viele Unternehmen gar nicht in der Lage sind, den Funktionsumfang der SAP-Software zu nutzen; TSE schätzt, dass in der Regel nur 10 bis 50 Prozent der Funktionalität von R/3 überhaupt verwendet werden.
Last but not least weist auch die Usability des Systems Mängel auf.
Dennoch ist SAP mit R/3 sehr erfolgreich gewesen und ist es auch weiterhin, denn auch die aktuellen Softwarelösungen der Walldorfer basieren im Kern auf R/3.
Die Nachfolger von Firmengründer Hasso Plattner sind sich aber bewusst, dass sie flexiblere Systeme anbieten müssen.
So wurde 2002 der israelische Softwerker TopManage gekauft, der eine betriebswirtschaftliche Software speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt hatte. SAP vermarktet die Lösung heute unter dem Namen BusinessOne.
(ID:30180140)