Softwareentwicklung

10 Software-Flops und -Katastrophen

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8. TYPO3 – Komplexitätsmonster für Content Management

Das weit verbreitete Web-Content-Management-System (CMS) TYPO3 spaltet Anwender in zwei Lager: Die einen schwören auf die Flexibilität des Systems, die anderen halten die Software für unnötig kompliziert.

Für letztere ist es kein Zufall, dass das CMS nach einem Tippfehler (englisch "typo") benannt wurde, durch den der Schöpfer des Systems, der Däne Kasper Skårhøj, einen Teil seiner Arbeit verlor.

TYPO3 ist ein quelloffenes System, das auf der Skriptsprache PHP basiert. Ein Teil der Komplexität rührt daher, dass Webentwickler neben PHP auch die Metasprache Typoscript erlernen müssen, um mit der Software arbeiten zu können.

Typoscript dient gewissermaßen als Klebstoff, um das HTML-Dokument der Website mit den in TYPO3 verwalteten Inhalten zu verknüpfen. Bei vergleichbaren Content-Management-Systemen wie Drupal, Joomla! oder der Blogsoftware Wordpress ist das nicht nötig, sie erlauben auch Laien, innerhalb kurzer Zeit eine Website aufzusetzen.

Darüber hinaus gilt das System als sehr langsam, vor allem im Backend. Der modulare (manche sagen auch: chaotische) Aufbau der Software hat außerdem seine Schattenseiten: Viele Anwender benutzen Third-Party-Erweiterungen, sogenannte Extensions, um bestimmte Funktionen in ihre Website zu integrieren. Wird das Kernsystem aktualisiert, dann besteht die Gefahr, dass die Extensions nicht mehr laufen oder die ganze Website nicht mehr zur Verfügung steht.

Dieses Problem begleitet aber mehr oder minder alle freien Content-Management-Systeme.

Abhilfe soll die TYPO3-Version 5 schaffen, die auf einem komplett neu entwickelten Framework namens FLOW3 aufgebaut sein wird. Die Version 5 soll auch eine übersichtlichere Benutzerführung im Backend erhalten; sie wird jedoch voraussichtlich nicht vor 2013 erscheinen.

Deshalb werden Alternativen zu TYPO3 immer populärer, zum Beispiel Contao.

Das größte Problem im TYPO3-Umfeld ist jedoch nicht technischer Art: Da TYPO3 eines der ersten freien CMS war, die eine größere Verbreitung fanden, ist das System – zumindest vom Namen her – im deutschsprachigen Raum bekannter als viele ähnlich gelagerte Lösungen.

Viele potenzielle Anwender fragen daher dezidiert nach TYPO3, da sie die Alternativen zuwenig kennen – und obwohl ein simpleres System für ihre Anforderungen besser geeignet wäre.

Nicht wenige Webagenturen, die sich explizit auf TYPO3 spezialisiert haben, sind natürlich sehr glücklich, diesem Wunsch nachzukommen.

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