Softwareentwicklung

10 Software-Flops und -Katastrophen

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3. Ariane 5 – der Code, den keiner brauchte

Glücklicherweise zieht ein Programmabsturz nur selten einen echten Absturz nach sich. Am 4. Juni 1996 war dies jedoch der Fall.

Mit dem Erstflug der Trägerrakete Ariane 5 sollte ein neues Kapitel der europäischen Raumfahrt aufgeschlagen werden. Der mit Spannung erwartete Start endete jedoch nach etwas mehr als einer halben Minute mit der Explosion der Rakete.

Glücklicherweise wurde bei dem Absturz der unbemannten Rakete niemand verletzt.

In den Wochen nach der Explosion stellte sich heraus, dass ein Softwarefehler das Desaster verursacht hatte. Der Code des Lenksystems war in Teilen vom Vorgängermodell Ariane 4 übernommen worden.

Dies brachte zu Probleme mit sich, da die Ariane 5 über andere Leistungsparameter als ihre Vorgängerin verfügte; unter anderem beschleunigt sie schneller. Dies führte in der Software der Trägheitsnavigationssysteme (INS) zu einem Überlauf bei der Variablen BH.

Die Variable bildete lediglich die Präzision der Ausrichtung der Trägheitsnavigationsplattform ab und hatte mit der Steuerung selbst wenig zu tun. Der Überlauf führte jedoch zum kompletten Ausfall der INS-Systeme.

Der Bordcomputer erhielt nur somit noch Statusinformationen von den Trägheitsnavigationssystemen und nahm – fälschlich – an, die Rakete sei von der Flugbahn abgewichen.

Die daraufhin eingeleitete Kurskorrektur führte zum Auseinanderbrechen des Flugkörpers.

Tragisch war jedoch, dass das fehlerhafte Softwaremodul in der Ariane 5 gar keine Funktion innehatte. Es war vom Vorgängermodell übernommen worden. Bei der Ariane 4 wurde es dazu benutzt, den Träger der Navigationsplattform nach einer Unterbrechung des Countdowns neu auszurichten.

Dieser Prozess war jedoch in der Ariane 5 anders gelöst.

Insofern ist es eine Ironie der Geschichte, dass einer der teuersten Softwarefehler durch ein Modul ausgelöst wurde, das eigentlich nicht gebraucht wurde.

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