Angriff auf Software-Lieferkette Zugangsdaten von über 2000 Unternehmen gestohlen

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Über ein manipuliertes Repository des Open-Source-Werkzeugs LiteLLM konnten Cyberkriminelle die Zugangsdaten für Build-Pipelines aus über 2500 Unternehmen abgreifen. Der Angriff dauerte gerade einmal 40 Minuten, in denen die Angreifer mehrere Terbytes an Daten abzogen.

Durch ein manipuliertes Repository des weit verbreiteten Open-Source-Tools LiteLLM konnten Angreifer mehrere Terabyte an Daten und Login-Credentials abgreifen. Das Security-Unternehmen CloudSEK kommt nach Auswerung der Daten zu dem Schluss, dass durch den im März diesen Jahres durchgeführten Angriff mehr als 2000 Unternehmen betroffen sind, darunter auch Größen wie Microsoft, Nvidia, AWS oder die Deutsche Bahn.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Durch ein manipuliertes Repository des weit verbreiteten Open-Source-Tools LiteLLM konnten Angreifer mehrere Terabyte an Daten und Login-Credentials abgreifen. Das Security-Unternehmen CloudSEK kommt nach Auswerung der Daten zu dem Schluss, dass durch den im März diesen Jahres durchgeführten Angriff mehr als 2000 Unternehmen betroffen sind, darunter auch Größen wie Microsoft, Nvidia, AWS oder die Deutsche Bahn.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Sicherheitsforscher haben neue Erkenntnisse zu einem Lieferkettenangriff auf das Open-Source-Werkzeug LiteLLM veröffentlicht. Nach Angaben der IT-Sicherheitsunternehmen CloudSEK und Hudson Rock waren von dem Vorfall mehr als 2500 Organisationen betroffen. Unter den Daten befinden sich demnach Zugangsinformationen aus Unternehmen wie Amazon Web Services, Cisco, Samsung, Salesforce, Siemens, Volkswagen und der Deutschen Bahn.

Bei LiteLLM handelt es sich um eine Open-Source-Bibliothek, die sich via Proxy-Server oder Python-SDK aufrufen lässt. Sie bietet ein einheitliches Interface, um über 100 Large Language Models aufzurufen, beispielsweise von OpenAI oder Anthropic.

Ausgangspunkt des Angriffs waren manipulierte Versionen von LiteLLM, die im März über den offiziellen Python Package Index (PyPI) verbreitet wurden. Die kompromittierten Pakete waren nach Angaben der Forscher lediglich rund 40 Minuten verfügbar. In dieser Zeit wurden sie jedoch von automatisierten Entwicklungs- und Build-Systemen in zahlreichen Unternehmen heruntergeladen und ausgeführt.

CloudSEK und Hudson Rock gehen davon aus, dass Daten aus rund 434.000 CI/CD-Pipelines betroffen sind. CI/CD-Systeme automatisieren unter anderem das Erstellen, Testen und Bereitstellen von Software und benötigen dafür häufig weitreichende Zugriffsrechte auf Quellcode-Repositories, Cloud-Dienste und andere interne Systeme. Die vorliegenden Daten zeigen, dass entsprechende Zugangsinformationen offengelegt worden sein können. Sie belegen jedoch nicht in jedem einzelnen Fall, dass sämtliche enthaltenen Zugangsdaten tatsächlich von Angreifern genutzt wurden.

Nach Angaben von Hudson Rock wurden die Erkenntnisse unter anderem durch die Analyse eines Datensatzes mit einem Umfang von 195 Terabyte gewonnen. Darin fanden die Forscher unter anderem Cloud-Schlüssel, Repository-Tokens, SSH-Schlüssel, Kubernetes-Secrets, Zugangsdaten für die Veröffentlichung von Softwarepaketen, Umgebungsvariablen sowie Schlüssel für KI-Dienste. Ein Teil dieser Informationen ließ sich konkreten Unternehmen zuordnen, bei anderen Datensätzen war dies wegen fehlender eindeutiger Merkmale nicht möglich.

Schadcode griff Daten aus Build-Systemen ab

Die manipulierten Softwarepakete enthielten Schadcode, der Informationen aus dem Speicher der betroffenen Systeme auslesen und an von den Angreifern kontrollierte Infrastruktur übertragen konnte. CloudSEK zufolge suchte die Malware, die von Google als „Sandclock“ bezeichnet wird, unter anderem gezielt nach API-Schlüsseln für Sprachmodelle und Konfigurationen von KI-Gateways. Die Daten wurden demnach vor der Übertragung verschlüsselt.

Nach Angaben der Forscher ist der LiteLLM-Vorfall Teil einer größeren Angriffskampagne gegen Software-Lieferketten. Zuvor war unter anderem der verbreitete Schwachstellen-Scanner Trivy kompromittiert worden. Auch die Software KICS und das Python-SDK des Telekommunikationsanbieters Telnyx sollen betroffen gewesen sein. Zu der Kampagne bekannte sich die Gruppe TeamPCP; Sicherheitsforscher halten deren Beteiligung den vorliegenden Erkenntnissen zufolge für plausibel.

Das besondere Risiko solcher Angriffe liegt in der automatisierten Weiterverarbeitung von Software-Abhängigkeiten. Wird ein Paket in einer zentralen Quelle manipuliert, können Build-Systeme die veränderte Version ohne manuelles Zutun abrufen und ausführen. Dadurch kann selbst ein vergleichsweise kurzes Zeitfenster ausreichen, damit sich Schadcode über zahlreiche voneinander unabhängige Entwicklungsumgebungen verbreitet.

Unklar ist weiterhin, wie viele der offengelegten Zugangsdaten noch verwendet werden können. Nach Einschätzung der Forscher reicht es nicht aus, lediglich die manipulierten Paketversionen zu entfernen. Zugangsschlüssel, Tokens und Passwörter können weiterhin gültig sein, solange sie nicht ausdrücklich widerrufen oder ersetzt wurden. Das FBI hatte laut CloudSEK im Juli zudem davor gewarnt, dass mit TeamPCP in Verbindung gebrachte Akteure erbeutete Zugangsdaten auch längere Zeit nach dem ursprünglichen Angriff missbrauchen könnten.

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Forscher empfehlen umfassenden Austausch von Zugangsdaten

CloudSEK und Hudson Rock empfehlen Organisationen, die LiteLLM in ihren Entwicklungsumgebungen einsetzen, insbesondere die Versionen 1.82.7 und 1.82.8 zu überprüfen. Potenziell betroffene Unternehmen sollten nach ihrer Einschätzung davon ausgehen, dass Geheimnisse, auf die die jeweilige LiteLLM-Umgebung zugreifen konnte, kompromittiert worden sein könnten. Dazu zählen unter anderem Cloud-Schlüssel, Kubernetes-Service-Account-Tokens sowie persönliche Zugriffstokens für GitHub und GitLab.

Zusätzlich raten die Forscher dazu, Protokolldaten auf verdächtige Zugriffe zu prüfen und den ausgehenden Netzwerkverkehr aus Build-Systemen stärker zu kontrollieren. Der Vorfall zeigt zugleich, welche Folgen kompromittierte Komponenten in modernen Software-Lieferketten haben können: Durch stark automatisierte Entwicklungsprozesse kann eine einzelne manipulierte Abhängigkeit innerhalb kurzer Zeit eine große Zahl von Unternehmen erreichen.

Von CloudSEK und Hudson Rock mit hoher Sicherheit als betroffen eingestufte Organisationen

  • Nvidia Corporation
  • Amazon Web Services (AWS)
  • Samsung Electronics
  • samsung.com
  • Salesforce, Inc.
  • Cisco Systems, Inc.
  • F. Hoffmann-La Roche AG
  • ServiceNow
  • Siemens AG
  • S&P Global
  • Airbus US Space & Defense
  • John Deere
  • Regeneron Pharmaceuticals, Inc.
  • London Stock Exchange Group (LSEG)
  • Thomson Reuters
  • FedEx
  • Munich Remunichre.com
  • MediaTek Inc.
  • Volkswagen AG
  • Deloitte
  • The Kroger Co.
  • Siemens Energy
  • Thales Group
  • X Corp (Twitter)
  • Zscaler, Inc.
  • Epic Games
  • Orange S.A.
  • HP Inc.
  • Philips
  • Fortum Oyj
  • Vodafone Group Plc
  • Carl Zeiss AG
  • Deutsche Bahn AG
  • NGINX, Inc.
  • BT Group
  • Liebherr
  • Krungthai Bank Public Company Limited
  • Roku, Inc.

(sg)

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