Vom Morsezeichen zum gesprochenen Wort Wie Fessenden und Poulsen dem Funk eine Stimme gaben

Von Antonio Funes 5 min Lesedauer

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Um 1900 übertrug Funk vor allem Punkte und Striche. Reginald Fessenden gelang eine der ersten drahtlosen Sprachübertragungen, während Valdemar Poulsen mit kontinuierlichen Funkwellen eine wichtige technische Voraussetzung für Funktelefonie und Rundfunk schuf.

Die Funkpioniere Reginald Fessenden und Valdemar Poulsen entwickelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts unabhängig voneinander Verfahren zur drahtlosen Übertragung von Sprache und Tönen. Beide trugen damit entscheidend zur Entwicklung des Rundfunks bei.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Die Funkpioniere Reginald Fessenden und Valdemar Poulsen entwickelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts unabhängig voneinander Verfahren zur drahtlosen Übertragung von Sprache und Tönen. Beide trugen damit entscheidend zur Entwicklung des Rundfunks bei.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Drahtlose Kommunikation ist für uns selbstverständlich. Die Anfänge der Technik lagen im Funksektor und waren zunächst vor allem für die Schifffahrt ein wahrer Gamechanger. Man konnte Informationen über Wetter, Gefahren oder andere wichtige Dinge übermitteln, selbst wenn Schiffe auf offener See ohne jeden Sichtkontakt zu anderen Schiffen oder Gebäuden unterwegs waren. In unserem Alltag sind Funk, Rundfunk sowie mobile Telefonate und mobiler Datenverkehr gar nicht mehr wegzudenken.

Zwei Pioniere der Grundlagen dafür waren der Kanadier Reginald Aubrey Fessenden und der Däne Valdemar Poulsen, die kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts wichtige Grundlagen für die drahtlose Übertragung von Sprache und Tönen schufen. Wir schauen uns das Leben und Wirken der beiden für die drahtlose Sprachübertragung verantwortlichen Persönlichkeiten an. Zu Valdemar Poulsen haben wir dabei einen nur kurzen Abschnitt vorbereitet, denn ihm widmen wir demnächst einen eigenen Artikel zu dem Thema, das ihn bekannt machte, nämlich dem Telegraphon, einem frühen Anrufbeantworter und dem ersten praktisch funktionsfähigen magnetischen Tonrekorder. Starten wollen wir nun mit Reginald Aubrey Fessenden.

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Fessenden: Akademische Anfänge

Am 6. Oktober 1866 wurde Reginald Aubrey Fessenden in East Bolton im damaligen Canada East geboren, das Teil der britischen Province of Canada war. Die heutige Provinz Quebec entstand erst 1867. Fessenden wird heutzutage als Autodidakt ohne formale Ausbildung in angewandter Wissenschaft oder Ingenieurwesen angesehen. Im Rahmen seiner Forschungen traf er auch Thomas Alva Edison und arbeitete mit ihm in den USA an Isoliermaterialien für Stromkabel. 1892 war er zusammen mit dem Erfinder und Industriellen George Westinghouse mitverantwortlich für die elektrische Beleuchtung der Weltausstellung in Chicago, die 1893 stattfand. Durch seine Arbeiten wurde Reginald Aubrey Fessenden zum Professor für Elektrotechnik an der Purdue University in West Lafayette (Indiana), im Folgejahr ernannte ihn die Western University of Pennsylvania in Pittsburgh zum Leiter des neu gegründeten Electrical Engineering Departments.

Unzählige Patente und Pionierleistungen beim Sprachfunk

Im Laufe seiner Karriere hielt Reginald Aubrey Fessenden die stolze Anzahl von über 500 Patenten. Besonders wichtig war aber seine Forschung zur drahtlosen Tonübertragung – hierzu verlief am 23. Dezember 1900 ein Experiment mit einem hochfrequenten Funkensender mit etwa 10.000 Funken pro Sekunde und einem Kohlemikrofon erfolgreich, bei dem die Übertragungsweite 1,5 Kilometer betrug. Dies war ein absoluter Meilenstein für die Grundlagen des Sprachfunks. Zusammen mit Unternehmern aus Pittsburgh gründete Fessenden im Jahr 1902 die NESCO (National Electric Signaling Company) und die Versuchs- und Funkstation des Unternehmens lag fast 800 Kilometer von Pittsburgh entfernt an der Küste von Massachusetts in Brant Rock, etwa 40 Kilometer südöstlich von Boston.

Zuvor hatte Fessenden von 1900 bis 1902 im Auftrag des U.S. Weather Bureau an drahtlosen Übertragungssystemen gearbeitet. Nach einem Streit über die Rechte an seinen Erfindungen beendete er die Zusammenarbeit. Mit der NESCO setzte er seine Forschungen anschließend privat finanziert fort und verfolgte dabei unter anderem das Ziel einer transatlantischen Funkverbindung. Der bekannte Ingenieur Charles P. Steinmetz setzte 1903 bei General Electric die Pläne eines Maschinensenders von Fessenden um, im Folgejahr gab Fessenden den Bau eines deutlich stärkeren Senders in Auftrag. Der Sender war ein Alexanderson-Alternator und wurde 1906 in der Funkstation Brant Rock installiert. Diese Art von Hochfrequenzalternator hatte der aus Schweden stammende US-Ingenieur Ernst Alexanderson nach Fessendens Anforderungen konstruiert.

Fessendens Rundfunk und Lebensende

Mit dem 1906 in Brant Rock installierten Sender soll Fessenden im gleichen Jahr an Weihnachten eine Sendung mit Sprache und Musik ausgestrahlt haben, die häufig als erste Hörfunksendung der Welt bezeichnet wird. Die Inhalte der Sendung waren weihnachtlicher Natur. Unter anderem las Fessenden einen Bibelvers vor und spielte „O Holy Night“ auf einer Violine. Den NESCO-Kunden hatte er zuvor mitgeteilt, an dem Abend die Empfänger um 21 Uhr einzuschalten. Eine weitere Sendung an Silvester soll noch in der Karibik von Schiffen empfangen worden sein. Der letzte Aufenthaltsort von Reginald Aubrey Fessenden war auf den Bermuda-Inseln. Dort verstarb Fessenden am 22. Juli 1932 im Alter von 65 Jahren.

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Geehrt wurde er posthum unter anderem von der kanadischen Regierung, und zwar am 20. Mai 1943 für sein Lebenswerk als „Person von nationaler historischer Bedeutung“. Außerdem ist das Wohnhaus von Reginald Aubrey Fessenden in Newton (Massachusetts) als eine nationale historische Landmarke der USA im Nationalregister für historische Stätten der USA eingetragen.

Valdemar Poulsen: Sprachaufzeichnung per Induktion

Mit Valdemar Poulsen geht es nun um den zweiten Funk-Pionier unseres Artikels. Geboren wurde er am 23. November 1869 in Kopenhagen und ist somit gute drei Jahre jünger als Fessenden. Poulsen war der Sohn von Jonas Nicolai Johannes Poulsen. Die Mutter von Valdemar Poulsen hieß Rebekka Magdalena, geborene Brandt, und verstarb nur vier Jahre nach seiner Geburt.

Während seiner Schulzeit in Kopenhagen interessierte sich Poulsen vor allem für Chemie und Physik, obwohl er im Fach Mathematik Schwächen hatte. Ab 1889 studierte er an der Universität von Kopenhagen Philosophie und Medizin, machte dabei aber immer wieder Abstecher zu Chemie-Vorlesungen. Ein Medizin- oder Ingenieurstudium schloss er nicht ab. Zudem wurde er an der Polytechnischen Universität Kopenhagen wegen eines nicht bestandenen Mathematiktests abgewiesen.

Nach einem Fabrikjob bekam er 1893 eine Anstellung bei der KTAS, der Kopenhagener Telefongesellschaft, um als Ingenieur Versuche zu begleiten. Hierbei erfand er im Jahr 1898 ein Gerät, das Schall über elektromagnetische Induktion aufzeichnen konnte – die Motivation entstand, seinen eigenen Erzählungen nach, daraus, dass Anrufer keine Nachrichten hinterlassen konnten. Poulsens Telegraphon gilt als erster praktisch funktionsfähiger magnetischer Tonrekorder und wurde unter anderem als Anrufbeantworter konzipiert.

Es basierte auf elektrischen Induktionen, um Schallwellen magnetisch aufzuzeichnen und sie auch wieder abzuspielen. Poulsen gründete eine eigene Firma, um das Gerät weltweit zu verbreiten, scheiterte allerdings mit seinen Plänen, auch wegen technischer Nachteile seines Telegraphons – mehr Details dazu werden wir in einem separaten Artikel zu Valdemar Poulsen aufarbeiten, machen aber an dieser Stelle mit seinen Verdiensten für die drahtlose Sprachübertragung weiter.

Poulsen als Nummer 2 beim Sprachfunk

Noch bevor Valdemar Poulsen mit seinem Telegraphon endgültig scheiterte, gelang ihm ein Husarenstück, das auch der Grund für sein Mitwirken in unserem heutigen Artikel ist. Denn im Zeitraum von 1902 bis 1903 entwickelte er einen Lichtbogensender, der ungedämpfte Schwingungen erzeugen konnte. Da die Frequenzen und Amplituden seines Senders besonders stabil waren, bot er sich für die Modulation von Audiosignalen an.

Valdemar Poulsen kann eine absolute Funk-Pionierleistung auf seinem Konto verbuchen: 1907 gelang mit seiner Technik weitreichende Radiotelegrafie. Auf der Fahrt nach New York empfing beispielsweise die Hellig Olav 1907 Telegramme der Poulsen-Station in Lyngby über eine Entfernung von bis zu 3.300 Kilometer. Seine erste Frau, Frederike Marie, verstarb 1921. Mit ihr hatte er den 1896 geborenen Sohn Christian Henrik Otto, der später als Geologe bekannt wurde. Im Jahr 1923 heiratete Valdemar Poulsen die 30 Jahre jüngere Asta Stoltz Nielsen. Am 23. Juli 1942 verstarb er im Alter von 72 Jahren in Gentofte bei Kopenhagen.

Sowohl Poulsen als auch Fessenden standen trotz ihrer Meilensteine bei der drahtlosen Sprachübertragung immer im Schatten des Italieners Guglielmo Marconi, dem wiederum 1901 die erste Morsesignalübertragung über den Atlantik gelang. Denn Marconi verstand es enorm, seine Entwicklungen zu vermarkten und sich unternehmerisch auszubreiten. Mit seinen Funk-Produkten baute er unter anderem ein Imperium im Bereich des Schiffsfunks auf. Trotzdem dürfen wir Valdemar Poulsen und Reginald Aubrey Fessenden ohne Abstriche als zwei der wichtigsten Pioniere der drahtlosen Sprachübertragung bezeichnen, die somit die Basis für den modernen Rundfunk legten. (sb)

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