IAA Transportation Die Highlights der Zulieferer in Hannover

Von Stefanie Eckardt 6 min Lesedauer

Vom 15. bis 20. September 2026 steht das Messegelände Hannover wieder ganz im Zeichen von neuen Nutzfahrzeugen, Mobilitätskonzepten und Technologien für die Transport- und Logistikbranche. Unter dem Motto „We deliver“ will die Industrie zeigen, wie sie Klimaneutralität, KI, Digitalisierung und Autonomie vorantreibt.

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Aumovio stellt das Software-definierte Nutzfahrzeug in den Mittelpunkt seines Messeauftritts.(Bild:  Aumovio)
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Aumovio stellt das Software-definierte Nutzfahrzeug in den Mittelpunkt seines Messeauftritts.
(Bild: Aumovio)

Sie gilt als wichtigste internationale Leitplattform für die Nutzfahrzeug-, Transport- und Logistikindustrie: die IAA Transportation. Mitte September 2026 zeigt sich, wie Nutzfahrzeug- und Bushersteller, Aufbauten- und Anhängerproduzenten, Unternehmen aus der Mikromobilität, Lastenfahrrad- und Kleinfahrzeuganbieter, Zulieferer, Technologieanbieter, Dienstleister und Start-ups die vergangenen zwei Jahre genutzt haben, um Lösungen für die großen Herausforderungen der Transportbranche zu entwickeln. Einige Hersteller haben bereits im Vorfeld der Messe ihre Neuheiten vorgestellt. Insbesondere die angeschlagene Zuliefererindustrie bringt einige Technologien nach Niedersachsen mit, die zur Erreichung der europäischen CO2-Flottenziele beitragen oder den Berufsalltag der Fahrer erleichtern.

Range-Extender als Lösung für mangelhafte Infrastruktur

Der Straßengüterverkehr ist der mit Abstand wichtigste Verkehrsträger in Deutschland. Allerdings sorgt er auch mit Abstand für die meisten CO2-Emissionen im Verkehrssektor. Die Umstellung auf Elekto-Lkw gestaltet sich allerdings als schwierig. Nicht, weil die Fahrzeugtechnologie nicht so weit wäre, sondern weil die Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge hinterherhinkt. Es gibt europaweit erst rund 2.000 öffentliche Ladepunkte für Lkw, benötigt werden jedoch bis 2030 rund 50.000. Es fehlen vor allem Flächen an Autobahnen, ausreichend hohe Netzanschlüsse und maßgeschneiderte Megawatt-Ladesysteme für den Güterfernverkehr. Hier setzt Mahle an. Der Stuttgarter Automobilzulieferer arbeitet daran, dass Transportunternehmen vom bis heute dominanten Diesel-Lkw schneller auf batterieelektrische Nutzfahrzeuge umsteigen können. Hierfür hat das Unternehmen einen neuen Range Extender (Bild 1) entwickelt. „Range Extender-E-Trucks verbinden die Nachhaltigkeit des Elektroantriebs mit der Flexibilität und Reichweite des Verbrennungsmotors. Sie unterstützen das kostensensitive Transportgewerbe, die Gesamtbetriebskosten über die Fahrzeuglebensdauer zu senken und erleichtern klimafreundliche Investitionen. Darüber hinaus leisten Range Extender-BEVs einen Beitrag zur Erreichung der europäischen CO2-Flottenziele“, erklärt Arnd Franz, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CEO von Mahle. Das neue Range Extender-System wird in Hannover seine Weltpremiere feiern. Mit dem Mahle-System an Bord soll ein batterieelektrischer Lkw alle täglichen Fahrleistungen abdecken können, wie Dr. Marco Warth, Leiter der Konzernentwicklung betonte: „Unser Range Extender ist ein intelligentes ‚Notstromaggregat‘, das im richtigen Moment anspringt und die Reichweite entscheidend erhöht.“

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Herzstück des neuen Systems ist ein effizienter Hochvoltgenerator mit 110 kW Dauerleistung und bis zu 130 kW Spitzenleistung, der von einem kompakten Verbrennungsmotor angetrieben wird. Der Hochvolt-Generator versorgt den Elektro-Antrieb auch auf anspruchsvollen Strecken und bei voll beladenen Lkw. Seine Architektur kann problemlos an die jeweiligen Leistungsanforderungen verschiedenster Anwendungen und regionaler Märkte angepasst werden. Der Generator erreicht dank fortschrittlicher neu entwickelter Ölkühlung eine Leistungsdichte von mehr als 7 kW pro kg und ermöglicht dadurch hohe Leistung bei reduziertem Gewicht und vereinfachten Schnittstellen.

Mahle hat sein Range Extender-System als eigenständige Einheit entwickelt, die Generator, Verbrennungsmotor, Thermo- und Fluidmanagement, Kraftstofftank, AdBlue-Tank und Abgasnachbehandlung in einer kompakten „Box“ vereint. Sie passt in den üblichen Batterie-Einbauraum eines BEV-Lkw und kann daher problemlos in bestehende batterieelektrische Fahrzeugplattformen integriert werden. Das System ersetzt etwa ein Drittel der bestehenden Batteriekapazität eines BEV-Trucks. Dieser kann deshalb mit einer entsprechend kleineren Batterie ausgerüstet werden. Dadurch werden im Fahrzeug ca. 400 kg Achslast an der Hinterachse eingespart. Das Fahrzeuggewicht verringert sich um ca. 600 kg. Insgesamt kommt ein Range-Extender-BEV-Lkw so auf eine Reichweite von über 800 km, ca. 400 km leistet die Batterie, die anderen 400 km der Range Extender.

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Zero Emission als mittelfristiges Ziel

Zero Emission stellt eine zentrale Herausforderung und zugleich Chance für die Nutzfahrzeugbranche dar, da sie wie gesagt einen Großteil der CO2-Emissionen im Verkehrssektor ausmacht. Elektrifizierung ist auf diesem Weg zwar der technologische Treiber– aber nicht der einzige. Knorr-Bremse versteht Zero Emission deshalb umfassender: Neben der Reduktion von CO₂-Emissionen spielen auch die Senkung von Lärm-, Öl- und Partikelemissionen sowie das Erreichen einer höheren Systemeffizienz eine wichtige Rolle. Die Elektrifizierung ist für den emissionsfreien Verkehr von zentraler Bedeutung, ihre Umsetzung entwickelt sich jedoch regional sehr unterschiedlich. Denn Faktoren wie Gesamtbetriebskosten, Regulierung, Technologie und Infrastruktur bestimmen, mit welcher Geschwindigkeit sich neue Lösungen in den einzelnen Märkten durchsetzen. Auf diese unterschiedlichen Marktanforderungen hat Knorr-Bremse seine Zero-Emission-Strategie ausgerichtet. Ein Beispiel hierfür ist der elektrisch angetriebene Kompressor: In den vergangenen Jahren hat Knorr-Bremse unterschiedliche Verdichtungskonzepte analysiert und erprobt, um die optimale Technologie für zukünftige elektrifizierte Nutzfahrzeuge zu identifizieren. Das Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit ist der neue ölfreie elektrisch angetriebene Multi-Tumble-Piston-Kompressor, der in Hannover seine Premiere feiern wird.

Ein weiteres Produkt, das der Zulieferer ausstellen wird, ist die Electric Vehicle Motion Control (eVMC), die durch intelligente Bremssteuerung die maximale Rekuperation fördert. Mit der Software optimiert Knorr-Bremse die Längsdynamik elektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge und steigert die Energierückgewinnung beim Bremsen. Für Fahrzeughersteller bedeutet dies höhere Energieeffizienz sowie ein stabileres und präziseres Fahrverhalten. eVMC ist Teil der modularen Bremssteuerung Global Scalable Brake Control (GSBC) und optimiert die Rekuperation durch eine weiterentwickelte Brake-Blending-Strategie. Die Software lässt sich flexibel in verschiedene elektrische Antriebsstrangkonfigurationen integrieren – vom zentralen E-Motor bis zu Mehrmotoren-Layouts mit achs- oder radindividuellem Antrieb.

Batterietechnik speziell für Nutzfahrzeuge entwickelt sich weiter

Ein weiteres Messe-Highlight hat CATL im Gepäck, nämlich die Hochleistungsbatterie Tectrans II für leichte Elektro-Nutzfahrzeuge. Die speziell für Transporter und leichte Nutzfahrzeuge entwickelte Batterie bietet nach Unternehmensangaben eine Spitzenladeleistung von 8C in diesem Fahrzeugsegment und soll damit Ladezeiten auf das Niveau herkömmlicher Tankvorgänge reduzieren. Die Batterie ermöglicht laut CATL eine Ladung von 20 auf 80 Prozent in 6 Minuten und 48 Sekunden. Eine vollständige Ladung soll bereits nach 8 Minuten und 56 Sekunden abgeschlossen sein. Damit richtet sich die Batterie insbesondere an Logistikunternehmen, deren Fahrzeuge möglichst kurze Standzeiten aufweisen müssen.

Software-definierte Nutzfahrzeuge in der Spur

Mit dem Übergang zu Software-definierten Fahrzeugarchitekturen verändern sich auch die Entwicklung, die Integration und der Betrieb von Nutzfahrzeugen grundlegend. Aumovio will auf der IAA Transportation zeigen, wie sich Hardware, Software, Architekturplattformen und Services in einem integrierten Ansatz verbinden lassen (Bild 2). Darüber hinaus will man sich als Systempartner präsentieren, der zentrale Bausteine – von Hochleistungsrechnern über Konnektivität bis hin zu Over-the-Air-Funktionen – aus einer Hand bereitstellt. Entwicklungszyklen werden kürzer, neue Funktionen schneller verfügbar und komplexe Fahrzeugarchitekturen für Hersteller besser beherrschbar.

Mit einem entsprechenden Software- und Service-Angebot für Software-definierte Nutzfahrzeuge, einschließlich ADAS- und Parksoftware, KI-gestützter Wahrnehmungs- und Entscheidungsfunktionen, digitaler Dienste, Cloud-Intelligenz sowie der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Fahrzeugfunktionen, möchte auch Valeo punkten und hat für viele Fragen und Herausforderung die Antwort, sprich anSWer für SDV-Technologien. Darüber hinaus arbeitet der französische Zulieferer daran, die Sicherheit im Fahrzeuginnenraum zu erhöhen, das Fahrumfeld zu verbessern und das Fahrverhalten von Fahrzeugen für alle Verkehrsteilnehmer – auf und abseits der Straße vorhersehbarer zu machen. Der Lichtspezialist zeigt beispielsweise, wie die Adaptive-Driving-Beam-Technologie das Fernlicht automatisch an den Gegenverkehr anpasst, wodurch die Sicht bei Nacht für Fahrer maximiert wird, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Während sich die blendfreie Lichttechnologie im Pkw-Bereich bereits als Standard etabliert hat, bringt Valeo diese Lösung nun auch in den Nutzfahrzeugmarkt.

Fahrerassistenzsysteme sorgen für mehr Sicherheit

ZF demonstriert, wie sich einzelne Fahrerassistenzfunktionen zu einem ganzheitlichen, systembasierten Sicherheitsansatz weiterentwickeln. Skalierbare Radar- und Kamerasysteme ermöglichen eine durchgängige 360 Grad-Wahrnehmung rund um Zugfahrzeug und Anhänger und reduzieren so tote Winkel signifikant im Einklang mit der langfristigen Vision von null Unfällen.

Durch die enge Integration von Assistenzsystemen, Bremssystemen und Lenkung entsteht ein vernetztes Sicherheitsökosystem, das unterschiedliche Funktionen intelligent miteinander verbindet. Grundlage ist eine neue ADAS-Architektur, die Sensorik über den gesamten Fahrzeugzug hinweg vernetzt und so eine höhere Skalierbarkeit sowie einen klaren Entwicklungspfad in Richtung weitergehender Automatisierung ermöglicht.

Der systemische Ansatz geht dabei über das Zugfahrzeug hinaus: Integrierte Trailer-Lösungen erweitern die Sicht entlang der gesamten Fahrzeugkombination und verbessern die Sicherheit beim Rangieren oder Abbiegen. Beim Rückwärtsfahren können Assistenzsysteme Hindernisse hinter dem Anhänger erkennen und bei Bedarf automatisch eingreifen, um Kollisionen zu vermeiden – wie etwa auf dem Betriebshof.

Des Weiteren erhöht ein Aufmerksamkeitsüberwachungssystem des Automobilzulieferers die Sicherheit im Straßenverkehr (Bild 3), indem es Ablenkung und Ermüdung des Fahrers erkennt und frühzeitig warnt. In niedrigen Geschwindigkeitsbereichen unterstützen zusätzliche Assistenzfunktionen mit Warn- und Bremseingriffen insbesondere beim Abbiegen oder Anfahren und tragen somit zum Schutz vulnerabler Verkehrsteilnehmer im urbanen Umfeld bei. Darüber hinaus erkennt Rescue Assist herannahende Einsatzfahrzeuge frühzeitig mithilfe der akustischen Sirenenerkennung. (se)

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