MTM Power ist ein mittelständisches Unternehmen aus dem thüringischen Schwarzatal. Das Unternehmen liefert maßgeschneiderte Stromversorgungen dorthin, wo Standardkomponenten versagen. Es versteht sich als Manufaktur für Leistungselektronik mit hoher Fertigungstiefe.
Die Geschäftsführer von MTM Power, Florian Greiner-Matzen Sohn (links) und Anselm Hugle, vor dem historischen Stammhaus des Unternehmens. Die Unternehmensspitze verbindet den Traditionsstandort in Thüringen mit einer international ausgerichteten Fertigungs- und Entwicklungsstrategie für anspruchsvolle Nischenmärkte im Bereich der Stromversorgung.
(Bild: MTM Power)
Wenn ein ICE über die Schnellfahrstrecke rauscht, sind Stromversorgungen an Bord, die nicht ausfallen dürfen. Ein Unternehmen, das solche Stromversorgungen herstellt, ist MTM Power im thüringischen Schwarzatal in der Nähe von Ilmenau. Die Stromversorgungen sind je nach Ausführung mit Schutzart IP67 oder bis IP69K erhältlich und für Ex-Schutz-Bereiche sowie sicherheitskritische Anwendungen geeignet.
Wer MTM Power besuchen möchte, muss genau hinschauen: Eingebettet im Tal der Schwarza könnte man das Unternehmen schnell übersehen. Doch wer dort angekommen ist, sieht und spürt die Aufbruchsstimmung vor Ort. Mit vollem Namen heißt das Unternehmen MTM Power Messtechnik Mellenbach GmbH. Der ursprüngliche Messtechnik-Betrieb, den der Gründer nach der Wende über die Treuhand übernahm, ist längst Geschichte. Geblieben sind die drei Buchstaben. Und seit einiger Zeit eine Aufbruchstimmung.
Das verdeutlicht ein Gang durch die Fertigung und Entwicklung. Hier wird nicht nur montiert, sondern gefertigt, geprüft und auch investiert. MTM Power betreibt außerdem ein voll ausgestattetes EMV-Labor mit Messempfängern, Störgeneratoren, einer Absorberhalle und Messplätzen bis 6 GHz.
Manufaktur statt Millionenstückzahlen
Historische Fassade, moderne Leistungselektronik: So präsentiert sich der Stammsitz von MTM Power im thüringischen Schwarzatal. Aus einem ehemaligen DDR-Messtechnikbetrieb hat sich eine spezialisierte Elektronikfertigung für Bahn-, Industrie- und Defense-Wandler entwickelt. Ein hauseigenes 6-GHz-EMV-Labor gehört ebenfalls dazu.
(Bild: MTM Powe)
Hohe Fertigungstiefe vor Ort: Ein Blick in die Elektronikfertigung am Hauptsitz im thüringischen Schwarzatal. MTM Power organisiert die Produktion in flexiblen Inselstrukturen, um maßgeschneiderte Kleinserien von Stromversorgungen und Wandlern effizient fertigen zu können.
(Bild: MTM Power)
Die Wurzeln des Unternehmens liegen im Frankfurter Raum, wo der Gründer zunächst als Handelsvertreter japanische AC/DC-Wandler vertrieb. Nach der Wende nutzte er die Chance der Treuhand, um die Produktion im Osten Deutschlands aufzubauen. Dabei prägten von Beginn an strategische Meilensteine die Firma. So öffnete die Übernahme der Karlsruher Firma Schiller die Tür zur Bahntechnik. Die damals entwickelten Wandler für die Wagen laufen in ähnlicher Form teilweise bis heute. Parallel dazu erschloss sich MTM Power Nischen, in denen Standardkomponenten versagen, beispielsweise in rauen Umgebungen, bei Anforderungen an Schutzarten wie IP67 oder IP69K, in Ex-Schutz-Bereichen oder bei dezentralen Applikationen unter Förderbändern.
Das Geschäftsmodell grenzt sich bewusst von der Automobilindustrie ab. Geschäftsführer Anselm Hugle beschreibt die Ausrichtung nüchtern: „Wir wollen keine Millionenstückzahlen. Unsere Kunden bestellen von Stückzahl 1 bis 50.000.“ Und mit Blick auf die Großserie fügt er hinzu: „Von den Automobilisten lassen wir lieber unsere Finger.“
Das Portfolio reicht von Wandlern für Lokomotiven und einer breiten Auswahl an industriellen Anwendungen über Serienlösungen für Gabelstapler bis hin zu Stromversorgungen für die Marine. Um im internationalen Preiswettbewerb zu bestehen, setzt das Unternehmen auf eine zweigleisige Strategie: Handwerkliche, arbeitsintensive Prozesse wie das Wickeln werden über die polnische Tochter ELSIT in Gliwice abgefedert, während man parallel über Entwicklungspartnerschaften nach globalen Kostenstrukturen sucht.
Dass globaler Einkauf im Power-Design nur über enge technische Rückkopplung funktioniert, zeigt ein gemeinsam mit einem asiatischen Partner entwickelter Wandler für Gabelstapler. Die Ergebnisse der ersten Muster verdeutlichten, dass technische Anforderungen unterschiedlich interpretiert werden können: Prüfungen, die für MTM Power selbstverständlich dazugehören, waren auf Partnerseite ohne ausdrückliche Vorgabe nicht vorgesehen. Entscheidend war deshalb nicht nur das Lastenheft, sondern ein gemeinsames Verständnis von Entwicklungs- und Prüfprozessen. Die Erfahrung zeigt, warum MTM Power internationale Partnerschaften technisch eng begleitet und auf gemeinsames Engineering statt bloße Auftragsvergabe setzt. Zugleich erschließt sich das Unternehmen neue Märkte. Der Defense-Sektor, bislang bei rund 0,5 Prozent, soll auf zwei bis fünf Prozent ausgebaut werden.
Die Fertigung vor Ort heißt Investition und Inselstrukturen
Ein zentraler Baustein ist die Fertigung im thüringischen Stammwerk. MTM Power setzt bewusst auf eine hohe Wertschöpfung in den eigenen Hallen. Die Produktion ist als Inselfertigung organisiert, um flexibel auf kundenspezifische Kleinserien reagieren zu können.
Stand: 08.12.2025
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Um den Standort abzusichern, investiert das Unternehmen über 3,5 Mio. Euro in die Modernisierung. Geschäftsführer Florian Greiner-Matzen Sohn, der als technischer Geschäftsführer Produktion, Einkauf, Technologie und Qualitätssicherung verantwortet, betont die Notwendigkeit dieser Ausrichtung: „Die Entwicklung, Technologie und Fertigung müssen viel früher im Produktentwicklungsprozess verzahnt werden, damit es dort so gut wie möglich und kostengünstig funktionieren kann.“
Während in Polen Skalierungseffekte genutzt werden, bleibt das Stammhaus im Schwarzatal das technologische und fertigungstechnische Zentrum für anspruchsvolle Leistungselektronik.
Messtechnik als begleitendes Entwicklungswerkzeug
Handwerk trifft Automatisierung: Ein Cobot handhabt eine bestückte Baugruppe für eine Stromversorgung. Trotz des manufakturellen Charakters bei Spezialwandlern investiert das Unternehmen gezielt in moderne Fertigungstechniken, um die Prozesse im Stammhaus sowohl reproduzierbar als auch kosteneffizient zu gestalten.
(Bild: MTM Power)
Für den Elektronikentwickler, der ein Netzteil oder einen DC/DC-Wandler in ein Gesamtsystem integriert, ist ein Ansprechpartner auf Augenhöhe entscheidend, der die Normenwelt wie die EN 50155 für Bahnapplikationen beherrscht. Bei MTM Power ist die EMV kein reines Abnahmezertifikat am Ende. Das zeigt die Geschichte des Labors. Was im Jahr 2002 mit einer kleinen Kabine, einem Messempfänger und einem Störgenerator begann, wuchs 2009 zu einem eigenständigen Geschäftsbereich mit Absorberhalle und Prüfplätzen heran.
Matthias Bargel, Head of Development and Testing, erläutert das Vorgehen: „Ich mache das nicht am Ende und stelle dann fest, ob es passt. EMV wird von Anfang an in die Entwicklung einkonstruiert.“ Vormessungen während der Designphase, Optimierungsrunden und Freigabemessungen gehören zum Standard. Das Labor geht dabei oft über die reinen Normvorgaben hinaus. Bargel erklärt: „Wir stellen fest, dass auch Tests gewünscht werden, wenn sie nicht zu 100 Prozent für die Anwendungssituation der Applikation zwingend sind. Die Norm schreibt das nicht vor, aber die Anwender wollen das wissen. Dazu zählen beispielsweise oft BCI-Tests oder statische und dynamische Magnetfeldtests.“
Zudem begleitete das Unternehmen die Normungsarbeit in Gremien wie DKE, IEC und ZVEI über Jahre aktiv und treibt aktuell die Integration der EMV-Simulation auf Basis von CAD- und Leiterplattendaten voran, um Störeffekte in der frühen Musterphase virtuell abzufangen.
Flash-Charging und das eigene Profil
Neben der Bahn- und Industrietechnik diversifiziert MTM Power sein Portfolio. Im Fokus steht dabei die E-Mobilität, konkret eine anvisierte Übernahme im Segment Flash-Charging für Elektrobusse und Nutzfahrzeuge, um Ladezeiten an Haltestellen zu verkürzen.
So bleibt MTM Power, was es seit 35 Jahren ist: ein Mittelständler, der die Nischen besetzt, in denen es auf Verlässlichkeit, Tiefe und Nähe ankommt. Der Name ist heute ein Versprechen. Das Schwarzatal, die historische Wiege der Produktion, bleibt das starke Fundament, auf dem die Zukunft gestaltet wird. (heh)