Testumgebung vor dem Standard Wie Messtechnik im unfertigen 6G-Band arbeitet

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Für das 6G-Kandidatenband FR3 existiert bislang weder ein finaler Funkstandard noch eine harmonisierte weltweite Bandaufteilung. Trotzdem müssen Verstärker, Frontends und Antennenarrays schon jetzt validiert werden. Ein koreanisches Prüf- und Zertifizierungsinstitut hat mit dem MT8000A von Anritsu eine FR3-Testumgebung aufgebaut.

Die Radio Communication Test Station MT8000A von Anritsu deckt mit einer neuen HF-Hardware-Option den FR3-Bereich von 7,125 GHz bis 16 GHz ab. Damit ist es Grundlage für erste Tests im Umfeld künftiger 6G-Systeme, deren Standardisierung noch nicht abgeschlossen ist.(Bild:  Anritsu)
Die Radio Communication Test Station MT8000A von Anritsu deckt mit einer neuen HF-Hardware-Option den FR3-Bereich von 7,125 GHz bis 16 GHz ab. Damit ist es Grundlage für erste Tests im Umfeld künftiger 6G-Systeme, deren Standardisierung noch nicht abgeschlossen ist.
(Bild: Anritsu)

Entwickler, die HF-Frontends, Leistungsverstärker oder Antennenarrays für künftige 6G-Systeme auslegen, stehen vor einem Problem: Das derzeit aussichtsreichste Kandidatenband, FR3 im Bereich von rund 7,125 bis 24,25 GHz, ist messtechnisch und regulatorisch noch nicht vollständig definiert. Ein finaler 6G-Funkstandard existiert bislang nicht, und die Bandaufteilung ist international nicht harmonisiert, da in weiten Teilen des Spektrums bereits andere Dienste betrieben werden.

Auch bei den Kanalmodellen ist die Lage komplex: Die 3GPP-Studie zum Kanalmodell für Frequenzen von 7 bis 24 GHz wurde zwar bereits abgeschlossen und in die Pflege und Weiterentwicklung bestehender Modelle überführt. Allerdings ist damit eine verbindliche Grundlage für den gesamten Bereich noch nicht etabliert.

Wer dennoch entwickelt, arbeitet gegen ein bewegliches Ziel. Die Pfaddämpfung lässt sich zwar je nach Frequenz, Entfernung und Ausbreitungsszenario modellieren, und auch der Wirkungsgrad eines Leistungsverstärkers ist eine charakterisierbare Größe. Was fehlt, ist eine belastbare, standardisierungsnahe Testumgebung, an der sich Prototypen und spätere Serienprodukte verifizieren lassen.

Das Korea Testing & Research Institute (KTR) mit Sitz in Gwacheon-si hat vor diesem Hintergrund mit Anritsus Radio Communication Test Station MT8000A eine FR3-Testumgebung aufgebaut, zusätzlich zu bestehenden Testkapazitäten für 4G und 5G. Das gab Anritsu am 18. August 2026 bekannt. Relevant ist dabei weniger die Beschaffung selbst als die Frage, welchen Teil des Frequenzbands eine solche Testumgebung tatsächlich abdeckt.

Kompromiss zwischen Reichweite und Kapazität

FR3 bezeichnet das obere Mittelband zwischen dem bisherigen FR1 (bis 7,125 GHz) und dem Millimeterwellenbereich FR2 (ab 24,25 GHz). Die Motivation für dieses Band liegt in einem Kompromiss. Man will bessere Ausbreitungseigenschaften als im Millimeterwellenbereich bei gleichzeitig deutlich mehr verfügbarem Spektrum als im klassischen Mittelband erreichen. Allerdings stehen dem technische Nachteile gegenüber. Dazu gehören beispielsweise eine höhere Pfaddämpfung als in FR1, ein geringerer Wirkungsgrad von Leistungsverstärkern und HF-Frontends sowie erhöhte Anforderungen an die Antennentechnik, insbesondere an Beamforming und Antennenarrays.

Frequenzabdeckung des MT8000A

Mit der HF-Hardware-Option, die Anritsu im Februar 2026 als Early Support für das 6G-FR3-Frequenzband von 7 bis 24 GHz angekündigt hat, unterstützt das MT8000A Frequenzen von 7,125 bis 16 GHz. Bezogen auf das gesamte diskutierte FR3-Fenster von 7,125 bis 24,25 GHz entspricht das rund 52 Prozent der Bandbreite. Der obere Bereich von 16 GHz bis 24,25 GHz, der ebenfalls als 6G-Kandidat gehandelt wird, bleibt in dieser Konfiguration unberücksichtigt.

Die abgedeckte Teilstrecke schließt allerdings jenen Bereich ein, in dem die frühesten Interessenten für eine kommerzielle Nutzung liegen, grob zwischen 7,125 und 8,4 GHz. Anritsu weist zudem darauf hin, dass der Applikationssupport für FR3 je nach Konfiguration und Softwarestand variiert. Ob KTR mit dieser Standardkonfiguration arbeitet oder eine erweiterte Variante einsetzt, hat das Unternehmen in seiner Pressemitteilung nicht mitgeteilt.

Testinfrastruktur vor dem Standard

Prüf- und Zertifizierungsinstitute bauen Messumgebungen auf, bevor die zugehörige 3GPP-Spezifikation final verabschiedet ist. Das ist kein neues Vorgehen. Bei FR2 und frühem 5G verlief die Entwicklung ähnlich. Zertifizierungs- und Konformitätsprozesse benötigen Vorlauf, weshalb Institute frühzeitig Kompetenz und Equipment aufbauen.

Das bedeutet für Entwickler: Wer heute in FR3-taugliche Frontends investiert, muss mit Anpassungen rechnen, sobald der 6G-Standard und die Bandgrenzen endgültig festgelegt sind. Eine Pre-Standard-Testumgebung wie die von KTR liefert zwar frühe Messdaten, kann aber eine finale Konformitätsprüfung nicht ersetzen.

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Entwickler können so frühzeitig feststellen, ob ein Frontend-Ansatz funktioniert oder nicht. Wer heute in ein FR3-Frontend investiert, setzt auf einen Standard, der noch nicht existiert. Die Messung kann nicht vorhersagen, wie 3GPP entscheiden wird. Aber sie kann ihm sagen, ob sein Ansatz überhaupt eine Chance hat. (heh)

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