DIY-Cyberdeck Maker bauen ihre Computer wieder selbst

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Unter Makern gewinnen Cyberdecks an Popularität und Raspberry Pi greift das Thema mit einer eigenen Anleitung für den Bau eines individuellen, tragbaren Rechners auf. Dabei geht es weniger um die günstigste Alternative zum Notebook als um ein Computersystem, das sich exakt an seinen Einsatzzweck anpassen lässt.

Das Cyberdeck von Raspberry Pi in seiner selbstgebauten Pracht.(Bild:  Raspberry Pi)
Das Cyberdeck von Raspberry Pi in seiner selbstgebauten Pracht.
(Bild: Raspberry Pi)

Laptop aufklappen, arbeiten, zuklappen: Für die meisten mobilen Rechner ist damit das Konzept weitgehend beschrieben. Ein Cyberdeck hingegen verfolgt einen anderen Ansatz. Display, Tastatur, Rechner, Stromversorgung und Schnittstellen werden zu einem individuellen System kombiniert – gerne in einem robusten Koffer und mit einer Optik, die auch aus einem Science-Fiction-Film stammen könnte. Woher kommt der Begriff „Cyberdeck“? Es handelt sich um eine Kurzform von „Cyberspace Deck“ und tauchte erstmals 1984 in William Gibsons Cyberpunk-Roman „Neuromancer“ auf. Dort bezeichnet er einen persönlichen, mobilen Computer, mit dem sich Nutzer mit dem Cyberspace verbinden. Später wurde der Begriff von zahlreichen Cyberpunk-Welten übernommen, darunter Cyberpunk und Shadowrun. Menschen, die Cyberdecks bauen oder benutzen, werden teilweise als „Decker“ bezeichnet. Mittlerweile bezeichnet Cyberdeck auch reale, meist selbstgebaute und individuell konfigurierte mobile Computer.

Cyberdecks sind derzeit insbesondere in den sozialen Medien populär und stehen unter anderem für eine Entschleunigung und Bildschirm-Detox. Nicht die bombastischste Technologie steht im Mittelpunkt, sondern die Rückkehr zur selbstgebauten Elektronik, zum kreativen Ausdruck und zu handwerklichen Hobbys. Um die Kreativität der Decker (oder denjenigen, die einer sein wollen) zu befeuern, haben die Verantwortlichen von Raspberry Pi im August 2026 eine eigene Anleitung veröffentlicht, die Maker beim Bau eines solchen Cyberdecks unterstützen soll. Anlass ist nach Angaben des Unternehmens die derzeit wieder wachsende Popularität der selbstgebauten Rechner in der Maker-Community.

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Erst der Einsatzzweck, dann die Hardware

Eine feste Stückliste für ein Cyberdeck gibt es bewusst nicht. Vielmehr wird empfohlen, zunächst festzulegen, wofür der Rechner eingesetzt werden soll. Denkbar sind beispielsweise portable Entwicklungsrechner, Mess- und Steuerungssysteme oder mobile Bodenstationen für Modellraketen und Höhenballons.

Als Rechner bietet sich ein Raspberry Pi an. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Leistungsbedarf, Stromverbrauch und verfügbarem Platz ab. Hinzu kommen Display, Eingabegeräte, Speicher und eine für den mobilen Betrieb geeignete Stromversorgung. Schnittstellen und zusätzliche Hardware lassen sich entsprechend dem Einsatzzweck ergänzen.

Gerade darin liegt der Unterschied zum fertigen Notebook: Ein Cyberdeck muss nicht universell einsetzbar sein. Stattdessen kann der Entwickler beispielsweise GPIO-Schnittstellen nach außen führen, Sensoren integrieren oder Bedienelemente direkt ins Gehäuse einbauen.

Raspberry Pi und Mikrocontroller lassen sich kombinieren

Auch die Kombination aus Linux-Rechner und Mikrocontroller ist möglich. Ein Raspberry Pi Pico kann neben einem Raspberry Pi beispielsweise zeitkritische oder hardwarenahe Aufgaben übernehmen. Raspberry Pi beschreibt die Kombination der beiden Plattformen unter anderem für portable Projekte: Der Pico lässt sich vom Raspberry Pi 5 aus mit MicroPython programmieren und anschließend unabhängig betreiben. Damit kann ein Cyberdeck weit über einen Rechner im selbstgebauten Gehäuse hinausgehen. Denkbar sind eigene Taster und Anzeigen, Sensorik, Status-LEDs oder die Überwachung der Stromversorgung.

CAD, 3D-Drucker und Lasercutter helfen beim Gehäusebau

Einen erheblichen Teil des Projekts nimmt die Mechanik ein. Die Leute von Raspberry Pi empfehlen zunächst einfache Modelle beziehungsweise Mock-ups, bevor Halterungen und Gehäuseteile im CAD konstruiert werden. Im Beispiel kommt SOLIDWORKS for Makers zum Einsatz; als Alternativen werden unter anderem Fusion 360 und das Open-Source-Werkzeug FreeCAD genannt. Anschließend können die Komponenten beispielsweise per 3D-Druck oder Lasercutter gefertigt werden. Dass dabei nicht alles beim ersten Versuch passt, gehört ausdrücklich zum Konzept. Abmessungen, Kabelführung und Halterungen werden während des Aufbaus iterativ angepasst.

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Wie weit sich das Prinzip treiben lässt, zeigt auch die aktuelle Cyberdeck-Sammlung des Raspberry Pi Official Magazine. Ein dort vorgestelltes System kombiniert beispielsweise einen Raspberry Pi 5 mit 8 GB RAM, Trackball und herausgeführten GPIOs. Für externe Verbindungen verwendet der Erbauer unter anderem Jaeger- und LEMO‑Steckverbinder. Andere Projekte setzen dagegen auf möglichst kompakte Gehäuse aus dem 3D‑Drucker. Ein Beispiel kombiniert einen Raspberry Pi 5 mit einem 3,5-Zoll-Display und einer Miniaturtastatur.

Damit ist das Cyberdeck eine spannende Einladung zum Hardware-Hacking: Statt sich mit den Anschlüssen und der Bauform eines fertigen Notebooks abzufinden, bestimmt der Entwickler selbst, welche Hardware sein mobiler Rechner benötigt. (sb)

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