Schukat electronic: Ungewissheit in puncto US-Behörden beim Dodd-Frank-Act
Bert Schukat, Geschäftsführer Schukat electronic: „Ein wesentlich raueres Fahrwasser erwarten wir erst, wenn die Trump-Administration einen deutlich protektionistischeren Kurs steuert.“
(Bild: Schukat electronic)
Die Konjukturdaten für 2017 sehen zwar gut aus. Für die Branche haben sich Erwartungen 2016 im 2. Hj. nicht ganz erfüllt, daher gehen wir mit leicht gedämpften Erwartungen ins Jahr 2017. Selbst vor diesem Hintergrund erwarte ich ein gutes einstelliges Wachstum für 2017.
Welche Herausforderungen bringt das Jahr 2017 für die Distribution und wie ist darauf zu reagieren?
Durch Übernahmen speziell im Halbleiter-Bereich und strategische Neuausrichtungen bei einigen großen Herstellern bleibt es auch 2017 weiter eine Herausforderung für die Distribution.
Die Konsolidierung wird bestimmt nicht schlagartig, aber durchaus auf die Dauer zu einer Verschlankung der einzelnen Portfolios führen. Es wird für die Distribution das Hauptaugenmerk sein, diesem Kurs zu folgen und die Kunden in dieser Zeit optimal zu unterstützen.
Unsere Kunden haben immer kürzere Vorlaufzeiten, sie setzen darauf, bei uns Produktionsmengen ab Lager zu günstigen Konditionen zu bekommen. Diesen Kurs werden wir auch 2017 weiter verfolgen und dank ausgefeilter Logistik sehr schnelle Lieferungen realisieren. Speziell für unsere vielen EMS-Kunden ist das ein ganz relevantes Thema.
Sehen Sie in der nächsten Zukunft eine Verknappung bei elektronischen Bauteilen und Komponenten?
Zur Zeit ist dahingehend noch nichts zu spüren, aber es laufen Gespräche, die eine Verknappung z. B. im Bereich der Tantals als möglich erscheinen lassen. Hier ist mit Sicherheit der Ausstieg von Samsung aus diesem Bereich ein Faktor.
Welche technischen Trends werden aus Ihrer Sicht im neuen Jahr den Durchbruch schaffen?
Die Schlagworte IoT und Industrie 4.0 werden auch in 2017 die Schlagzeilen dominieren. Unter diesen Begriffen verbergen sich ja eine Vielzahl von Anwendungen und Trends.
e-mobility wird 2017 mehr in den Fokus geraten. Wir haben hier sehr interessante Projekte mit guten forecast Zahlen in der Pipeline.
Sobald sich klare Standards bei den Entwicklern durchsetzen, wird das Wachstum rasant zunehmen. Ob das schon 2017 sein wird, ist allerdings fraglich.
In welchen Bereichen erwarten Sie für Ihr Unternehmen besondere Entwicklungs- und Wachstumschancen?
Im Fokus für 2017 stehen z. B. power supplies für e-mobility, medical und LED lighting-Anwendungen. Hier ist unser FSE & FAE-Team mit vielen interessanten Kunden im Kontakt.
Erwarten Sie nach der Brexit-Entscheidung und dem Trump-Wahlsieg raueres Fahrwasser für Ihr Unternehmen?
Unsere Verflechtungen Kunden- bzw. Lieferantenseitig zu USA und GB sind eher gering.
GB: Deutlichere Einflüsse durch das Volksvotum erwarten wir erst für die Zeit, nachdem der Brexit vollzogen ist. Die weitere Entwicklung geht mit den politischen Entscheidungen der britischen Regierung als Reaktion auf das Ergebnis der Austrittsverhandlungen einher. Diese signalisierte jüngst einen wirtschaftsfreundlichen Kurs mit dem Ziel, die lokale Wirtschaft zu stärken. Ein anhaltend schwaches Pfund, welches Exporte erleichtert, Importe aber verteuert, wird dazu beitragen. Für 2017 sehen wir daher nur geringe Auswirkungen auf unser Geschäft.
USA: Die sich abzeichnende Trump-Administration wird einen deutlich wirtschaftsfreundlichen Kurs einschlagen. Sie konkretisiert dies z. B. durch die Ernennung von Scott Pruitt als zukünftigem Chef der Umweltschutzbehörde EPA. Das ist eine Kehrtwende in der US-amerikanischen Klima- und Umweltpolitik. Wesentliche Errungenschaften des Umweltschutzes werden dadurch vermutlich nicht sogleich aufgehoben, aber es wird zu massiven Lockerungen im Umweltrecht und einem deutlich lascheren Umgang mit Umweltauflagen kommen, was zu erheblicher Entspannung in der US-Wirtschaft führt.
In der EU führt die sich abzeichnende Ungewissheit, wie die US-Behörden etwa beim Dodd-Frank-Act fokussieren werden, zu Verunsicherungen. Ereichterungen im Finanzsektor werden die US-Wirtschaft zumindest kurzzeitig beflügeln. Eine erstarkende US-Wirtschaft und ein mit ihr gegenüber dem € aufwertender Greenback verteuern US$-basierte Einkäufe für uns. Bei hart umkämpften Geschäften kann ein geschicktes Währungsmanagement den Ausschlag für eine Auftragserteilung geben. Ein wesentlich raueres Fahrwasser für unser Geschäft erwarten wir erst, wenn die Trump-Administration einen deutlich protektionistischeren Kurs steuert. Genau das hat Trump angekündigt.
Stand: 08.12.2025
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