SE Spezial-Electronic: Herausforderung Digitale Transformation
Rolf Aschhoff, Vice President Marketing & Sales, SE Spezial-Electronic: „Der Siegeszug von MEMS-Oszillatoren ist nicht aufzuhalten.“
(Bild: SE Spezial-Electronic)
Nachdem SE Spezial-Electronic im abgelaufenen Jahr beim Umsatz deutlich über dem Branchenschnitt zulegen konnte, sind wir mit gut gefüllten Auftragsbüchern und vielen neuen, technisch oftmals sehr anspruchsvollen Projekten eigentlich sehr zuversichtlich ins Jahr 2017 gestartet. Angesichts einiger neuer besonders innovativer Lieferanten wie beispielsweise Amphenol Advanced Sensors oder NextInput sehe ich auch heutiger Sicht trotz aller vorwiegend politischen Unwägbarkeiten beste Chancen, dass wir unsere starke Marktstellung in Zentraleuropa auch im laufenden Jahr erneut weiter ausbauen können.
Welche Herausforderungen bringt das Jahr 2017 für die Distribution und wie ist darauf zu reagieren?
Eine der zentralen Herausforderungen für die Distribution ist sicherlich die Digitale Transformation, also die kontinuierliche Anpassung und Optimierung der eigenen Unternehmensprozesse an die Bedürfnisse und Erwartungen von Lieferanten und Kunden in einer zunehmend digitalisierten Welt. Natürlich ist es für alle Betroffenen praktisch und bequem, wenn die benötigten technischen Informationen rund um die Uhr via Internet zur Verfügung stehen, wenn Preise per Mausklick international vergleichbar werden und die Bestellung am Bildschirm in wenigen Minuten erledigt ist.
Doch reicht ein Höchstmaß an Digitalisierung und Prozessautomatisierung am Ende tatsächlich alleine aus, um Lieferanten und Kunden zufrieden stellen zu können? Falls nicht: Wieviel technische Unterstützung dürfen bzw. können sich Lieferanten und Anwender in einer weitestgehend digitalisierten Welt von ihren Distributoren noch erwarten?
Wer übernimmt in Zeiten immer komplexerer Systeme und sinkender Margen beispielsweise die kostenintensive technische Unterstützung des Kunden vor Ort? Hier sind neue intelligente Konzepte und Lösungen gefragt, die auch in Zukunft den wirtschaftlichen Interessen aller Beteiligten – denen der Kunden und Lieferanten auf der einen und denen der Distributoren als Dienstleister für die beiden erstgenannten auf der anderen Seite – gerecht werden.
Sehen Sie in der nächsten Zukunft eine Verknappung bei elektronischen Bauteilen und Komponenten?
Nein, aktuell liegen die Lieferzeiten nahezu aller uns SE Spezial-Electronic vertriebenen Produkten im üblichen Normbereich. Lediglich bei Tantal-Kondensatoren haben die Lieferzeiten für Neubestellungen inzwischen auf drei Monate angezogen, aber dies könnte natürlich auch eine Reaktion auf die aktuelle öffentliche Diskussion um die weltweiten Tantal-Reserven sein. Deshalb bereits von einer drohenden Verknappung zu sprechen, wäre momentan meiner Ansicht nach noch zu früh.
Welche technischen Trends werden aus Ihrer Sicht im neuen Jahr den Durchbruch schaffen?
Ein aus meiner Sicht sehr erfreulicher Trend ist, dass Systementwicklern 2017 in vielen Bereichen wesentlich mehr plug&play-fähige modulare Systemlösungen als noch vor zwei, drei Jahren zur Verfügung stehen werden. Trotzdem gehe ich davon aus, dass in Bereichen wie der Gebäudeautomatisierung, Industrial IoT etc. aus Know-how-, aber auch Zeitgründen auch die Nachfrage nach Entwicklungsdienstleistungen seitens der Distribution weiter zunehmen wird. Für Unternehmen wie SE Spezial-Electronic bedeutet dies, dass sie sich auch 2017 vom reinen Bauteilelieferanten immer mehr in Richtung Systempartner weiter entwickeln werden.
Spannend könnte es 2017 auch im Hinblick auf den Oszillatorenmarkt werden. Wann der ganz große Durchbruch für MEMS-Oszillatoren bevor steht, ist aufgrund einer gewissen Marktträgheit zwar schwer vorher zu sagen.
Aber nach der Präsentation von SiTimes neuer Elite Platform mit ihren Stratum 3 Präzisions-Super-TCXOs für Telekomunikations- und Cloud-Infrastruktur-Applikationen, Super-TCXOs für GNSS, industrielle und automotive Anwendungen, Differentialoszillatoren mit extrem geringem Jitter und differentiellen Hochtemperatur-VCXOs kann ich mir nicht vorstellen, dass der Siegeszug von MEMS-Oszillatoren mittelfristig noch aufzuhalten ist. Dafür sind die technologischen und vor allem auch die logistischen Vorteile MEMS-basierter Oszillatoren gegenüber den klassischen quarzbasierten Oszillatoren einfach zu groß.
In welchen Bereichen erwarten Sie für Ihr Unternehmen besondere Entwicklungs- und Wachstumschancen?
Grundsätzlich bieten eigentlich nahezu alle Bereiche, in denen SE Spezial-Electronic tätig ist, besondere Entwicklungs- und Wachstumschancen. Das liegt nicht zuletzt an der Zusammensetzung unserer Linecard, auf der sich neben seit Jahrzehnten etablierten Marktführern wie beispielsweise Epson, Kemet oder WIMA auch etliche besonders innovative Unternehmen finden. So ist SE Spezial-Electronic beispielsweise seit vier Jahren exklusiver deutscher Distributionspartner des Schweizer Wireless-Spezialisten u-blox, inzwischen einer der weltweit führenden Hersteller von ICs und Modulen für die drahtlose Kommunikation.
Weit überdurchschnittliches Wachstumpotenzial bietet auch die enge Partnerschaft mit dem MEMS-Oszillatoren-Pionier SiTime, zumal SE Spezial-Electronic ab sofort als einziges europäisches Unternehmen einen eigenen Programmierservice für SiTime Bauteile bietet. Die programmierbaren Bauteile können via Webshop bequem von Kunden bestellt werden, die Auslieferung der Bauteile erfolgt in der Regel bereits 24 Stunden nach der Bestellung durch den Kunden.
Stand: 08.12.2025
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Jüngste Beispiele für die erfolgreiche Suche nach neuen, aus unserer Sicht besonders vielversprechenden Linien sind die Ende letzten Jahres unterzeichneten Distributionsverträge mit dem Sensorspezialisten Amphenol Advanced Sensors und mit NextInput, ein amerikanisches Start-up-Unternehmen, das mit seiner MEMS ForceTouch-Sensortechnologie völlig neue dreidimensional Bedienmöglichkeiten für Touch-Displays und Taster erschließt. Mit den Produkten der beiden letztgenannten Unternehmen sind wir in der Lage, künftig noch mehr kundenspezifische Komplettlösungen für Wachtumssegmente wie beispielsweise Industrial IoT anzubieten.
Erwarten Sie nach der Brexit-Entscheidung und dem Trump-Wahlsieg raueres Fahrwasser für Ihr Unternehmen?
Kurzfristig nein, zumal wir hinsichtlich unserer Kundenstruktur relativ breit aufgestellt sind, und dadurch viel Unwägbarkeiten besser abfedern können. Inwieweit sich die Brexit-Entscheidung und der Trump-Wahlsieg indes langfristig auf den deutschen Elektronikmarkt und SE Spezial-Electronic im Speziellen auswirken werden, wird unter anderem auch von der künftigen Kursentwicklung des Dollars abhängen. Sollte die von Trump angekündigte Neuausrichtung der amerikanischen Finanz- und Wirtschaftspolitik tatsächlich Realität werden, scheinen eine deutliche Dollaraufwertung und als Folge davon ein möglicherweise drastischer Preisanstieg bei elektronischen Bauteilen nahezu unausweichlich.