KI in der Robotik Neura und RWTH Aachen errichten Trainingszentrum für lernende Roboter

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Um den Datenmangel in der Robotik zu beheben, baut Neura Robotics weltweit Trainingszentren auf. Bis Ende des Jahres 2026 entsteht an der RWTH Aachen eine neue Einrichtung, in der Maschinen für den Industrieeinsatz üben.

(Bild:  Neura Robotics)
(Bild: Neura Robotics)

Neura Robotics erweitert sein globales Netzwerk für künstliche Intelligenz in der Robotik. In Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen entsteht am Hightech-Campus Melaten das sogenannte Neura Gym. In dieser Einrichtung sollen kognitive Roboter unter realen Bedingungen trainieren, bevor Industrieunternehmen sie in ihren Fabriken einsetzen. Der Standort in Aachen ist Teil eines weltweiten Ausbaus: Aktuell errichtet das Unternehmen aus Metzingen zehn solcher Trainingszentren. Fünf davon nehmen bis Ende des Jahres 2026 in Europa, den USA und China ihren Betrieb auf. Finanziert wird die Expansion durch eine Investitionsrunde, bei der Neura Robotics bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar einsammelte.

Hinter dem Projekt steht ein grundsätzliches Problem der Branche: Während digitale Sprachmodelle auf schier unendliche Textmengen aus dem Internet zugreifen, fehlen Robotern oft die nötigen Daten aus der physischen Welt. Bisherige Simulationen am Computer stoßen an ihre Grenzen, da sie die Unvorhersehbarkeit echter Fabrikhallen oder Krankenhäuser nicht vollständig abbilden. In den neuen Zentren kombinieren die Ingenieure daher physisches Training mit präzisen Simulationen. Roboter üben dort Handgriffe in großem Maßstab, um komplexe Bewegungsabläufe zu verinnerlichen und so das Risiko für Fehler bei der späteren Einführung im Betrieb zu senken.

Reale Daten für die industrielle Praxis

Die Anlage in Aachen erstreckt sich über eine Fläche von rund 3.000 Quadratmetern. Die Verantwortlichen binden etwa 20 Institute der Hochschule in den Betrieb ein. Vor Ort testen große Konzerne sowie mittelständische Betriebe künftige Anwendungen für die Fertigung, die Automobilindustrie, die Medizintechnik und die Kreislaufwirtschaft. Zwei Lehrstühle der RWTH Aachen steuern die wissenschaftliche Forschung am Standort: Forscher um den Professor Volkmar Schulz entwickeln physikbasierte Grundlagenmodelle als kognitives Herzstück der Maschinen. Das Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik unter der Leitung von Professor Burkhard Corves konzentriert sich parallel auf die sichere Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter.

Der Gründer und Geschäftsführer von Neura, David Reger, sieht in der praktischen Anwendung die aktuelle Hauptherausforderung der Branche. „Der größte Engpass für Physical AI ist nicht mehr die Intelligenz, sondern die Praxis“, erklärt Reger. „Roboter lernen, indem sie mit der realen Welt interagieren, und genau deshalb bauen wir die Neura Gyms.“ Industrieunternehmen besäßen spezifisches Wissen, das aktuelle Modelle der künstlichen Intelligenz noch nicht abbilden. „Unsere Gyms übersetzen dieses Wissen in einsatzbereite Roboterfähigkeiten, und jeder Partner behält dabei die volle Kontrolle über seine Daten“, fügt der Geschäftsführer hinzu.

Deutschland als europäisches Zentrum

Mit dem Aufbau in Aachen stärkt das Unternehmen den Standort Deutschland als zentralen Knotenpunkt für die Robotik-Infrastruktur in Europa. Neben der Einrichtung in Nordrhein-Westfalen entsteht am Münchner Flughafen das TUM RoboGym. Diese Anlage, die das Unternehmen gemeinsam mit der TU München betreibt, öffnet im vierten Quartal des Jahres 2026. Das Projekt in Bayern umfasst 2.300 Quadratmeter und erfordert ein Investitionsvolumen von 17 Millionen Euro. Zusammen sollen beide Standorte das europäische Rückgrat für das Training kognitiver Maschinen bilden.

Die in den Trainingszentren gewonnenen Daten fließen in das sogenannte Neuraverse, eine cloudbasierte Plattform des Unternehmens. Industrieunternehmen und Entwickler nutzen die Infrastruktur der Hallen, bringen ihr eigenes Fachwissen ein und trainieren die Roboter für ihre individuellen Abläufe. Die Rechte an den generierten Modellen und den trainierten Fähigkeiten verbleiben bei den Partnern. Entscheiden sie sich jedoch dafür, ihre Ergebnisse auf der Plattform zu teilen, wächst das gesammelte Wissen des Netzwerks, wovon wiederum andere Anwender im Ökosystem profitieren. (mc)

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