Nach wirtschaftlichem Erfolg lehnte sich die hiesige Wirtschaft zurück, bis sie nun scheinbar unerwartet vom Stuhl fällt. Ein Kommentar von Viacheslav Gromov, CEO und Gründer des Full-Stack-Embedded-KI-Spezialisten Aitad.
Viacheslav Gromov, Aitad: „Der Feind versteckt sich meist in den trivialen und überheblich gewordenen Gedankenmustern unserer Köpfe.“
(Bild: AITAD)
Für die deutsche Wirtschaft, insbesondere den spezialisierten Mittelstand als deren Rückgrat, galten die letzten Jahrzehnte als „fette Jahre“. Der Gründer-, Tüftler- und Aufbruchsgeist nach dem Wiederaufbau ist verflogen. Effizienz hat die Effektivität endgültig besiegt. Statt also marktfähige Strategien zu erarbeiten, ist nun der Hauptbestandteil des wirtschaftlichen Handelns die Ausoptimierung des Herkömmlichen, Zielfunktion: finanzieller Gewinn.
Auf kurzfristige Leistung optimiert
Durch die Verschlankungs- und Auswaschungskuren sind die Strukturen auf operative, kurzfristige Leistung optimiert. Ein bekanntes Symptom dabei ist die bekannte Überlastung von Führungskräften, ohne Freiraum für Neues. Der Kreativitätsmuskel ist erlahmt. Bestehendes in dessen Grundform infrage stellen tun fortan fast nur noch Praktikanten und Azubis - in durch den Naivitätsvorwurf unbeachteten Flüsterlauten.
Wir dürfen uns nichts vormachen, bekannte Infrastrukturdefizite wie beim Mobilfunk oder Serverkapazitäten sowie die mangelnde Forschungstransfer mit und in die Wirtschaft sind rein die Folgen und keinesfalls die Ursachen unserer in den Erfolgsjahren gewachsener Kultur. Die Divergenz zwischen der Unternehmensstrategie und der Marktentwicklungsgeraden ist Folge der entstandenen Unverbindlichkeit gegenüber Technologie, Neugierde und Zukunftsvisionen, es ist der Mangel an Kraft, Wissen und Abenteuerlust.
Studien zeigen, und nicht zuletzt das berühmte „The Innovator’s Dilemma“, dass der Faktor Zeit bei Innovation wie auch Gründung von neuen Unternehmen und Geschäftsfeldern der entscheidendste ist: Ist der Zug abgefahren, werden Kosten und Aufwände enorm. Zur richtigen Zeit geht es also nicht um Perfektion, sondern im ersten Zuge nur um aktives Vorangehen. Somit werden unbeachtete, neue oder kleine Player zu den größten Gefahren der Zukunft.
Rechtzeitig auf den Zug aufspringen
Dabei zeigt gerade der Embedded-Bereich einen Wandel: datengetriebene Entwicklungen (Prozessinnovation) kommen mit neuen Geschäftsmodellinnovationen wie SaaS, Miethardware oder Trends wie Open Source einher. Solch vielschichtige und übergreifende Innovation über das Produktdenken heraus sind heute kaum noch vorhanden oder erwünscht. Umso schwer fällt die Umsetzung.
Die Wirtschaft muss sich eingestehen, dass es mit einzelnen Tooleinführungen, zahnlosen Innovationsabteilungen oder Prozessoptimierungen nicht gelöst ist: Es muss der Wille, die Freiräume und die Aufklärung für eine entsprechende Unternehmenskultur geben, der alle weiteren Effekte intrinsisch nachfolgen.
Und wo steckt Ihr Feind?
Ein paar Beispiele: Ein ROI darf nicht mehr die Messskala für die unplanbaren Innovationen sein, die Illusion des risikolosen, evolutionären Innovierens muss raus aus den Furchtzentren der Köpfe und das Hinterfragen der gesamten Unternehmung sowie gesunde Schwarzmalerei mit Risikohinnahme müssen im Alltag nicht verwerflich bleiben. Nur so bricht man alte Strukturen. Der Feind versteckt sich meist in den trivialen und überheblich gewordenen Gedankenmustern unserer Köpfe, die dem komplexen und hochdynamischen Weltbild immer ungerechter werden.
Nicht zuletzt deshalb ist unsere hiesige Performance weltweit bescheiden, was den Umgang mit den aktuellen Krisen. Machen wir uns nichts vor, ruhig wird es in der vernetzten und globalisierten Welt so nicht mehr. Mit der entstandenen Wirtschaftskultur und Mentalität gehört Agilität meist zu den Worthülsen, muss aber zum Krisenhelfer Nummer eins werden. Doch mit der Zuspitzung der Notlage kommt auch allmählich die Einsicht: Ob der Innovationszwang einen nachhaltigen Innovationsdrang auslöst, ob es noch rechtzeitig zur Marktführerschaft oder nur noch zu einem dezimierenden Marktmitläufer reicht, steht in den Sternen. Es gilt aber stets: Ihr Feind ist wohl zur richtigen Zeit meistens nicht dort, wo Sie auf ihn warten!
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.