Weg von Big Tech aus den USA Deutschland und Frankreich legen gemeinsamen Plan für digitale Souveränität vor

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Deutschland und Frankreich haben zur Eröffnung der Technologiemesse VivaTech 2026 erstmals gemeinsame Kriterien für digitale Souveränität vorgestellt. Dieser sollen Abhängigkeiten bei Cloud, KI und Dateninfrastruktur verringern und europäische Anbieter stärken.

Digitale Souveränität: Deutschland und Frankreich wollen künftig gemeinsam stärker auf eigene Infrastrukturen, offene Technologien und besser geschützte Datenräume setzen.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Digitale Souveränität: Deutschland und Frankreich wollen künftig gemeinsam stärker auf eigene Infrastrukturen, offene Technologien und besser geschützte Datenräume setzen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam Europas digitale Unabhängigkeit stärker vorantreiben. Zum Auftakt der Technologiemesse VivaTech 2026 in Paris veröffentlichten beide Länder eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität. Ziel derErklärung soll sein, europaweit kritische Abhängigkeiten im Tech-Bereich zu reduzieren und europäische Lösungen zu fördern.

Digitale Souveränität wird in dem Papier als Fähigkeit beschrieben, Technologien unabhängig, selbstbestimmt und sicher zu entwickeln, bereitzustellen, zu nutzen, anzupassen und zu kontrollieren. Damit soll gewährleistet werden, dass Staaten, Unternehmen und Verwaltungen handlungsfähig bleiben und zentrale digitale Prozesse kontrollieren können.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bezeichnete die Stärkung digitaler Souveränität als geopolitisches Gebot der Stunde. Angesichts zunehmender Cyberangriffe, unterbrochener Lieferketten und wechselnder Zugangsregeln bei Schlüsseltechnologien müsse Europa seine Kräfte bündeln. Frankreichs Digitalministerin Anne Le Hénanff verwies auf die Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.

Sechs Dimensionen für mehr Unabhängigkeit

Die gemeinsame Definition beschreibt digitale Souveränität anhand von sechs Dimensionen. Dazu gehören rechtliche Durchsetzungsmöglichkeiten, der Schutz sensibler Daten und die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen. In der Praxis soll dies unter anderem bedeuten, digitale Produkte von Anbietern aus der EU oder aus vertrauenswürdigen Partnerstaaten stärker zu nutzen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf offenen und modularen Technologien. Open-Source-Lösungen und modulare Architekturen sollen verhindern, dass Nutzer dauerhaft an einzelne Anbieter gebunden werden. Außerdem wollen Deutschland und Frankreich eigene Recheninfrastrukturen für Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz ausbauen.

Mit dem Papier wollen Berlin und Paris auch Einfluss auf die europäische Digitalpolitik nehmen. Die Definition richtet sich vor allem an die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten. Sie soll in die Arbeiten am europäischen Paket für technologische Souveränität einfließen und nach dem Willen beider Länder in künftigen Rechtsakten berücksichtigt werden.

Flankiert wird die Initiative durch die Neuauflage des Deutsch-Französischen Zukunftswerks. Die Plattform soll private Akteure, Start-ups und digitale Ökosysteme beider Länder stärker vernetzen, insbesondere in den Bereichen KI, Cloud und Konnektivität. Zu den ersten Aufgaben gehören ein gemeinsamer Katalog souveräner Digitallösungen sowie ein Rahmen zur Bewertung kritischer digitaler Abhängigkeiten Europas.(sg)

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