Halbleiter „Made in Europe“ Chip-Souveränität gibt es nicht zum Nulltarif

Von Margit Kuther 2 min Lesedauer

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Der Konflikt um Nexperia zeigt, wie abhängig Unternehmen in Deutschland etwa von chinesischen Halbleitern sind. Der Ruf nach mehr Halbleitern „Made in Europe“ wird lauter und Unternehmen sind bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen.

Mangelware Halbleiter: nicht nur der Automobilindustrie drohen Produktionsstopps.(Bild:  Gerd Altmann /  Pixabay)
Mangelware Halbleiter: nicht nur der Automobilindustrie drohen Produktionsstopps.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay)

Angesichts der unsicheren Versorgung mit Halbleitern aus dem Ausland wünschen sich die betroffenen Unternehmen zunehmend sichere Bezugsquellen aus Deutschland und Europa. Eine große Mehrheit wäre auch bereit, dafür mehr zu bezahlen, sofern die Leistung der Halbleiter nicht schlechter ist als die ihrer ausländische Konkurrenz – allerdings nur in einem bestimmten Rahmen.

Halbleiter „Made in Europe“

So würden acht von zehn (79 Prozent) der deutschen Unternehmen, die in diesem Jahr Halbleiter kaufen, bis zu fünf Prozent mehr zahlen, wenn diese in Europa produziert werden. 17 Prozent würden sogar bis zu zehn Prozent mehr bezahlen, so dass insgesamt 96 Prozent eine höhere Zahlungsbereitschaft zeigen. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 503 Unternehmen ab 20 Beschäftigten aus verarbeitendem Gewerbe, der IT und Telekommunikation – also Branchen, in denen Halbleiter stark genutzt werden.

Wirtschaft und Politik sind gefordert

Die Befragung wurde von Juli bis September 2025 durchgeführt – also vor den aktuellen Lieferengpässen rund um das Unternehmen Nexperia. Kein Unternehmen war zum Zeitpunkt der Befragung allerdings bereit, mehr als 10 Prozent mehr für europäische Halbleiter zu zahlen. Aber nur ein Prozent schloss einen Preisaufschlag für Halbleiter Made in Europe kategorisch aus. „Europa und Deutschland müssen echte digitale Souveränität aufbauen, Abhängigkeiten verringern und den Handlungsspielraum vergrößern. Es ist ein ermutigendes Signal, dass die Wirtschaft den Weckruf gehört hat und bereit ist, in mehr Versorgungssicherheit und unsere digitale Souveränität zu investieren. Digitale Souveränität gibt es nicht zum Nulltarif und der Aufbau eines wettbewerbsfähigen Halbleiter-Ökosystems kostet zunächst einmal Geld“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Nur gemeinsam können Wirtschaft und Politik einseitige Abhängigkeiten reduzieren.“

Verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie

Damit europäische Halbleiter wettbewerbsfähig produziert werden können, brauche es überdies verlässliche Rahmenbedingungen, gut ausgebildete Fachkräfte und politische Maßnahmen, die Investitionen beschleunigen statt bremsen. „Insbesondere der bürokratische Aufwand muss drastisch sinken“, betont Wintergerst. Nur dann könnten auch Initiativen wie der EU Chips Act erfolgreich sein.

Fast drei Viertel (71 Prozent) bewerten die EU-Maßnahmen zur Stärkung der EU-Halbleiterindustrie grundsätzlich als gut – und nur 28 Prozent als schlecht. Der EU-Chips Act sieht vor, Europas Halbleiter-Ökosystem erheblich zu stärken: Er will Forschungs- und Innovationsführerschaft ausbauen, Design, Fertigung und Packaging fortgeschrittener Chips in Europa fördern, die Versorgungssicherheit erhöhen, die Abhängigkeit von Drittstaaten reduzieren und bis 2030 einen Anteil von 20 Prozent am weltweiten Halbleitermarkt erreichen. (mk)

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