Neue Formate, neue Zielgruppen „Die Sensor+Test verbindet Wissenschaft und Industrie“

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 6 min Lesedauer

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Eine Messe lebt nicht von der Masse, sondern vom richtigen Moment. Deshalb stellt sich die Sensor+Test neu auf: Es sollen weniger Besucher durchgeschleust werden, um mehr echten Austausch zu ermöglichen. Dazu müssen Wissenschaft und Industrie auf Augenhöhe miteinander reden können.

Elena Schultz über eine Messe im Wandel: „Die besondere Stärke der Sensor+Test liegt in der engen Verzahnung von Wissenschaft und Industrie: Hier werden Ideen nicht nur vorgestellt, sondern im direkten Austausch weitergedacht und in Anwendungen überführt.“(Bild:  AMA Service)
Elena Schultz über eine Messe im Wandel: „Die besondere Stärke der Sensor+Test liegt in der engen Verzahnung von Wissenschaft und Industrie: Hier werden Ideen nicht nur vorgestellt, sondern im direkten Austausch weitergedacht und in Anwendungen überführt.“
(Bild: AMA Service)

Vom 9. bis 11. Juni 2026 lockt die Sensor+Test die Experten für Sensorik, Mess- und Prüftechnik nach Nürnberg. Doch die Messe wandelt sich: Sensorik ist heute viel mehr als nur Hardware. Durch die Ergänzung um künstliche Intelligenz, Edge Computing und vernetzte Architekturen verschmelzen die Disziplinen Sensorentwicklung und Software-Engineering zunehmend.

Wie spiegelt sich dieser Wandel auf einer Branchenmesse wider? Wie erreicht man die neue Generation von Digital-First-Elektronikingenieuren und welche Rolle spielen spezialisierte Start-ups? Ich habe mit Elena Schultz, der Geschäftsführerin der AMA Service, darüber gesprochen, wie die Sensor+Test 2026 die Brücke zwischen klassischem Engineering, hochkarätiger Wissenschaft und datengetriebenen Anwendungen schlägt.

Frau Schultz, die Sensor+Test zeigt mit rund 5.000 Besuchern stabile Zahlen. Doch eine Branchenmesse braucht eine jüngere Generation von Elektronikingenieuren. Wie sprechen Sie als Veranstalter die Zielgruppe an, die oft digital-first denkt?

Elena Schultz von der AMA Service: „Sensorik endet heute nicht am Messwert – sie beginnt dort. Erst durch Datenverarbeitung, Software und Kontext entsteht aus der Messung echte Information und damit Mehrwert.“(Bild:  AMA Service)
Elena Schultz von der AMA Service: „Sensorik endet heute nicht am Messwert – sie beginnt dort. Erst durch Datenverarbeitung, Software und Kontext entsteht aus der Messung echte Information und damit Mehrwert.“
(Bild: AMA Service)

Die Erwartungen der jüngeren Generation haben sich deutlich verändert. Das lässt sich insbesondere im Hinblick auf Geschwindigkeit, Zugänglichkeit und Relevanz von Informationen erkennen. Darauf reagieren wir sehr bewusst. Ein zentraler Ansatz ist die Kombination aus digitaler Vorbereitung und einem klar strukturierten, fokussierten Messeerlebnis. Besucher können sich im Vorfeld gezielt über Aussteller, Technologien und Vorträge informieren und ihren Besuch effizient planen. Vor Ort treffen sie dann auf eine kuratierte, kompakte Plattform, die in kurzer Zeit einen fundierten Überblick ermöglicht.

Gleichzeitig setzen wir auf Formate, die den direkten Zugang erleichtern. Das sind beispielsweise thematisch gebündelte Bereiche, kurze Fachvorträge im offenen Forum „Know-how to go“ und anwendungsorientierte Demonstrationen. Für junge Elektronikingenieure ist entscheidend, dass sie nicht nur Produkte sehen, sondern Systeme verstehen: Wie greifen Sensorik, Signalverarbeitung, Datenübertragung und Software ineinander? Genau diesen systemischen Zugang bietet die Sensor+Test mit Schwerpunkten auf Orientierung, technologischer Tiefe und konkretem Anwendungsbezug.

Welche neuen Standformate entwickeln Sie, um auch kleineren Tech-Start-ups und Sensor-Entwicklern eine attraktive Präsentationsplattform zu bieten? Denken Sie an Shared Spaces oder Pop-up-Bereiche?

Für kleinere Unternehmen und hochspezialisierte Entwickler ist Sichtbarkeit bei gleichzeitig überschaubarem Aufwand entscheidend. Deshalb entwickeln wir unsere Standkonzepte gezielt weiter. Neben bewährten Ständen und Gemeinschaftsflächen setzen wir verstärkt auf kompakte, flexible Formate. Ein Beispiel sind unsere neuen Technologie-Boxen, die wir für 2026 erstmals eingeführt haben. Sie richten sich gezielt an Ingenieurbüros, Start-ups und Forschungsteams, die ihre Entwicklungen fokussiert und effizient präsentieren möchten und das mit sehr positiver Resonanz.

Darüber hinaus schaffen thematisch gebündelte Flächen einen klaren Kontext: Besucher erkennen schneller, in welchem technologischen Umfeld sich eine Lösung bewegt. Das kann durch Sensorentwicklung, Messtechnik oder datenbasierte Anwendungen sein. Gerade in diesen Bereichen wird deutlich, wie sich die Branche verändert: Sensorik endet heute nicht am Messwert. Sie beginnt vielmehr dort. Erst durch Datenverarbeitung, Software und Kontext entsteht aus der Messung echte Information und damit Mehrwert.

Entscheidend ist dabei nicht die Größe des Standes, sondern die Qualität der Gespräche. Und genau dafür bietet die SENSOR+TEST die passenden Rahmenbedingungen für alle Beteiligten.

Welche konkreten Networking-Formate entwickeln Sie, die über klassische Standgespräche auf der Sensor+Test hinausgehen?

Klassische Standgespräche bleiben weiterhin wichtig, allerdings werden sie gezielt durch strukturierte Austauschformate ergänzt. Ein zentrales Element ist das offene Fachforum mit kompakten, praxisnahen Vorträgen und direktem Austausch. Ergänzt wird dies durch thematische Areas wie die Calibration Area und die Condition Monitoring Area, die gezielt Dialogräume schaffen.

Ein besonderes Highlight ist das Expertenforum zum Thema „KI-gestützte Messtechnik und Sensorik – Intelligente Systeme zwischen Innovation, Verantwortung und Praxis“, das aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen aus Industrie und Wissenschaft zusammenführt.

Darüber hinaus entstehen viele wertvolle Kontakte in informellen Formaten, wie beispielsweise im Rahmenprogramm der Messe oder beim gemeinsamen Austausch am Abend. Unser Ansatz ist klar: Networking wird nicht dem Zufall überlassen, sondern gezielt unterstützt – fachlich strukturiert und gleichzeitig offen für neue Verbindungen.

Die Sensor+Test wird traditionell von hochkarätigen Kongressen begleitet. Welche Rolle spielen diese für das Gesamtformat im Hinblick auf Wissenstransfer und Vernetzung zwischen Wissenschaft und Industrie?

Die begleitenden Kongresse sind ein zentraler Bestandteil der Sensor+Test und damit ein wesentliches Differenzierungsmerkmal der Messe. 2026 finden parallel zwei hochkarätige Veranstaltungen statt: die 23. ITG/GMA-Fachtagung „Sensoren und Messsysteme“ sowie die ETTC – European Test and Telemetry Conference. Beide Programme sind vollständig belegt und spiegeln die hohe Innovationsdynamik in Forschung und Entwicklung wider.

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Inhaltlich bieten sie eine große Bandbreite: Das beginnt von Sensorik und Messtechnik über Telemetrie, Edge Computing und Datenverarbeitung und reicht bis hin zu komplexen, vernetzten Systemen. Gleichzeitig sind sie ein zentraler Ort für Vernetzung. Über alle Messetage hinweg entstehen vielfältige Möglichkeiten zum Austausch. Unsere Besucher können sich in den Vorträgen, in den Pausen, direkt in der Ausstellung und auch bei gemeinsamen Formaten wie dem Kongress-Dinner austauschen. Die besondere Stärke der Sensor+Test liegt in dieser engen Verzahnung von Wissenschaft und Industrie: Hier werden Ideen nicht nur vorgestellt, sondern im direkten Austausch weitergedacht und in Anwendungen überführt.

Messtechnik-Unternehmen stehen zwischen traditionellem Engineering und der Software-Welt. Wie schaffen Sie es als Messeveranstalter, eine Brücke zwischen beiden Welten zu schlagen?

Diese Schnittstelle ist heute einer der zentralen Entwicklungstreiber der Branche. Messtechnik umfasst längst nicht mehr nur Hardware, sondern auch Signalverarbeitung, Datenmanagement, Softwareintegration und zunehmend KI-basierte Auswertung. Genau diese Konvergenz machen wir sichtbar.

Wir bringen bewusst beide Perspektiven zusammen: klassische Sensorik und Messtechnik ebenso wie Datenplattformen, Auswertesoftware und vernetzte Systemarchitekturen. Besonders deutlich wird diese Brücke im Zusammenspiel von Ausstellung, Fachforum und Kongressprogramm. Hier treffen Entwickler, Systemarchitekten, Softwareexperten und Anwender aufeinander. Sie diskutieren über konkrete Lösungen entlang der gesamten Datenkette. Unser Anspruch ist es, diese Welten nicht getrennt darzustellen, sondern im Kontext. Denn genau an dieser Schnittstelle entstehen Innovationen.

Elektronikingenieure müssen heute Kompetenzen von der Messtechnik bis hin zur Data Science abdecken. Wie spiegelt sich diese Kompetenz-Erweiterung in Ihrem Konferenzprogramm und den Ausstellungsthemen wider?

Die Anforderungen an Elektronikingenieure verschieben sich aktuell sehr deutlich. Weg von der isolierten Hardwareentwicklung hin zu einem durchgängigen Systemverständnis entlang der gesamten Datenkette. Neben der klassischen Sensor- und Schaltungsentwicklung sind heute Themen wie Signalkonditionierung, eingebettete Datenverarbeitung, Echtzeitkommunikation sowie die Analyse großer Datenmengen integraler Bestandteil moderner Messtechniksysteme.

Ein zentrales Element sind dabei die beiden parallel stattfindenden Fachkongresse. Die Fachtagung „Sensoren und Messsysteme“ ist die bedeutendste deutschsprachige wissenschaftliche Veranstaltung in diesem Bereich und entsprechend prominent besetzt. Hier präsentieren Universitäten, Forschungsinstitute und industrielle Entwicklungspartner ihre aktuellen Arbeiten und Forschungsergebnisse. Die Themen reichen von klassischen und neuartigen Sensortechnologien, wie der optischen, thermischen oder gassensitiven Sensorik, bis hin zu sicherheitsrelevanten Anwendungen, Wasserstofftechnologien, Umweltmonitoring und moderner Metrologie. Gleichzeitig wird die Brücke zur Datenverarbeitung konsequent mitgedacht, etwa in den Bereichen Signalverarbeitung, Zustandsüberwachung und datenbasierte Auswertung.

Messtechnik umfasst längst nicht mehr nur Hardware, sondern auch Signalverarbeitung, Datenmanagement, Softwareintegration und zunehmend KI-basierte Auswertung. Unser Anspruch ist es, diese Welten nicht getrennt darzustellen, sondern im Kontext. Denn genau an dieser Schnittstelle entstehen Innovationen.

Elena Schultz

Die ETTC wiederum ist eine internationale Plattform, die im zweijährigen Turnus im Rahmen der Messe stattfindet und als zentraler Treffpunkt für die globale Telemetrie- und Test-Community gilt. Im Fokus stehen systemische und datengetriebene Fragestellungen: Telemetrie, verteilte Messsysteme, drahtlose Kommunikation, IoT-Architekturen sowie Echtzeit-Datenverarbeitung und Edge Computing. Hier geht es zunehmend um die Integration von Sensorik in komplexe, vernetzte Systeme und einschließlich Fragen der Datenintegrität, Synchronisation und Skalierbarkeit.

Beide Kongresse sind vollständig belegt und zeigen sehr deutlich, wie eng Hardware, Datenverarbeitung und Systemintegration heute miteinander verzahnt sind. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Ausstellung wider: Sensorik wird nicht mehr als Einzelkomponente betrachtet, sondern als Teil einer durchgängigen Architektur. Beginnend von der physikalischen Messgröße über die Datenerfassung und -übertragung bis hin zur Auswertung und Anwendung. Für Entwickler bedeutet das: Sie sehen auf der Sensor+Test nicht nur Technologien, sondern vollständige Systemlösungen. Genau darin liegt der Mehrwert für die Praxis. (heh)

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